Weltanschauung – Welche ist die richtige? Oder Gott kommt rum!

Weltanschauung

Weltanschauung: Einmal wurde ein Weiser gebeten, den Unterschied zwischen einem Menschen und einem Tier zu erklären. Der Weise lächelte und sprach: „Wenn wir ein Tier, z. B. eine Maus, in ein Labyrinth mit 13 Wegen setzen und am Ende des 12. Weges ein Stück Käse legen, dann wird das Tier schließlich lernen, dass es den leckeren Käse immer am Ende des 12. Weges findet und gleich dorthin gehen. Das lernt der Mensch auch. Wenn er Käse möchte, dann geht er ebenfalls ans Ende des 12. Weges.

Wenn aber eines Tages DIE GROSSE SCHÖPFUNG des Lebens den Käse in einen anderen Weg legt, z. B. ans Ende des 13. Weges, dann wird das Tier weiterhin in den 12. Weg gehen und zwar so lange, bis es kapiert, dass dort der Käse nicht mehr zu finden ist. Irgendwann hört es auf, dort hinein zu gehen und sucht in den anderen Wegen, bis es schließlich den Käse am Ende des 13. Weges findet.

Hier zeigt sich jetzt der Unterschied zwischen Mensch und Tier. Menschen gehen immer ans Ende des 12. Weges, denn sie sind davon überzeugt! Tiere sind von nichts überzeugt, sie interessieren sich für ihre Nahrung, in unserem Beispiel für den Käse. Der Mensch aber bastelt sich eine Weltanschauung über den 12. Weg und davon ist er überzeugt. Er hält es für wichtig, immer in den 12. Weg zu gehen, denn das ist seine Überzeugung, sein Glaube, seine Meinung. Es ist gar nicht mehr so wichtig, ob dort Käse drin ist oder nicht. Der Mensch hat lieber recht als seinen Käse (oder sein Glück!).

Nach einer alten Lehrgeschichte, neu geschrieben von Karlheinz Schudt

Aus dem Alten ausbrechen – oder die neue Weltanschauung!

Im Märchen Dornröschen bekommt die Zahl 12 (12 goldene Teller, 12 geladene Feen) eine besondere Wichtigkeit. Und wie wir aus unserem Alltag wissen, finden wir diese Zahl z. B. in den 12 Monaten = 1 Jahr, in der groben Aufteilung eines Tages = 12 Stunden Tag, 12 Stunden Nacht oder in der Maßeinheit 1 Dutzend = 12 Stück.

Die Zahl „12“ weist immer auf etwas Abgeschlossenes, Ganzes hin und lässt keine Veränderung zu. Erst die Zahl „13“ bricht dieses Alte, Abgeschlossene auf und bringt Bewegung ins Spiel oder ins Leben. Im von den Brüdern Grimm gesammelten Märchen vom Dornröschen aus der Urfassung von 1810 macht dies die 13. Fee, die nicht zum Freudenfest eingeladen war, weil der König eben nur 12 goldene Teller hatte. Sie wünscht in ihrem Ärger Dornröschen den Tod, wenngleich die anderen 12 Feen diesen Fluch noch in einen 100jährigen Schlaf abmildern können.

Über den eigenen Tellerrand hinausblicken!

Jetzt könnte man ja denken, was ist das für ein einfältiger König, der wegen eines fehlenden goldenen Tellers eine Fee nicht einlädt und somit eine Katastrophe hervor beschwört? Wäre es für ihn nicht ein Leichtes gewesen, einen 13. goldenen Teller zu besorgen? Geld und Macht hätte er ja genug gehabt, oder?

