Der König und die Märchenerzählerin

In einem von Platon (antiker griechischer Philosoph) überlieferten Dialog zwischen Sokrates (Griechischer Philosoph, Lehrer von Platon) und Phaidros (Gesprächsparter von Sokrates) erzählt dieser einen fiktiven Mythos über die Entstehung der Schrift. Dort wird geschildert, wie der ägyptische Gott Theut dem König Thamus neben Mathematik und Sternenkunde auch die Schrift als Geschenk brachte mit der Begründung, dass letztere die Ägypter klüger mache und ihr Gedächtnis verbessere. Das Gedächtnis trainieren, nicht in der Erinnerung “versteinern” König Thamus jedoch lehnte Weiterlesen …

Die Reise ins Land der blauen Wunder

Neulich fragte mich eine Märchenerzählerin Kollegin, was sie denn tun sollte, wenn Kinder bei einer Aufführung fragen, ob Märchen wahr seien. In der Regel tun das ja Kinder meist dann, wenn ihnen von den Erwachsenen oder Eltern immer wieder gesagt wird, dass es sich ja nur um Märchen handelt und die eigentlich nicht wahr sein können. Wie kann man auch glauben, dass z. B. eine junge Frau in einen Brunnen springt und auf einer wunderschönen von der Weiterlesen …

Scherben bringen Glück, aber nur dem, der loslassen kann

Ein in spirituellen Dingen weit bekannter und hochgeschätzter Mann sieht eines Tages in der Küche seine Frau weinen. “Was ist mit Dir?”, fragte er besorgt, “Warum bist Du so traurig?” “Ach”, schluchzte da die Frau, “Weil alle Dinge so vergänglich sind!” Der Mann schaute sie ganz ernst an und erwiderte besserwissend und belehrend: “Du solltest das Loslassen lernen. Vor allen Dingen musst Du noch härter werden und Dich daran gewöhnen, dass alles auf dieser Welt vergänglich ist.” Weiterlesen …

Der Schäfer mit den Sternenaugen

Janusz Korczak (Eigentlicher Name: Henryk Goldszmit) war ein polnischer Kinderarzt, herausragender Pädagoge und Kinderbuchautor. Bekannt wurde er vor allem durch seinen großartigen Einsatz für Kinder. So begleitete er 1942 freiwillig die jüdischen Kinder seines Waisenhauses bei der Deportation durch die deutschen Besatzer in ein Vernichtungslager, obwohl das auch für ihn selbst den Tod bedeutete. Es wird berichtet, dass er einst alleine auf der Straße unterwegs war und den Judenstern an seiner Kleidung nicht trug. Daraufhin stellte ihn Weiterlesen …

Der Königssohn hat Eselsohren

„Kleider machen Leute“, „Das Außen zeigt das Innen“, „Sag mir was du »isst«, und ich sag dir, wer du bist!“, „Vögel, die zu früh singen, holt am Abend die Katze“. Sprichwörter gibt es unzählige und manche scheinen auf den ersten Blick voller Weisheit zu sein. Schaut man aber etwas näher hin, dann enttarnen sie sich nicht selten als Klischee, als eingefahrenes Denkschema oder abgedroschene Redensart. Äußere Schönheit, überzogener Körperkult und angebliche Perfektion, so wie es der mediale Weiterlesen …

Vom Raben, der das Feuer brachte

In vielen Mythen und Märchen der Völker sind jene Wesen zu finden, die auf das Geschick der Menschen einwirken können und die man gemeinhin als Elementar- oder Naturkräfte bezeichnet. Wie immer gibt der Mensch diesen Elementarkräften in den Märchen ein Bild, damit er sie mit Worten fassen und verstehen kann. So finden wir in vielen Volksmärchen neben dem Element Erde, Wasser und Luft auch das Element Feuer, das sowohl im Äußeren, wie auch im Inneren brennt. Das Weiterlesen …

Erzählen im Märchenwald: “Schuhflicker und Kupfergeist”

Besonders Märchen, aber auch Mythen, Sagen, Legenden, Fabeln und Weisheitsgeschichten faszinierten schon immer die Menschen. Während echte (Volks-)Märchen nahezu immer ein gutes Ende haben, enden Sagen meist nicht so schön. Doch gerade lokale Sagen führen die Menschen sowohl in das Denken und Fühlen der ortsansässigen Bevölkerung ein, als auch in die Geheimnisse der regionalen Natur. Bei den Märchen werden keine historischen Geschehnisse geschildert, sondern in Sinnbildern und Stimmungen auf Entwicklungen hingewiesen, die sich in der menschlichen Seele Weiterlesen …