Über die Brüder Grimm

Mitte des 17. Jahrhunderts sammelt zum ersten Mal der Dichter und Schriftsteller Charles Perrault in Frankreich die ersten Märchen und hielt sie schriftlich fest. So richtig bekannt in Deutschland wurden die Märchen durch die Brüder Grimm, die 1810 einige uns heute bekannte Märchen z. B. von der Märchen-Erzählerin Dorothea Viehmann oder von Marie Hassenpflug erhielten, die von französischen Hugenotten abstammten. Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm bearbeiteten diese Märchen und veröffentlichten sie erstmals 1812.

Grimms Märchen nennt man volkstümlich die berühmte Sammlung Kinder- und Hausmärchen, in der Forschungsliteratur auch als KHM abgekürzt, die Jacob und Wilhelm Grimm als Brüder Grimm von 1812 bis 1858 herausgaben.

Die Brüder sammelten auf Anregung der Romantiker Clemens Brentano, Achim von Arnim und Johann Friedrich Reichardt ursprünglich für deren Volksliedersammlung “Des Knaben Wunderhorn” ab 1806 Märchen aus ihrem Bekanntenkreis und aus literarischen Werken. Sie waren ursprünglich nicht nur für Kinder gedacht, sondern entstanden vor allem aus volkskundlichem Interesse und erhielten entsprechende märchenkundliche Kommentare. Wilhelm Grimms sprachliche Überarbeitungen schufen daraus einen Buchmärchenstil, der bis heute das Bild von Märchen prägt.

Jakob Ludwig Karl Grimm wurde am 4.1.1785 in Hanau geboren, sein Bruder Wilhelm Karl Grimm am 24.2.1786 am gleichen Ort. Der Vater war Jurist. Die Kinder lebten die ersten Jahre ihrer Jugend in Steinau und sie besuchten das Lyceum im Kassel. Seit 1829 bzw. 1839 waren sie Professoren in Kassel. Aufgrund ihrer Teilnahme am Protest der “Göttinger Sieben” wurden sie des Landes verwiesen. Die Göttinger Sieben waren eine Gruppe von Göttinger Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der 1833 eingeführten liberalen Verfassung im Königreich Hannover durch Ernst August I. protestierten. Die sieben Professoren wurden deshalb entlassen. Seit etwa 1840 lebten beide Brüder in Berlin. Jakob Grimm starb am 20.9.1863 in Berlin, sein Bruder am 16.12.1859 am gleichen Ort.

Volksmärchen haben bis heute keine feststellbaren Urheber. Sie sind eine Folge der Mythen, Sagen und Legenden und sprechen ganz besonders den Einzelmenschen an, da sie kurz und klar, aber dennoch poetisch und für alle Menschen nachvollziehbar erzählt werden. Wenn nicht gerade fragmentarisch, als Schwank, Sage oder Legende überliefert, gehen die echten Märchen trotz aller Widrigkeiten gut aus.

Dies ist eine der wichtigsten Merkmale des Märchens und wohl auch die größte Lebenshilfe für den Menschen in unserer heutigen Zeit. Zeigt es doch in so manchen schier ausweglosen Situationen in Sinnbildern ungewöhnliche Lösungen auf, Vertrauen zu schöpfen und sein Lebensziel immer im Herzen zu tragen. Die Märchen der Brüder Grimm sollen nach der Bibel das meistgelesene Buch auf der ganzen Welt sein.