Nun sind Märchen ja keine historischen Schilderungen sondern zeigen seelisch-spirituelle Prozesse, die sich im Menschen selbst abspielen und so kann bei einer Betrachtung des Märchens auch der Gedanke aufkommen, dass dieser „alte“ König weder die Macht noch die Weisheit hatte, über seinen „Tellerrand“ hinauszublicken. Er lebte in seiner Weltanschauung, seiner vermeintlich vollkommenen Welt der „12“ und war tatsächlich nicht imstande, diesen „13.“ Prozess zu erkennen. Und was man nicht erkennt oder gar verdrängt, muss man so lange durchleben, bis es ins Bewusstsein kommt. In diesem Falle muss es sein Töchterchen tun, denn in den Märchen geht es selten um die alten Eltern, sondern um die Kinder oder die Jugend, die loszieht und Veränderung, Erneuerung in die „alte“ Welt bringt. Ist es nicht aber auch so im sogenannten reellen Leben (oder sollte sein)?

Das Alte loslassen, das Neue ergreifen!

Und dass dieser „13.“ Prozess kein einfacher, sondern oft genug ein schmerzlicher ist (Wer möchte schon gerne das Alte loslassen und das Neue ergreifen?), das wissen wir Menschen sehr genau. Womöglich wurde aus diesem Grund die Zahl „13“ so „verteufelt“ und als Unglückszahl abgetan. Nicht aus Aberglauben, sondern weil die Menschen damals sehr genau wussten, dass es sich nicht um irgend eine Zahl handelt, sondern um einen Entwicklungs-Prozess, der durchaus schmerzhaft sein kann, aber auch neue Wege zum Glück offenbart. Es ist eben immer eine Frage der Ansicht oder des Blickwinkels, welcher Weltanschauung bzw. ob wir uns überhaupt einer Weltanschauung zuwenden.

Denn wir würden gut daran tun, dass wir den „Käse“ in unserer obigen Geschichte (oder unser Glück im Leben) nicht immer dort suchen, wo er (oder es) gerade noch war. DIE GROSSE SCHÖPFUNG des Lebens oder GOTT verlegt ständig den „Käse“. Wir aber werden nie wahrhaftig glücklich werden, wenn wir nur noch an unsere Vorstellungen, Glaubenssätze, Weltanschauung und an unseren „12. Weg“ glauben.

Wenn wir also GOTT (oder wie immer wir IHN, SIE, ES nennen) begegnen, dann sollten wir uns keinesfalls von unseren Überzeugungen, unserer Weltanschauung, unserem Willen oder unserem Verstand steuern lassen und IHN dort treffen wollen, wo er einst war, denn GOTT kommt rum!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Weltanschauung Weltanschauung

Eine Geschichte vom Leben und Tod

Wenn der Tod kommt, dann ist Sense!

Aber ist das wirklich so? Haben wir nicht eine mit Angst behaftete Vorstellung vom Tod oder von dem, was danach kommt oder kommen könnte? Wissen wir denn überhaupt, wie und ob wir wahrhaftig leben, gemäß unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten?

Doch diese Angst ist allzu menschlich. Alles was der Mensch nicht kennt, macht ihn unsicher. Besonders wir westlichen Menschen leben in einer Zeit, in der viel auf Sicherheit gesetzt wird, Versicherungen Hochkonjunktur haben, in politischen Wahlversprechungen kaum ein Satz ohne den Begriff „Sicherheit“ zu hören ist und auch sonst alles Neue meist mit Argwohn betrachtet wird.

Aber wie sieht es denn wirklich aus mit der vermeintlichen Sicherheit?

Auf die kürzliche Frage an einen 19 jähringen jungen Mann, warum er so engagiert und abseits des gesellschaftlichen Sicherheit- und Karriere-Denkens seinem eigenen Herzens-Impuls folgt, antwortete dieser sinngemäß:

„In bin seit meinem 15. Lebensjahr in meiner Freizeit bei einer Hilfsorganisation in Deutschland tätig, die sich als Ersthelfer an Ort und Stelle Menschen widmet, die in einen Unfall verwickelt sind. Wenn ich da in meinen jungen Jahren zusammen mit einem nur wenige Jahre älteren Kollegen oder einer Kollegin alleine oftmals bei Nacht und Nebel am Unfallort eintraf und, noch bevor der Notfallarzt zur Stelle war, dieses Schicksal miterleben musste, das zuweilen für die betroffenen Personen mit dem Tod endetet, dann bekommt der Begriff Sicherheit für mich eine ganz andere Bedeutung. So möchte ich mich in meinem Leben nicht mit Dingen beschäftigen, die nicht mit meinen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Stärken in Einklang zu bringen sind. Letztendlich kann ich nur wahrhaftig anderen und schließlich mir selbst gutes tun, wenn ich dem Ruf meines Herzens folge.“

Lebe so, als wäre morgen dein letzter Tag!

