Wie die 7 Urbilder heilsam wirken – Mit Märchen heilen, Teil 3

Wie Urbilder wirkenMärchen, wie auch Träume, sind in der Lage, seelische Zusammenhänge im Menschen anzusprechen und Wege zu Problemlösungen aufzuzeigen. Die Märchenbilder setzen sich über Blockaden und Ängste hinweg und verschaffen dem Menschen einen di­rekten Zugang zu seinem Unbewuss­ten.

Märchenbilder haben eine tiefe Verwandtschaft mit den indivi­duellen Gefühlen und Erlebnissen eines jeden Menschen und können so seinen Problemkern treffen und zur Klärung beitragen.

Was nun in psychologischen Kreisen seit Jahrzehnten mit Märchen praktiziert wird, findet neuerdings eine einzigartige seelisch-spirituelle Ergänzung in der therapeu­tischen Arbeit des Märchen- und Lichtimpulses in Vlotho. Die vom Urheber Jean Ringenwald entwickelte Märchentherapie wird seit Anfang der 80er Jahre erfolgreich prak­tiziert. Es ist keine medizinische The­rapie, sondern eine Therapie im ei­gentlichen Sinne des Wortes: Ein „heiliger“ Dienst am Menschen, eine Pflege von Seele und Geist.

Die Märchentherapie gründet auf einer möglichen Fassung des sogenannten Urmärchens „Die goldene Kugel“. Durch die sieben Stufen (nach Jean Ringenwald) hindurch beschreibt dieses Märchen den Weg des Märchenhelden aus sei­nem Elternhaus hinaus in die Welt, die ihn mit Prüfungen konfrontiert und aus denen er gestärkt hervorgeht. Am Ende jedoch er­reicht er in der Vereinigung mit seiner Braut das strahlende Glück, die Hochzeit und Krö­nung.

1. Der Königliche Ursprung (Urvertrauen)

Der königliche Ursprung, so heißt die erste Stufe des Urmärchens, be­ginnt mit der Geburt des Märchen­helden in einen, wenn auch manchmal nur sehr kurzen paradiesischen Zu­stand hinein. Dort erfährt der Märchen­held, wie auch das kleine Kind im Leben, die Kraft des Urvertrauens, die ihm sein ganzes Le­ben lang bleibt, auch wenn sie oft mit zunehmendem Alter vergessen wird.

2. Die Trennung und Verbindung (Selbstvertrauen)

Die zweite Stufe, die Trennung, zeigt dem Protagonisten, wie er sich von diesem para­diesischen Zustand ablösen kann. Er geht seinen Weg in die Welt hinein und lernt die polaren Kräfte kennen, wie z.B. „Gut“ und „Böse“, Licht und Schatten. Diese Trennung ist der erste Schritt zum Selbstvertrauen.

3. Helfer und Herzensprüfung (Mitgefühl)

Hat der Protagonist oder Märchenheld dieses Vertrau­en in sich errungen, trifft er in der dritten Stufe des Urmärchens seinen Helfer an, der ihn aus seiner Orientierungslosigkeit herausführt. Dies setzt aber Mitgefühl und Offenheit des Märchenhelden voraus. Ein un­scheinbarer alter, grauer Mann oder eine alte Frau stehen ihm oft bei in seiner Not. Aber nicht nur äußere Hel­fer begegnen ihm auf seiner Lebensreise, sondern ebenso innere Helfer, die das Märchen meist mit z. B. Zwergen, Naturgeistern und spre­chenden Tieren symbolisch beschreibt.

4. Kampf und Verwandlung (Vewirklichung)

Die vierte Stufe bildet das Zentrum und den Kern des Urmärchens: Kampf und Verwandlung. Der Märchenheld kämpft voller Mut mit dem Dra­chen, unterstützt durch seinen Helfer oder dessen Geschenk. Er verliert Kraft, aber letztendlich siegt er und erlöst somit seine Braut. An dieser Stelle klingt das sogenannte „Urmotiv“ des Todes und der Auferstehung an, das alle Mythen, Religionen und Schulung­swege der Welt durchzieht.

