Unterschied zwischen Tier und Mensch oder Gott kommt rum

Einmal wurde ein Weiser gebeten, den Unterschied zwischen einem Menschen und einem Tier zu erklären. Der Weise lächelte und sprach: „Wenn wir z. B. eine Ratte in ein Labyrinth mit 4 Tunneln setzen und am Ende des 4. Tunnels ein Stück Käse legen, dann wird die Ratte schließlich lernen, dass sie den köstlichen Käse immer im 4. Tunnel findet und somit auch immer gleich in den 4. Tunnel gehen. Das lernt der Mensch auch. Wenn er Käse möchte, dann geht er ebenfalls in den 4. Tunnel.

Wenn aber eines Tages DIE große Schöpfung des Lebens den Käse nun in einen anderen Tunnel legt, dann wird die Ratte weiterhin in den 4. Tunnel gehen und zwar so lange, bis sie kapiert, dass dort der Käse nicht mehr zu finden ist. Irgendwann aber hört sie auf, dort hineinzugehen und sucht in einem anderen Tunnel, bis sie den Käse findet.

Hier zeigt sich jetzt der Unterschied zwischen Tier und Mensch. Menschen gehen immer in den 4. Tunnel, denn sie sind davon überzeugt! Ratten sind von nichts überzeugt, sie interessieren sich für den Käse. Der Mensch aber konstruiert eine Weltanschauung über den 4. Tunnel und davon ist er überzeugt. Er hält es für wichtig, immer in den 4. Tunnel zu gehen, denn das ist seine Überzeugung, sein Glaube. Es ist gar nicht mehr so wichtig, ob dort Käse drin ist oder nicht. Der Mensch hat lieber recht als seinen Käse (oder sein Glück!).

Also merkt euch gut, dass ihr den Käse nie bekommt, wenn ihr ihn dort sucht, wo er gerade noch war. Gott oder DIE große Schöpfung des Lebens verlegt ständig den Käse. Ihr aber werdet nie glücklich werden, wenn ihr nur noch an eure Überzeugungen, an euren „4. Tunnel“ glaubt.

Wenn es euch einmal gelingen sollte, Gott (oder wie immer ihr IHN, SIE, ES nennen mögt) zu begegnen, dann lasst euch keinesfalls von euren Überzeugungen und eurem Verstand steuern und versucht nicht, IHN dort noch einmal zu treffen, denn Gott kommt rum!“

Nach einer alten Zen-Geschichte, bearbeitet von Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Mitten im Urwald …

Mitten im Urwald gab es eine Schule für Tiere. Um dort aufgenommen zu werden, mussten sich die Tiere einer Eignungsprüfung unterziehen. Der Prüfer war ein Mensch. So stand nun ein Elefant, ein Flusspferd, eine Antilope und ein Affe vor einem hohen Baum. Der Mensch stellte sich ganz feierlich vor die Tiere hin und begann nun die erste Prüfungs-Aufgabe mit ernster Mine zu verkünden: “Im Zuge der Gleichstellung aller Tiere bitte ich Sie nun, alle auf diesen Baum zu klettern.”

Nach einer Lehrgeschichte

Keine Benotung im Urwald – und auch sonstwo!

Ob Sie nun schmunzeln oder weinen möchten, diese Urwald Geschichte verdeutlicht die verrückte Situtation, in der wir Menschen mit unserem seltsamen Benotungs-Wahn uns befinden. Kein noch so ausgeklügeltes Benotungs-System kann tatsächlich etwas über den Wert eines Menschen und seine speziellen Fähigkeiten aussagen.

Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern. Wie oft hat ein guter Schüler in der Prüfung seinen Notendurchschnitt verschlechtert. In den meisten Fällen lag das nicht an seinem Können, sondern am Prüfungsdruck und der Angst, zu versagen.

Die begrenzte Tauglichkeit von Zensuren zur Feststellung von Lernfortschritten ist heute in der pädagogischen Diskussion unumstritten. Ein gleicher Bewertungs-Maßstab für alle Schüler ist nicht möglich, wenn man den unterschiedlichen Lern- und Entwicklungs-Rhythmus des einzelnen berücksichtigt.

Es wäre nun wirklich an der Zeit, dass sich unsere Lehrpläne an der Individualität, den Stärken und Talenten eines Menschen orientieren und nicht an einer Gleichmacherei. Letztere mag wohl gesellschaftsfähig sein, aber auf Dauer kaum wirklich lebensfähig.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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