Wie schnell kann man überraschend aus dem Leben gerissen werden und jede noch so gute und teure Versicherung oder Sicherheits-Versprechung kann dies verhindern.

Der Mystiker, Lyriker, Theologe und Arzt Johann Scheffler (alias Angelus Silesius, 1624 – 1677) offenbarte in seinem Werk „Der cherubinische Wandersmann“ folgendes:

In jedem lebt ein Bild des,
der er werden soll;
solang er dies nicht ist,
ist nicht sein Frieden voll.

Wer nicht stirbt,
bevor er stirbt,
der verdirbt,
bevor er stirbt.

Mensch, werde wesentlich;
denn wenn die Welt vergeht,
so fällt der Zufall weg.
Das Wesen, das besteht.

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
und nicht in dir,
du bleibst noch ewiglich verloren.

Wie in der im Video gehörten „Geschichte vom Leben und vom Tod“ ist letztendlich die eigene Sichtweise und Einstellung zu jenem unausweichlichen Zustand entscheidend. Sie kann so dem Leben eine wesentlich erfüllendere und glücklichere Komponente schenken, als die lange Jahre geschürte aber auch selbstgemachte Angst vor dem letztendlich Unvermeintlichen. Und wer weiß, vielleicht ist es doch nicht „Sense“ mit dem Tod, sondern es geht da weiter, wo es aufgehört hat.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Geschichte vom Leben und Tod - Weisheitsgeschichte

Wie die 7 Urbilder heilsam wirken – Mit Märchen heilen, Teil 3

Wie Urbilder wirkenMärchen, wie auch Träume, sind in der Lage, seelische Zusammenhänge im Menschen anzusprechen und Wege zu Problemlösungen aufzuzeigen. Die Märchenbilder setzen sich über Blockaden und Ängste hinweg und verschaffen dem Menschen einen di­rekten Zugang zu seinem Unbewuss­ten.

Märchenbilder haben eine tiefe Verwandtschaft mit den indivi­duellen Gefühlen und Erlebnissen eines jeden Menschen und können so seinen Problemkern treffen und zur Klärung beitragen.

Was nun in psychologischen Kreisen seit Jahrzehnten mit Märchen praktiziert wird, findet neuerdings eine einzigartige seelisch-spirituelle Ergänzung in der therapeu­tischen Arbeit des Märchen- und Lichtimpulses in Vlotho. Die vom Urheber Jean Ringenwald entwickelte Märchentherapie wird seit Anfang der 80er Jahre erfolgreich prak­tiziert. Es ist keine medizinische The­rapie, sondern eine Therapie im ei­gentlichen Sinne des Wortes: Ein „heiliger“ Dienst am Menschen, eine Pflege von Seele und Geist.

Die Märchentherapie gründet auf einer möglichen Fassung des sogenannten Urmärchens „Die goldene Kugel“. Durch die sieben Stufen (nach Jean Ringenwald) hindurch beschreibt dieses Märchen den Weg des Märchenhelden aus sei­nem Elternhaus hinaus in die Welt, die ihn mit Prüfungen konfrontiert und aus denen er gestärkt hervorgeht. Am Ende jedoch er­reicht er in der Vereinigung mit seiner Braut das strahlende Glück, die Hochzeit und Krö­nung.

1. Der Königliche Ursprung (Urvertrauen)

Der königliche Ursprung, so heißt die erste Stufe des Urmärchens, be­ginnt mit der Geburt des Märchen­helden in einen, wenn auch manchmal nur sehr kurzen paradiesischen Zu­stand hinein. Dort erfährt der Märchen­held, wie auch das kleine Kind im Leben, die Kraft des Urvertrauens, die ihm sein ganzes Le­ben lang bleibt, auch wenn sie oft mit zunehmendem Alter vergessen wird.

