Die Geburt in der Wüste

Die Geburt in der Wüste

„Es ist besser, ein Licht zu entzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen!“, sagte bereits der chinesische Philosoph Konfuzius ca. 500 Jahre vor Christus. Wie recht er damit hatte! Offenbar mussten die Menschen zu jener Zeit mit nicht viel weniger Problemen kämpfen, als wir heutzutage, tausende Jahre danach. Womöglich gibt es tatsächlich nichts Neues auf diesem Planeten, so sagte jedenfalls der alte König Salomon. Vieles, vielleicht sogar alles, wiederholt sich permanent. Wir sehen es nur nicht, da sich diese Prozesse in anderen „Gewändern“ zeigen.

Aber täten wir es dem Jüngling im Grimmschen Märchen von der Kristallkugel gleich, dann könnten wir wohl das wahre Wesen hinter den Dingen entdecken. So sagt doch die Königstochter zum Jüngling: „… die Augen der Menschen können mich nur in dieser Hässlichkeit erblicken, aber damit du weißt, wie ich aussehe, so schau in den Spiegel, der lässt sich nicht irre machen, der zeigt dir mein Bild, wie es in Wahrheit ist.“

Eigentlich ist es nicht so relevant, ob sich etwas wiederholt oder nicht. Die Frage ist, wie verhalten wir uns in Zeiten der Dunkelheit, die doch ständig um oder besser gesagt in uns lebt? Spätestens am Abend oder in der Nacht entdecken wir, dass Licht und Schatten einfach zusammen gehören, sich ergänzen und vielleicht sogar benötigen. Betrachen wir dazu ein wenig die märchenhafte Podcast-Geschichte „Die Geburt in der Wüste“, die Sie am Ende dieses Beitrags hören können.

Nach Stillstand folgt Bewegung

Es wird von einer Familie in der Wüste erzählt, die keinesfalls in einem Paradies im üblichen Sinne lebte. „Wüste“ bedeutet ja meist, dass kaum Wasser und somit nichts oder nur sehr wenig Leben bzw. Grünes vorhanden ist. Die Geschichte berichtet uns, dass trotz dieser unwirtlichen Gegend diese Menschen niemals über ihr Schicksal klagten. Auch sonst waren sie eher ruhige, zufriedene und nach innen gekehrte Menschen, die ihr Dasein schätzten. Je weniger äußere Anreize vorhanden sind, desto mehr konzentriert man sich auf sich selbst. Womöglich fällt dann auch der Weg nach Innen leichter, zu den eigentlichen Seelenlandschaften. So ist es vielleicht zu erklären, dass gerade in Ländern, in denen es großen Wohlstand mit allerlei äußeren Ablenkungen und konsumorientiertem Schnickschnack gibt, die Unzufriedenheit größer und das Klagen lauter ist, als anderswo.

Die Menschen in dieser Geschichte sind auf ihre Weise glücklich und dennoch kommt so ein leichter Zweifel auf, dass diesem Glück noch etwas fehlt. Schließlich kann man sich nahezu mit jedem Zustand abfinden oder sich eben die Frage stellen, „War’s das schon? Gibt es nicht noch ein besseres Leben?“. Wir wissen nicht, ob sich jemals irgendwer aus dieser Familie diese Frage gestellt hatte, aber eines Tages kam es zu einem völligen Stillstand. Und wenn ein Stillstand im Leben eintritt, dann kann man sicher sein, dass das Leben diesem schnell ein Ende bereitet, zuweilen auf schmerzhafte Weise.

So war es auch hier. Das Wechselspiel der Polaritäten kam zum Erliegen. Die Sonne konnte nicht mehr ihre Aufgabe erfüllen, da sie sich in einem Kaktus verfangen hatte, festgehalten wurde und so permanent auf der einen Seite der Erde scheinen musste, während auf der anderen Seite die Menschen in Dunkelheit lebten. Tag (Licht) und Nacht (Dunkelheit) konnten sich nicht mehr abwechseln, ergänzen und die Familien oder Völker hatten katastrophale Konsequenzen zu durchleiden.

Wer nur die Stacheln sieht, erkennt die Blüte nicht

Wie kann sich aber die Sonne in einem Kaktus verfangen? Jeder vernunftbegabte Mensch würde sich doch diese Frage gleich stellen und die Geschichte ins Lächerliche ziehen. Aber wie in den Märchen, so ist es in nahezu allen Geschichten, die aus einer inneren Quelle geschöpft werden. Es handelt sich hier um seelisch-spirituelle Bilder, die eben Prozesse beschreiben, die sich im Innersten des Menschen abspielen.

Und wer schon einmal einen Kaktus gesehen hat, der kann zunächst nicht viel Schönes an ihm entdecken. Fängt die Pflanze aber an zu blühen, dann offenbart sie eine wundervolle und farbenprächtige Blüte. So ein wenig erinnern die Stacheln des blühenden Kaktus auch an die Dornen der Rose. Man zählt die Kakteen übrigens zu den ausdauernden und anspruchslosen Sträuchern seltener Bäume oder Pflanzen, die unter Extrembedingungen mit sehr wenig Wasser auskommen und zuweilen bis zu 200 Jahre alt werden können.

Hat dieser Kaktus vielleicht nicht auch etwas mit der Einstellung dieser Familie zu tun? Konnte es nicht erst durch ihre Schicksalsergebenheit zu diesem verhängnisvollen Zusammenstoß der Sonne und mit dem Kaktus kommen? Anstatt sich die Frage zu stellen, welcher Weg aus diesen nahezu lebensfeindlichen Bedingungen in der Wüste man gehen könnte, hat man sich mit dem abgefunden, was schon seit vielen Jahren Gesetz war. Wie kann man das wahre und blühende Wunder eines Kaktus auch erkennen, wenn man nur auf seine Stacheln sieht? Doch da, wo das Problem sitzt, ist auch meist eine Lösung zu finden. Aber niemand von der ganzen Sippe kam auf die Idee, diese Lösung zu suchen. Nur ein kleines Mädchen machte sich auf den Weg, um dem ganzen Leid ein Ende zu setzen.

Mit Leidenschaft und Hingabe der eigenen Vision folgen

Auch hier können wir wieder Parallelen zu den Volksmärchen ziehen. Meist sind es die Jungen, die Dummlinge, die ausziehen und alles wieder zu einem glücklichen Ende bringen, da die Alten aus ihrer (Vorstellungs-)Welt nicht herauskommen. Gerade jene haben die Eigenschaft, mit Zuversicht, Ideenreichtum und Mitgefühl sich dem zu stellen, was eigentlich unlösbar scheint. Man könnte meinen, sie glauben an ihre Träume und folgen ihren Visionen, ohne sich von den Meinungen, Ermahnungen und Besserwissereien der anderen abbringen zu lassen. Dies führt meist dazu, dass sich plötzlich die Lösung wie von alleine offenbart.

Dem Mädchen jedenfalls ergeht es so. Sie zögert auch nicht, die Bitte der Sonne zu erfüllen und befreit dieses lebendige Licht aus ihrer starren, zerstörerischen Gefangenschaft und bezahlt mit einem Tropfen Blut dafür. Blut tritt meist nur aus, wenn ein schmerzhafter Prozess vorausgeht, z. B. eine Verletzung oder ein Stich. Wer sich aber mit Leidenschaft und Hingabe seinen Träumen und Visionen verschrieben hat, der weiß, was dieses „Herzblut“ alles bewirken und bewegen kann, selbst wenn es mit Schmerzen verbunden ist. Und wenn sich die freien Himmelskräfte (im Bild des lebendigen Lichtfunkens in der Geschichte) mit den irdischen Lebenströmen (Herzblut-Tropfen) verbinden, dann können sich wahrhaftige Wunder und Geburten ereignen.

So können sogar dort prächtige Oasen entstehen, wo farbenfrohes und vielfältiges Leben zunächst nicht möglich schien. Diese werden nicht nur das eigene Leben zum besten wenden, sondern wirken auch noch weit darüberhinaus auf viele andere Schicksale wohlwollend ein.

Der Märchen-Podcast

Hören Sie nun die Geschichte „Die Geburt in der Wüste“:

Um den Podcast anzuhören, klicken Sie auf das Startsymbol des Media-Players links und schalten Ihre Lautsprecher ein.

© 2008 „Die Geburt in der Wüste“: Karlheinz Schudt und Märchenhaft leben e.V.
© 2020 Kleine Betrachtung, Musik und gesprochen von Karlheinz Schudt, Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Weitere Veröffentlichung des Podcasts in jeder Form außerhalb dieses Blogs nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/Verlags.
Diese Geschichte ist in schriftlicher Form auch in der Broschüre „Die Geburt in der Wüste“ erschienen.

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