5. Die Rückkehr (Gleichgewicht)

Nach der Verwandlung oder Auferstehung findet in der fünften Stufe des Urmärchens die Rückkehr ins „verlorene Paradies“ oder ins goldene Schloss statt. In diesem Lebensabschnitt wird der Märchenheld noch­mals mit seinen sogenannten „düsteren“ Kräften kon­frontiert. Diesmal jedoch kämpft er nicht mehr, sondern hat sein höchstes Ziel voll und ganz im Blick. Er verbindet sich nicht mehr mit den alten Kräften, sondern nützt oder integriert sie, damit sie ihn noch schneller an sein Ziel bringen. Die polaren Kräfte helfen ihm nun, sein inne­res Gleichgewicht zu stärken.

6. Die Ankunft. Wahre oder falsche Braut? (Wachheit)

Die Ankunft im goldenen Schlosse behandelt die sechste Stufe des Urmärchens. Hier erwartet den Märchenhelden eine Prüfung, die große Wachsamkeit von ihm fordert. Nun hängt es von ihm ab, ob er das Neue annehmen oder sich wieder mit dem Alten verbinden möchte. Gelingt es ihm nicht, so fällt er in eine Art Dämmerschlaf, aus dem ihn nur noch die Liebe und Klugheit seiner wahren Braut erwecken kann.

7. Hochzeit und Krönung – Liebe und Weisheit! (Vereinigung)

Ist diese Hürde gemeistert, findet die glückliche Hochzeit und Krö­nung statt, die Wiedervereinigung von männlich/weiblich, die Versöhnung mit all dem, was man geliebt aber auch gehasst hat. Die Verbindung mit dem Göttlichen, von dem die aller­meisten Märchen berichten und die in der siebten Stufe des Urmärchens aus­gedrückt ist.

Die Basis der Märchentherapie:
die 7 Urbilder des Märchens und des Lebens

Die Märchentherapie begleitet den Menschen durch diese sieben Stufen des Urmärchens oder Lebens hindurch und hilft ihm so, seine ureigene Lebensaufgabe in sich selbst zu entdecken. Sie ermöglicht ihm anhand z. B. innerer Be­trachtungen (Einkehr, Meditation, etc.) das eigene höhere Ziel im Leben wahrzunehmen und es in stän­dig zunehmendem Kontakt mit der inneren Stimme, dem „Allerhöchsten“ in sich im Alltag mit Freude und Begeisterung zu verwirklichen.

Mehr über die 7 Urbilder erfahren Sie hier:

>>> „Märchenhaft leben“ Märchenzeitschrift zu den 7 Urbildern <<<
>>> Märchen „Die Goldene Kugel“ <<<
>>> Auf zum höchsten Ziel – die 7 Urbilder des Märchens und Lebens <<<
>>> Die Heilkraft der 7 Urbilder des Märchens (Lernprogramm) <<<
>>> Mit Märchen heilen – Die Heilwirkungen des Märchens <<<
>>> Die Märchen- und Licht-Therapie (Lernprogramm) <<<
>>> Die Geburt in der Wüste: Doppel-Hörbuch-CD <<<

Hier gehts zu den beiden ersten Teilen „Mit Märchen heilen“:

>>> Teil 2 <<<
>>> Teil 1 <<<

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Die Sehnsucht nach Ganzheit – Mit Märchen heilen, Teil 2

Sehnsucht nach GanzheitWenn wir uns besonders dem Inhalt der Volksmärchen zuwenden, dann erfahren wir, dass der Protagonist mit einer Vielzahl von Prüfungen konfrontiert wird. Dies ist meist in den Motiven der drei Brüder zu erkennen, von de­nen in der Regel der jüngste, einfache und mitfühlende die Prüfungen besteht.

Der Mensch im Widerspruch zur Natur (zu seiner Natur)?

