Das Geheimnis von Sonne, Mond und Sterne

SonneSonne, Mond und Sterne sind seit jeher ein beliebtes Anschauungsobjekt für Forscher und Träumer. Doch was fasziniert noch heute die Menschen an diesen leuchtenden Himmelsgestirnen?

Ist es vielleicht die Sehnsucht nach der unendlichen Weite des Kosmos, in dem sich der menschliche Verstand vollkommen zu verlieren scheint? Oder ist es das immerwährende Licht, ein weit entferntes Ziel am Himmel, das es voll Sehnsucht zu erreichen gilt?

Der Kosmos als Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzung?

Unzählige Anstrengungen gab es bereits, diese Gestirne zu erforschen oder zu betrachten. Ob in der Raumfahrt, der Astronomie, Astrologie oder gar in den fantastischen Vorstellungen kreativer Produzenten von Science Fiction oder Fantasy-Filmen.

Dank modernster Computeranimation wird hier der Kosmos in Hollywood-Manier zu einem erweiterten Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen gemacht, wie z. B. in den Filmen: „Krieg der Sterne“ oder „Independence Day“. Gekonnt wird unerforschtes Gebiet, gemischt mit einer gehörigen Portion menschlicher Angst vor dem Unbekannten, zu Sensations-Kassenschlagern vermarktet.

Doch wie so oft sucht der Mensch die Faszination und vor allem das Geheimnis solcher Himmelsphänomene im Äußeren. Wenn man bedenkt, wie viel Anstrengungen heute die Menschen mit einer ausgeklügelten Technik damit verbringen, ihren Körper über diese Erde zu transportieren, zu nähren und zu unterhalten und wie wenig Aufmerksamkeit im Vergleich dazu sie den inneren Welten widmen, ist dies nicht verwunderlich.

Glücklich ist leider noch niemand damit so recht geworden und wenn das eine „Spielzeug“ nicht mehr seinen Zweck erfüllt, dann wird es weggeworfen und es werden die größten Anstrengungen unternommen, möglichst schnell ein „Neues“ zu finden.

Sonne, Mond und Sterne als Symbol einer inneren Realität

Sonne, Mond und Sterne sind aber viel mehr, als jene äußeren Himmelserscheinungen und ihr Geheimnis liegt nur zu einem kleinen Teil in ihrer Entfernung zur Erde, ihrer Größe oder Lichtintensität.

Schon seit Urzeiten waren Sonne, Mond und Sterne bei den Menschen besondere Zeichen einer inneren Realität, Symbole von inneren Lebensprozessen, die nicht selten in Form von Schmuck getragen oder künstlerisch dargestellt wurden (z. B. Bei den Mayas, Azteken, Ägyptern, Bogumilen, Kelten u.s.w.). Auch in vielen Märchen kommen diese Motive vor.

Insbesondere aus der Sammlung der Brüder Grimm finden wir z. B. in Sterntaler, bei den Sieben Raben, im Trommler und auch in der Wahren Braut Hinweise, die in Verbindung mit Sonne, Mond und Sterne auf innere Entwicklungs-Prozesse hinweisen.

Welche wundersamen Geheimnisse insbesondere die Märchen noch offenbaren können und wie diese ganz praktisch im Alltag zu mehr Glück, Liebe, Erfolg und Gesundheit führen können, erfahren Sie z. B. in den Sieben Urbildern des Märchens und des Lebens oder aber in der Märchen-ErzählerIn-Ausbildung.

Ich würde mich freuen, Sie einmal dort kennenlernen zu dürfen!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Der Himmel stürzt ein – ein Märchen

Der Himmel stürzt ein - ein MärchenEin großer Samurai hatte über die Jahre hinweg in unzähligen Kriegen schon viele Kämpfe für seinen Herren gewonnen. Nun aber verlor er seinen ersten Kampf. Gedemütigt, voller Zorn gegen sich selbst und den Rest der Welt, wollte er seinem nun nichtswürdigen Leben ein Ende bereiten.

Er ritt die staubige Landstraße entlang, darüber nachsinnend, wie er sich nun am grausamsten und auffälligsten ins Jenseits befördern könnte. Plötzlich lag vor ihm auf der Straße ein kleiner Spatz auf dem Rücken und streckte seine beiden Füßchen zum Himmel. Der Samurai, in seinem Denken gestört, hielt an und schrie den Spatz an: „Geh mir aus dem Weg, du nichtswürdiges Federvieh!“

Der Spatz aber entgegnete ganz keck: „Nein, das werde ich nicht tun. Ich habe eine große Aufgabe zu verrichten.“ Ganz überrascht und erstaunt über die selbstbewusste Antwort des Spatzen, stieg der Samurai von seinem Pferd ab, beugte sich zu dem Spatzen hinunter und sprach:

„Sage mir, was ist denn so wichtig, dass du mir den Weg nicht freimachen willst?“
„Oh“, sagte der Spatz, „man hat mir gesagt, dass heute der Himmel auf die Erde fallen wird, und da liege ich nun, um ihn mit meinen Füßen aufzufangen.“

Als dies der Samurai hörte, da fing er an zu lachen und konnte beinahe nicht mehr aufhören. Und er rief prustend: „Was, du kleines Federknäulchen willst mit Deinen dürren Beinchen den Himmel auffangen?“ Der kleine Spatz erwiderte ganz ruhig und klar: „Tja, man tut was man kann!“

(Nach einer alten Japanischen Lehrgeschichte.
Bearbeitet von Karlheinz Schudt.)

Mit Märchen aus der Krise!

