Der Morgen ist weiser als der Abend

Der Morgen ist weiser als der Abend

Das Zitat „Der Morgen ist weiser als der Abend“ ist womöglich kein eigenständiger Märchentext, sondern eine sprichwörtliche Weisheit, die sowohl in der Literatur, als auch in Märchen verwendet wird. Man möchte damit ausdrücken, lieber eine Nacht (manchmal sogar drei Nächte) über Dinge nachzudenken, bevor man eine Entscheidung trifft.

Der Zar richtete drei Hochzeiten aus: Den ältesten Sohn vermählte er mit der Bojaren Tochter, den mittleren mit der Tochter des Kaufherrn und den unglücklichen Zarewitsch Iwan mit dem Frosch. Eines Tages rief der Zar abermals die Söhne zu sich. “Ich möchte wissen, welche von euren Frauen am geschicktesten mit der Nadel umzugehen versteht. Bis morgen soll mir jede ein Hemd nähen.” Die Söhne verneigten sich und gingen. Zarewitsch Iwan kam nach Hause, setzte sich und ließ den Kopf hängen. Der Frosch hüpfte auf dem Fußboden herum und fragte: “Was betrübt dich, Zarewitsch Iwan? Hast du Kummer?” “Mein Vater will bis morgen ein Hemd von dir genäht haben.” Der Frosch antwortete: “Gräm dich nicht, Zarewitsch Iwan, leg dich besser schlafen, der Morgen ist weiser als der Abend”.
Aus “Die Froschkönigin” Russisches Volksmärchen, gesammelt von A. N. Afanasjew

Nun geht es ja weniger um das Nachdenken, wenn ein Mensch in der Nacht aufgrund einer Entscheidung sich solange den Kopf “zerbricht”, bis er am Ende nur noch brummt. Er verbessert damit keinesfalls die Lösungsfindung. Im Gegenteil, der fehlende Schlaf lässt ihn am anderen Morgen noch schlechter aussehen und gefährdet überdies hinaus womöglich auch noch seine Gesundheit.

Intuition, Inspiration, Imagination

Je verbitterter und willentlicher wir um eine Lösung kämpfen, desto mehr wird damit unser Verstand angefeuert, nicht aber unsere Inspiration oder Intuition. Jene lassen sich nicht zwingen und sind eher mit der Muse verwandt, die bekannterweise nur küsst, wenn man sich für die Regionen unseres Bewusstseins öffnet, die solche Lösungen im Stillen, Verborgenen hervorbringen kann. So wird wohl eher das Schlafen und Träumen gemeint sein, das in diesem Zitat “Der Morgen ist weiser als der Abend” zum Ausdruck gebracht werden soll.

Nun ist nicht nur der Schlaf oder Traum alleine eine Möglichkeit, um Lösungen zu finden oder kreative Gedanken bzw. Ideen zu haben. Dem Menschen ist es zu jeder Zeit möglich, sich sogar mit offenen Augen in jene “Anderswelt” hinein zu träumen und daraus zu schöpfen. Ob dies beim Spaziergang in der Natur, während des Autofahrens, beim Duschen oder sonst wo geschieht, das spielt am Ende nicht so eine entscheidende Rolle. Entscheidend ist, was man sich vorstellt und wie man vom Ende her denkt. Wäre es nicht grandios, einen idealen Lösungszustand für alle zu imaginieren, der auch und besonders vom Gefühl durchdrungen ist?

Der Verstand lebt in der Vergangenheit

Der Verstand hingegen kennt nur die Lösungen, die er irgendwann in der Vergangenheit einmal erfahren hat. Das ist auch gut so, denn ohne ihn müssten wir jeden Tag von Neuem lernen, wie die Dinge um uns herum heißen und wie sie anzuwenden sind. Für Lösungen, neue Ideen oder Visionen allerdings ist er denkbar ungünstig, da er nur das für richtig hält, was er kennt. Durch seine Natur ist er an die Beweise der Sinne gebunden. Durch die Vorstellungskraft hingegen kann der Mensch sich über die Begrenzungen der Sinne und somit auch über den Verstand erheben.

Und doch sind wir Menschen heute eher geneigt, uns meist verstandesmäßig mit Lösungen von Problemen auseinander zu setzen, die uns jedoch immer weiter im Kreis herum führen und kaum einen Schritt weiter oder höher bringen. Das hat wohl damit zu tun, dass wir unserem Verstand mehr zutrauen, als unserer Intuition, Inspiration oder Imagination. Die Konsequenzen aus dieser Haltung sind oft Besserwisserei, Überheblichkeit oder Übereifer, die im schlimmsten Falle dahin führen, den anderen überzeugen oder gar manipulieren zu wollen.

Ruhe, Einkehr, inneres Gespräch

Dabei wäre es doch so viel einfacher! Damit die Muse “küssen” kann, benötigen wir Ruhe, Einkehr und das innere Gespräch – ob mit geschlossenen oder offenen Augen. Schließlich sind äußere Erneuerungen wenig sinnvoll, wenn der innere Zustand nicht verändert oder bereit dafür ist. Ein Erfolg oder die Lösung eines Problems kann im Grunde nur durch die richtigen inneren Handlungen erlangt werden. Je länger wir an einem äußeren Zustand verkrampft festhalten, desto weniger nehmen wir unsere innere Stimme und somit auch ungewöhnliche Lösungen oder Möglichkeiten wahr.

Welche Erfahrungen dabei drei Männer hatten, hören Sie jetzt in der Weisheitsgeschichte inkl. Betrachtung: “Der Morgen ist weiser als der Abend”:

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© 2025 “Der Morgen ist weiser als der Abend”: Karlheinz Schudt und Verlag Märchenhaft leben e.V.

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Mit märchenhaften Grüßen
Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Coach