In der Natur haben wir eine in sich vollkommene, ja nahezu paradiesische Einheit. Tiere und Pflanzen stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich im Sinne des Naturprinzips. Ein zerstö­render Eingriff, der letztendlich die ganze Erde bedroht, findet in diesem Ausmaß nicht statt, da Tiere und Pflanzen in einem ganzheitlich, göttlichen Bewusstsein leben.

Der Mensch aber stellt nun sich selbst, seine Schöpfung und das Naturprinzip „auf den Kopf“ bzw. in Frage. Er wird mit all seinen Tugenden und Untugenden (im Märchen z. B. durch die drei Brüder symbolisiert) in diese Welt hineingeboren, um darin seinen Weg zu finden. Schon alleine durch die Tatsache, dass er willentlich entscheiden kann, meist zugunsten von Macht, Gier und Eitelkeit (im Märchenbild der beiden älteren, gescheiteren Brüder symbolisiert), schließt er sich selbst aus diesem ganzheitlich, göttlichen Bewusstsein aus und wendet sich sogar gegen seine eigene, innere Natur.

Dieses Bewusstsein zwingt ihn in die Trennung. Er kann nicht anders und muss Entscheidungen treffen. Zwar darf er Fehler machen, muss aber die Konse­quenzen  tragen und die nötigen Er­kenntnisse daraus ziehen. Tut er dies nicht, dann würde er niemals zur Ganzheit, zum Heilwerden auf neue Weise zurückfinden.

Zurück – vorwärts zur Ganzheit, zum Heilsein …

Aber Gott sei Dank gibt es ja noch den jüngsten Bruder, den Dummling. Jener stellt sich kaum die Frage, welche Probleme und Hindernisse auf seinem Weg liegen. Der Dummling geht ihn ganz einfach und bewältigt alle Herausforderungen durch Wachheit, Offenheit, Mitgefühl, Lebensfreude, Einfachheit und Natürlichkeit. Nur dadurch kann er die scheinbare Trennung überwinden und die Ganzheit (das Heilsein) wieder erlangen. Keine Resignation, kein Hass, keine Gier, keine Eitelkeit und keine Selbstbeschränkung hindern ihn daran. Dadurch wird sein Herzens-Ziel immer deutlicher und nichts kann ihn mehr davon abhalten.

Jeder Mensch hat dieses höchste Ziel in sich, aber ist er sich dessen auch stets bewusst? Wie weit hat er sich davon bereits entfernt und ablenken lassen? Volksmärchen bedienen sich einer Bildsprache, die leicht für unsere Seele nachvollziehbar ist, vorausgesetzt, man öffnet sich innerlich diesen Bildern.

Das Märchen nimmt die Natur als Ausdruck, da diese in sich vollkommen ist. Der Mensch, ebenfalls Teil der Natur, spielt darin aber stets eine besondere Rolle, die sich in Trennung und Wiederverbindung ausdrückt. Im­mer geht es um einen Einbruch in diese Ganzheit und jedes Mal erhält er die Chance, diese auf einer neuen Stufe bewusst und heil wiederzufinden bzw. zu erschaffen.

Das Märchen – ein heilsamer Lebensweg in seelisch-geistigen Bildern

Das Märchen ist somit ein Lebensweg in seelisch-geistigen Bildern, die einen ständigen Prozess vom Inneren ins Äußere schildern und wieder zurück. Alle entscheidenden Stufen dieses Lebensweges sind von Anfang bis Ende sichtbar, je nach Schwer­punkt des Märchens. In diesem märchenhaften Lebensplan können wir das innere Selbstbildnis, das Urbild des Menschen entdecken.

Das Märchen begleitet uns aus der Ganzheit (Einheit) in die Zweiheit (Trennung), in die Dualität unseres irdischen Daseins. Es zeigt uns aber auch den Weg, wie wir diese Einheit, Ganzheit oder das Heilsein bewusst wieder neu erschaf­fen können.

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© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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