Traum oder Wirklichkeit?

Neulich träumte ich, ich wäre ein Schmetterling. Und als ich erwachte, da wusste ich nicht, ob ich nun ein Mensch bin, der träumte ein Schmetterling zu sein, oder vielleicht ein Schmetterling, der träumt ein Mensch zu sein?
(Nach dem altchinesischen Philosophen Zhuangzi)

Die Realitäten sind verschieden in der Wahrnehmung, so heißt es jedenfalls. Und nicht selten hört man, dass Träume nichts anderes sind, als „Schäume“, also null und nichtig. Beobachtet man aber Kinder, so gibt es für sie keine Trennung zwischen Traum und Wirklichkeit. Sie sind sowohl in der Traumwelt als auch in der sogenannten Realität gleichzeitig zu Hause.

Wenn nun Träume nicht nur beschränkt werden auf das, was wir in der Nacht erleben können oder darauf, was wir an Wünschen mit uns tragen, dann ist die Traumwelt ja etwas, was viel mehr mit unserer gesamten Innenwelt zu tun hat. Ist sie deshalb unwirklich, nur weil wir diese Innenwelt nicht mit den äußeren Augen sehen oder mit unseren Händen greifen können?

Nahezu alles stammt aus der Traum- oder Innenwelt!

Stammt nicht vieles oder nahezu alles, was wir im Äußeren wahrnehmen oder kreieren, aus der Innenwelt, aus einer Idee, einem kreativen Gedanken, einer Inspiration bzw. einer Eingebung? Kein Mensch, ob Erfinder oder Künstler, etc., hat jemals etwas geschaffen, wenn es nicht zuvor in seinem Traum oder seiner Innenwelt vorhanden war.

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Geschichten von der Stadt „Blickwinkel“

Geschichten von der Stadt BlickwinkelGeschichten zeigen uns, oftmals schneller als es uns machnmal lieb ist, wie wir unser Leben freundlicher und erfolgreicher gestalten könnten:

„Es war einmal ein Wanderer, der suchte schon sehr lange eine Stadt, in der er glücklich leben konnte. Eines Tages, da kam er an die Tore einer Stadt, dort saß an einem Tisch der Torwächter bei einer Tasse Tee. Er grüßte und fragte: „Wie sind die Menschen in dieser Stadt, kann man ihnen vertrauen?“  Der Torwächter antwortete mit einer Gegenfrage:„Sage mir erst, aus welcher Stadt du kommst? Wie sind dort die Menschen?“

„Oh je“, jammerte der Wanderer, „ich komme aus der Stadt „Blickwinkel“ und die Menschen dort, sie sind alles andere als vertrauensvoll. Sie betrügen, lügen und stehlen, wo sie nur können. Ich bin froh, dass ich nicht mehr bei ihnen sein muss.“  Da sprach der Torwächter: „Ich muss dich leider enttäuschen. Auch hier wohnen keine besseren Menschen. Du wirst dieselben antreffen, wie in deiner Heimatstadt.“

Mit gesenktem Kopf ging der Wanderer weiter. Einige Zeit später kam ein anderer Wanderer und fragte den Torwächter. „Wie sind die Menschen in deiner Stadt?“

„Na ja, wie sollen sie schon sein?“ antwortete der Torwächter, „Sage mir erst, aus welcher Stadt du kommst und wie dort die Menschen sind?“ Der Wanderer sprach: „Ich komme aus „Blickwinkel“. Da sind die Menschen freundlich und zuverlässig und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Ich muss leider aus beruflichen Gründen die Stadt verlassen und suche nun hier Arbeit.“

Der Torwächter lächelte freundlich und sprach: „Es freut mich, dich begrüßen zu dürfen und ich kann dir versichern, dass die Menschen hier genauso wie in deiner Stadt sind. Du wirst dich bald wie zu Hause fühlen.“

Und so geschah es auch! Zeit seines Lebens fühlte sich dieser Wanderer in seiner neuen Heimat wohl und geborgen.“

Nach einer alten Lehrgeschichte,
neu bearbeitet von Karlheinz Schudt

Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen