Die sieben Türen

Die sieben Türen

Türen spielen im Märchen immer eine besondere Rolle. Und es ist nicht zufällig, dass es Türen oder Tore sind. Ein Beispiel wäre die 13. Türe (Z. B. im Märchen “Die gleißende Kammer”, oder “Marienkind”) . Hierbei handelt es sich nicht um die vermeintliche Unglückszahl “13”, die gerne einem Volksaberglauben zugeschrieben wird, sondern um einen urbildlichen Prozess, den die Menschheit immer wieder seit Urzeiten von Neuem durchlebt. Dieser 13. Prozess wird auch sehr urbildlich in dem Märchen “Dornröschen” (Urfassung) beschrieben.

Die Türe als Durchgang in eine andere Welt

Bleiben wir aber zunächst bei der Türe. Anders als beim Fenster ist sie etwas, durch die man in einen anderen Raum, eine andere Welt nicht nur hineinsehen, sondern eben auch hineingehen kann. Ein Fenster ermöglicht die Sicht in etwas Anderes, womöglich Neues, Unbekanntes. Ich weiß es dann, was mir in diesem Moment die äußeren oder inneren Sinne offenbaren. Eine neue Erkenntnis hat sich mir offenbart.

Dennoch beschränkt sich die Urfunktion eines Fensters darauf, hinein oder heraus zu sehen, aber nicht diesen anderen Raum oder die andere Welt betreten zu können. Das ist bei der Türe eben anders. Wenn der Mensch sich entschieden hat, durch eine Türe zu gehen, dann bleibt er nicht bei der Erkenntnis stehen, zu wissen was auf der anderen Seite ist oder sein könnte. Er ist nun auch bereit dafür, diesen Prozess mit seinem ganzen Gemüt und allen Konsequenzen zu durchleben.

Sich von Begrenzungen befreien

Er verlässt etwas Altes, womöglich Liebgewonnenes, um etwas Neues, Unbekanntes zu erfahren. Das geschieht ständig im Leben. Wenn der Mensch es nicht freiwillig tut, wird er irgendwann einmal vom Leben dazu gezwungen. Wohl dem der rechtzeitig loslassen kann und sich für das vermeintlich Neue öffnet. Auch wenn dieses Loslassen etwas Schmerzhaftes mit sich bringt, so kann es ein heilsamer Prozess sein.

Es befreit ihn von seinen Begrenzungen an die äußere Form, von seinen Täuschungen und womöglich sogar von seiner Angst. Selbstverständlich kann es auch zu neuen Abhängigkeiten und Ängsten führen, allerdings nur dann, wenn er sich in anderen Varianten wieder an eine äußere Form mit ihren Begrenzungen bindet. Solange er sich mit seinen Limitierungen identifiziert, wiederholt er dieses “Lebensspiel” immer wieder von Neuem. So kann aus einem schmerzhaften temporären Loslöseprozess ein dauerhaftes Leiden werden, da jede materielle Form sich irgendwann einmal naturbedingt auflöst.

Ausdruck für Abgeschlossenes: Die Zahl “12” 

Und da kommt die Zahl “13” ins Spiel. Sie weist darauf hin, dass es Zeit ist, über die “12” hinaus zu denken oder zu fühlen. Die “12” ist in vielen Kulturen und Religionen ein Ausdruck für etwas Abgeschlossenes, Vollständiges:

Die 12 Monate, die ein ganzes Jahr bilden, die 12 Stunden Tag/Nacht, die 12 Tierkreiszeichen. Im Christentum sind es die 12 Stämme Israels, die 12 Apostel, die 12 Tore des Neuen Jerusalems. Im Judentum wären da die 12 Söhne Jakobs und die daraus hervorgehenden 12 Stämme als Grundpfeiler der Identität. Und in der Mythologie sind es die 12 olympischen Götter im griechischen Pantheon sowie 12 Hauptgötter in vielen anderen Kulturen. Schließlich spricht man auch in China von den 12 Tierkreiszeichen (Zodiac) und den 12 Erdzweigen.

Die Zahl “13” bricht das Alte auf

Die Zahl “13” jedoch läutet Veränderung ein. Und wie jeder Prozess, der über den “eigenen Tellerrand” hinaus blicken lässt, bringt er eine neue Sichtweise mit sich. Die “13” bricht das Alte auf, selbst wenn es zunächst schmerzhaft ist. Aber wie bereits erwähnt, aus dem vorübergehenden Schmerz wird ein dauerhaftes Leiden, wenn der Mensch sich an neue Formen bindet. Letztere sind zwar notwendig, um sich in der materiellen Welt zurecht zu finden, aber wenn er sich mit der Form, also seinem Körper so identifiziert, dass er dabei das Bewusstsein, seine Seele oder seinen Geist vernachlässigt, ja sogar vergisst, dann ist ein permanentes Leiden vorprogrammiert.

Das Märchen von den 7 Türen

Welche Erkenntnisse und leidvollen Erfahrungen dabei sieben Königskinder machten und welche Kraft die Erlösung herbei führte, hören Sie in dem neuen Märchen “Die sieben Türen”:

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© 2026 “Die sieben Türen”: Karlheinz Schudt und Verlag Märchenhaft leben e.V.

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Mit märchenhaften Grüßen
Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Coach