Die Geschichte vom Tod und dem Gelehrten

Angst und Urvertrauen: Die Geschichte vom Tod und dem Gelehrten

Ein Gelehrter kam eines Tages auf einer seiner ausgedehnten Reisen in eine Stadt. Es war noch zu jenen Tagen, als es noch keine Verkehrsmittel wie heutzutage gab und vieles zu Fuß bewältigt werden musste. Wie er nun ganz ermüdet sich an der Stadtmauer entlang schleppte, gewahrte er den Tod, der im Schatten an der Stadtmauer lehnte. Zunächst traute er seinen Augen nicht aber dann überwand er seine Furcht, ging zu ihm und sprach:

„Was suchst Du hier?“ Der Tod schaute ihn freundlich an und sprach mit ruhiger Stimme: „Ich werde jetzt gleich in die Stadt hinein gehen und mir hundert Menschen holen.“ Als der Gelehrte das hörte, wurde er ganz aufgeregt, sprang gehetzt auf und lief völlig hysterisch in die Stadt hinein und schrie unaufhörlich: „Der Tod ist auf dem Weg hier in die Stadt und will sich hundert Menschen holen!“

Die Menschen dort bekamen es mit der Angst zu tun, schlossen sich in ihre Häuser ein und trafen auch sonst vielerlei unsinnige Vorkehrungen, wie sie dem Tod entkommen konnten. Doch wenn die Zeit gekommen ist, kann niemand dem Tod entrinnen. So verging die Zeit und als der Gelehrte die Stadt wieder verließ, traf er wieder den Tod, der an der Stadtmauer stand. Wütend auf den Tod lief er geschwind zu ihm hin und rief ganz entrüstet:

„Du erbärmlicher Lügner! Du hast mir erzählt, Du wolltest 100 Menschen holen und jetzt sind mehr als 5000 tot.“ Da erhob sich der Tod ganz gemächlich, schaute den Gelehrten ernst an und sprach: „Ich habe mir nach Plan 100 Menschen geholt: Alte, Schwache und Kranke. Die anderen hat die ANGST getötet und die hast Du in der Stadt verbreitet.“

Autor/in dieses Motivs unbekannt.
Aus der Erinnerung neu geschrieben und bearbeitet von Karlheinz Schudt, 2020.

Angst bedeutet Enge

Wissen Sie woher der Begriff „Angst“ kommt? Aus dem Lateinischen „angustus“ bzw. aus dem Althochdeutschen „angus“. In der Übersetzung bedeuten diese Begriffe Enge, Beengung und Bedrängnis. Wenn nun ein Mensch in eben jene Enge oder Bedrängnis kommt, dann fällt er aufgrund der vermeintlichen Bedrohung in eine übermäßige Stressreaktion. Das kennen wir Menschen ja ganz gut. Und obwohl der Volksmund schon lange sagt, dass die Angst keine gute Ratgeberin ist, fallen wir immer wieder von Neuem in diese „Angst-Falle“.

Die aus der Angst entstehende Stressreaktion ist im Grunde nicht schlecht, denn dieser Schutzmechanismus lässt unseren Körper spontan auf etwas Bedrohliches handeln. Erfolgt laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie aus dem Jahre 2017 die Angst allerdings unkontrolliert und sind wir länger diesen extremen Stressreaktionen ausgesetzt, dann kann sich das ungünstig, ja sogar schädlich auf unseren Organismus auswirken. Jedes Übermaß an Angst, Stress und Aggression schwächt unser Immunsystem, das übrigens fortwährend in Tätigkeit ist. Wir bemerken es nur dann, wenn wir krank werden, Entzündungen oder Fieber auftauchen. Eine gestörte Abwehr reagiert übersteigert und Allergien sind Reaktionen darauf. Allerlei Krankheiten und Infektionen werden so Tore und Türen geöffnet.

