Et gien mal ‘n Mäken von Brakel na de sünt Annen Kapellen uner de Hinnenborg, un weil et gierne ,n Mann heven wulle un ock meinde, et wäre süs neimes in de Kapellen’ sau sank et
‘o hilge sünte Anne,
help mie doch bald tom Manne.
Du kennst ‘n ja wull:
he wuhnt var’m Suttmerdore’
hed gele Hore.
du kennsc ‘n ja wull.’
De Köster stand awerst hünner de Altare un höre dat, da rep he mit ,ner gans schrögerigen Stimme ‘du kriggst ,n nig, du kriggst ,n nig.’ Dat Mäken awerst meinde, dat Marienkinneken, dat bie de Mudder Anne steiht, hedde üm dat to ropen, da wor et beuse un reip’pepperlepep, dumme Blae, halt de Schnuten un lat de Möhme kühren (die Mutter reden).’
KHM 139, Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm, Fassung von 1857
Hochdeutsche Übersetzung
Es ging einmal ein Mädchen aus Brakel zur Sankt-Annen-Kapelle unter der Hinnenburg. Weil es gern einen Mann haben wollte und auch meinte, es sei sonst niemand in der Kapelle, sang es:
„O heilige Sankt Anna,
hilf mir doch bald zu einem Mann.
Du kennst ihn ja wohl:
er wohnt vor dem Suttmertor,
hat gelbe Haare,
du kennst ihn ja wohl.“
Der Küster stand aber hinter dem Altar und hörte das. Da rief er mit einer ganz schrillen Stimme:
„Du kriegst keinen, du kriegst keinen!“
Das Mädchen aber meinte, das Marienkindchen, das bei der Mutter Anna steht, habe ihr das zugerufen. Da wurde es böse und rief:
„Papperlapapp, dumme Gans, halt den Schnabel und lass die Muhme reden!“