Die Welt scheint voller Krisen zu sein – wohin das Auge blickt. Ob wir jemals in der Menschheitsgeschichte ein Zeitalter hatten, in dem es mehr oder weniger Krisen gab, beruht auf Spekulationen und dem Glauben an die Wahrhaftigkeit unserer Geschichtsschreiber. Hinzu kommt, dass in der Neuzeit die Wichtigkeit einer Krise durch die weltumspannende und häufig einseitige und emotionale Berichterstattung der Medien je nach deren gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Ausrichtung dramatisiert oder heruntergespielt wird.

Doch welchen Sinn haben Krisen für die Menschen? Sind es jene „Strafen“, die der „liebe Gott“ als Konsequenzen für die Dummheiten seiner menschlichen Schöpfungen vorgesehen hat? Gibt es überhaupt einen „strafenden Gott“ oder sind diese Konsequenzen in Wahrheit „Wegweiser“, um endlich für die wahre Lebensaufgabe und das ureigene Lebensziel wach zu werden, anstatt die Dummheiten von „Gestern“ in einem „neuen Kleid“ zu wiederholen?

Mit Märchen über den eigenen „Tellerrand“ schauen!

In jeder Krise scheint alles Erreichte zusammenzubrechen. Große Hochachtung vor diesem unscheinbaren, kleinen Tierchen, das sich durch nichts von seinem Ziel abbringen lässt. Entgegen der Einschüchterungs-Versuche des arroganten Samurais, glaubt der Spatz noch an die Verwirklichung seiner Aufgabe – die Welt zu retten.

Aber mal ehrlich! Kennen wir nicht irgendwie diesen Samurai? Ist er nicht mit unserem Verstand verwandt, der gemäß seiner Natur nur das gelten lässt, was seiner althergebrachten Glaubens-Vorstellung und seinen eintrainierten Mustern entspricht? Wenn es mal nicht so läuft, wie es vorgesehen ist, dann zweifelt er, flüchtet vor sich selbst oder sucht die Schuld für die eigene Misere bei anderen.

„Ja, aber“ – werden Sie vielleicht denken, „ein Spatz, der den Himmel auffängt? Das ist doch unmöglich!“ Richtig! Aber haben Sie schon einmal gesehen, dass der Himmel auf die Erde fällt? Oder, dass ein Samurai mit einem Spatzen spricht?? Oder, dass ein Spatz überhaupt spricht???

Märchen führen nach Innen und vermitteln Zuversicht!

Offenbar geht es um viel tiefere Prozesse, die vor allem das Märchen aber auch viele Weisheitsgeschichten in Seelenbildern schildern. Wie in den Märchen, insbesonders den Volksmärchen, gibt es Situationen, in denen der Märchenheld bzw. die -heldin eine undurchführbare Aufgabe bewältigen muss. Im Märchen vom „Trommler“, gesammelt von den Brüdern Grimm, muss er mit einem Fingerhut vor Einbruch der Dunkelheit einen See ausschöpfen. Schafft er wohl diese Aufgabe? Na klar – im Märchen ist alles möglich. Aber wie ist es in der sogenannten Realität?

Wenn die Märchen oder Märchen Bilder tatsächlich Ausdruck einer „inneren Realität“ sind, dann sind sie doch auch verwandt mit unserer „äußeren Realität“, denn schließlich entsteht jede Idee, jeder Verwirklichungs-Gedanke, jede Lösung immer im Inneren. Folglich muss in dieser Situation auch eine Lösung des Problems oder der Krise liegen.

schlafenWas tut der Märchenheld in Anbetracht einer unlösbaren Aufgabe? Er setzt sich ans Ufer, trägt sein Schicksal und beginnt, Fingerhut um Fingerhut den See auszuschöpfen – trotz der scheinbaren Unmöglichkeit seines Unterfangens. Aber was geschieht? Es erscheint eine weise Frau, schlägt ihm vor, er solle sich doch schlafen legen, und als er wieder aufwacht, ist der ganze See ausgeschöpft.

Märchen führen in die innere Ruhe und entschleunigen,
denn aus der Ruhe wächst Kraft und Inspiration!

Wird hier nicht deutlich, dass ein Problem, eine schwerwiegende Krise gar nicht mehr äußerlich zu lösen ist? Im Gegenteil, je massiver und wütender ich mich mit aller Gewalt gegen ein auftretendes Problem stelle, desto massiver, unkontrollierter und gefährlicher wird es sich entwickeln und mich gerade dort überraschen, wo ich es nicht unbedingt erwarte.

Märchen fördern das Mitgefühl und die Kreativität!

Glauben Sie, dass der Spatz es schaffen wird? Natürlich, denn er ist voller Liebe, Hingabe und Vertrauen in das Gelingen seines Vorhabens zum Wohle der ganzen Erde. Und er ist frei von Angst, Vorurteil, Hochmut und Arroganz. Mit solchen Eigenschaften stehen ihm alle verfügbaren „himmlischen Kräfte“ bei.

Jede Krise ist ein „Sprungbrett“ in ein noch erfüllteres Leben. Um so wacher und offener sich ein Mensch in solchen Schwellensituationen für seine Mitmenschen, seine Umwelt und Innenwelt zeigt, desto größer ist die Hilfe, die ihm zuteil wird. Je früher er dies erkennt, desto eher wird er sein Leben darauf ausrichten. Er wird sich in schwierigen Situationen mit seinen inneren und äußeren Helfern verbinden können und voller Kreativität und Zuversicht sein Leben meistern.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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