
In vielen Märchen wird immer wieder variationsreich geschildert, wie die Märchen-Protagonisten nicht selten aus tiefer Armut zu Glück und Reichtum gelangen: “Und als sie an der Hochzeitstafel saßen, da schwieg auf einmal die Musik, die Türen gingen auf, und ein stolzer König trat herein mit großem Gefolge. Er ging auf den Jüngling zu, umarmte ihn und sprach: “Ich bin der Eisenhans und war in einen wilden Mann verwünscht, aber du hast mich erlöst. Alle Schätze, die ich besitze, die sollen dein Eigentum sein.”
Zwar enden nicht alle Märchen so ausführlich wie das Volksmärchen aus der Sammlung der Brüder Grimm vom “Eisenhans”, aber in nahezu jedem märchenhaften “Happy End” wird ein Leben in Glück und Wohlstand geschildert.
Geht es wirklich um den Menschen?
Wie jedes Jahr erarbeitet das Team vom Märchenhaft leben e.V. in den Tagen zwischen Weihnachten und “Drei Könige” (Epiphanias) ein Motto für das folgende Jahr. Im Jahr 2012 war das Thema, das zeitloser nicht sein könnte: “Erlebe im Inneren Deinen Erfolg und Reichtum und verwirkliche ihn mit Weisheit und Liebe.”
Ob nun heutzutage der Erfolg und Wohlstand tatsächlich mit Weisheit und Liebe verwirklicht werden, ist fragwürdig. Beobachtet man das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Geschehen in Deutschland und auf der Welt, so sind wir weit davon entfernt. Nicht der Mensch und die Natur stehen im Mittelpunkt des Denkens und Handelns, sondern Rohstoffe, Abhängigkeiten und Lobbyismus.
Auch Kriege werden angeblich aus humanitären Gründen geführt und völkerrechtswidrig begonnen. Schaut man aber etwas genauer hin und lässt darüber hinaus auch fachkundige Stimmen zu Wort kommen, denen selten oder gar kein “öffentliches Mikrofon” (mehr) zugestanden wird, dann kommt man leider zu dem Eindruck, dass geostrategische und wirtschaftliche Interessen weit vor den humanitären liegen. So ist es mehr als verständlich, dass das Vertrauen in die Politik schwindet. Wut und Ängste nehmen überhand und aus einer Hilflosigkeit heraus wird wieder nach einem “starken” Mann oder einer “starken” Frau gerufen.
Karl Kraus, der österreichische Schriftsteller, Satiriker und Lyriker schrieb einmal: “Als zum ersten Mal das Wort ‘Friede’ ausgesprochen wurde, entstand auf der Börse eine Panik.” (Quelle: Kraus, Nachts. Aphorismen, 1924. VI. Nachts)
Verantwortung nicht abgeben, sondern ergreifen und mitgestalten!
Nichtsdestotrotz muss es doch auch eine demokratische Lösung geben, bei der nicht die persönlichen Interessen, Querelen oder Abhängigkeiten eines Politikers und seiner Partei im Vordergrund stehen, sondern das, was dem Volk tatsächlich am Herzen liegt. Ich selbst bin keineswegs ein Staatsrechtler und kann daher nur den Wunsch bzw. die Vermutung äußern, das so etwas möglich ist. Denn da, wo die innere Bereitschaft vorhanden ist, wird sich auch eine für alle zufriedenstellende Lösung finden lassen.
Nun gibt es ja auch Menschen die neue Konzepte diskutieren und erproben, z. B. von einem Grundeinkommen oder wie man die repräsentative Demokratie mit einer direkten Demokratie auch auf Bundesebene ergänzen (nicht ablösen) könnte. Trotz mehrfach erbrachtem Nachweis der Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens für jeden Menschen und der Notwendigkeit eines “Updates” unserer derzeitigen Demokratie kam es bisher zu keiner ernsthaften öffentlichen Auseinandersetzung bzgl. einer politischen Umsetzung.
Aber kann denn die Änderung tatsächlich von Staat und Politik ausgehen? Haben wir unsere Verantwortung nicht alle 4 Jahre delegiert an jene wenigen, von denen wir glauben, dass sie alles richten werden? Je mehr wir unsere Verantwortung abgeben, desto weniger können wir mitgestalten und müssen uns am Ende nicht wundern, wenn Dinge getan werden, die uns überhaupt nicht passen. Wie aber könnte eine Veränderung von “unten” aussehen und welche Verantwortung müssten wir wieder zurück gewinnen oder neu schaffen?
Vielleicht hilft uns dabei ein wenig das Märchen “Prinzessin Leben und Prinz Einkommen”, das an die hohen Werte des Lebens: Glück, Liebe, Erfolg und Gesundheit und an praktizierte Solidarität erinnert:
Der märchenhafte Podcast
© 2012 “Prinzessin Leben, Prinz Einkommen und Drache Armut”: Karlheinz Schudt und Verlag Märchenhaft leben e.V.
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Mit märchenhaften Grüßen
Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Coach