„Die Schlange beißt sich selbst in den Schwanz“

Jede aus der geschürten Angst resultierende Handlung geschieht immer einseitig, emotional und hysterisch und lässt auf Dauer eben nur einen Blickwinkel zu. Wir versuchen das Problem mit dem Problem zu lösen und merken dabei nicht, dass wir in immer größere Egoismen und Beengungen fallen. Die berühmte „Schlange beißt sich permanent selbst in den Schwanz“. Das vermeintlich Unbekannte lässt uns verschiedenste (Horror-)Szenarien für die Zukunft entwickeln. Doch dabei machen wir ganz subtil unsere Welt der Angst noch größer und geben ihr – ob wir es wollen oder nicht – noch mehr Raum und Energie. Wir verlieren nahezu gänzlich die Konsequenzen aus dem Blick, die sich aus unserem einseitigen Blickwinkel und Handeln ergeben.

Dass das Schüren von Angst schon seit uralten Zeiten bis heute ein probates Mittel von uns Menschen war und ist, um sich andere gefügig zu machen und sie zu Dingen zu nötigen, die sie angeblich brauchen, ist hinlänglich bekannt. Und doch tun wir es wieder und wieder und lassen uns regelmäßig von Neuem davon hypnotisieren. Wenn dies dann auch nocht täglich, ja stündlich und gebetsmühlenartig von allen Seiten (Medien, soziale Netzwerke, Werbung, etc.) an uns herangetragen wird, ist unser Blick gänzlich vernebelt und kaum noch empfänglich für Lösungen oder Ansichten, die nicht aus der (geschürten) Angst, sondern eben aus dem Vertrauen erwachsen könnten.

Angst und Vertrauen stammen aus derselben Kraft

Nun ist die Angst an sich ja nichts Schlechtes. Sie ist im Grunde dieselbe Energie, aus der unser Ur-Vertrauen stammt. Je mehr wir uns aber gegen die Angst wehren oder sie sogar verdrängen, desto stärker und mächtiger wird sie. Wenn nun aber unsere Angst aus derselben Quelle stammt, aus der auch unser Vertrauen entspringt, dann wäre es doch mehr als sinnvoll, wenn wir den inneren Blick oder unsere Herzenstätigkeit auf gerade eben jene Seite dieser kraftvollen Energie lenken, die das Vertrauen beheimatet, anstatt uns von der Angst überwältigen zu lassen. Das bedeutet nicht, das Problem zu missachten oder gar Maßnahmen zu ergreifen, wie am Beispiel der aktuellen „Corona-Krise“, um geschwächten Menschen zu helfen. Aber ein gestärktes Vertrauen mit all den Qualitäten wie Weite, Offenheit, „über den Tellerrand blicken“, Solidarität, Mitgefühl und innere Ruhe, lässt uns aus der Erfahrung der Vergangenheit keine einseitige Erkenntnis gewinnen, die Gegenwart zuversichtlich ergreifen und für die Zukunft mehr als nur einen Blickwinkel wahrnehmen.

„Ändere Deinen Sinn“

Vor einiger Zeit sah ich eine Karikatur. Es wurde dort eine Amtsstube gezeigt mit zwei Schaltern. Am einen Schalter drängelte sich eine lange Schlange von Menschen, die sich noch weit auf die Straße hinaus erstreckte. Am Schalter nebenan saß nur gelangweilt der Schalterbeamte. Dort stand niemand. Über dem Schalter mit der langen Schlange hing ein Schild, auf dem stand: „Medikamente, Operationen, Versicherungen, Karriere, Wirtschaftswachstum, etc.“. Das Schild, das über dem Schalter hing, an dem kein Mensch stand, hatte die Aufschrift: „Lebenseinstellung ändern“.

Vielleicht sind gerade jene globalen (Gesundheits-) Krisen Hinweise, endlich unsere Lebenseinstellung in Frage zu stellen und unseren Blick zu ändern und zu weiten. Anstatt immer mehr auf teure künstliche Mittel zu setzen, um unseren Körper zu erhalten, sollten wir vielmehr dem Leben, der Natur und nicht nur unserem Körper, sondern besonders unserer Seele und unserem Geist vertrauen. Wir würden so ganzheitlicher, bewusster, naturgemäßer, gesünder und glücklicher leben mit der Gewissheit, dass der Körper nur ein kleiner Teil unserer Existenz ist und im Vergleich zur Seele und zum Geist nur die berühmte „Spitze des Eisberges“ ausmacht.

© 2020 Blogartikel, Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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