2. Die Trennung und Verbindung (Selbstvertrauen)

Die zweite Stufe, die Trennung, zeigt dem Protagonisten, wie er sich von diesem para­diesischen Zustand ablösen kann. Er geht seinen Weg in die Welt hinein und lernt die polaren Kräfte kennen, wie z.B. „Gut“ und „Böse“, Licht und Schatten. Diese Trennung ist der erste Schritt zum Selbstvertrauen.

3. Helfer und Herzensprüfung (Mitgefühl)

Hat der Protagonist oder Märchenheld dieses Vertrau­en in sich errungen, trifft er in der dritten Stufe des Urmärchens seinen Helfer an, der ihn aus seiner Orientierungslosigkeit herausführt. Dies setzt aber Mitgefühl und Offenheit des Märchenhelden voraus. Ein un­scheinbarer alter, grauer Mann oder eine alte Frau stehen ihm oft bei in seiner Not. Aber nicht nur äußere Hel­fer begegnen ihm auf seiner Lebensreise, sondern ebenso innere Helfer, die das Märchen meist mit z. B. Zwergen, Naturgeistern und spre­chenden Tieren symbolisch beschreibt.

4. Kampf und Verwandlung (Vewirklichung)

Die vierte Stufe bildet das Zentrum und den Kern des Urmärchens: Kampf und Verwandlung. Der Märchenheld kämpft voller Mut mit dem Dra­chen, unterstützt durch seinen Helfer oder dessen Geschenk. Er verliert Kraft, aber letztendlich siegt er und erlöst somit seine Braut. An dieser Stelle klingt das sogenannte „Urmotiv“ des Todes und der Auferstehung an, das alle Mythen, Religionen und Schulung­swege der Welt durchzieht.

5. Die Rückkehr (Gleichgewicht)

Nach der Verwandlung oder Auferstehung findet in der fünften Stufe des Urmärchens die Rückkehr ins „verlorene Paradies“ oder ins goldene Schloss statt. In diesem Lebensabschnitt wird der Märchenheld noch­mals mit seinen sogenannten „düsteren“ Kräften kon­frontiert. Diesmal jedoch kämpft er nicht mehr, sondern hat sein höchstes Ziel voll und ganz im Blick. Er verbindet sich nicht mehr mit den alten Kräften, sondern nützt oder integriert sie, damit sie ihn noch schneller an sein Ziel bringen. Die polaren Kräfte helfen ihm nun, sein inne­res Gleichgewicht zu stärken.

6. Die Ankunft. Wahre oder falsche Braut? (Wachheit)

Die Ankunft im goldenen Schlosse behandelt die sechste Stufe des Urmärchens. Hier erwartet den Märchenhelden eine Prüfung, die große Wachsamkeit von ihm fordert. Nun hängt es von ihm ab, ob er das Neue annehmen oder sich wieder mit dem Alten verbinden möchte. Gelingt es ihm nicht, so fällt er in eine Art Dämmerschlaf, aus dem ihn nur noch die Liebe und Klugheit seiner wahren Braut erwecken kann.

7. Hochzeit und Krönung – Liebe und Weisheit! (Vereinigung)

Ist diese Hürde gemeistert, findet die glückliche Hochzeit und Krö­nung statt, die Wiedervereinigung von männlich/weiblich, die Versöhnung mit all dem, was man geliebt aber auch gehasst hat. Die Verbindung mit dem Göttlichen, von dem die aller­meisten Märchen berichten und die in der siebten Stufe des Urmärchens aus­gedrückt ist.

Die Basis der Märchentherapie:
die 7 Urbilder des Märchens und des Lebens

Die Märchentherapie begleitet den Menschen durch diese sieben Stufen des Urmärchens oder Lebens hindurch und hilft ihm so, seine ureigene Lebensaufgabe in sich selbst zu entdecken. Sie ermöglicht ihm anhand z. B. innerer Be­trachtungen (Einkehr, Meditation, etc.) das eigene höhere Ziel im Leben wahrzunehmen und es in stän­dig zunehmendem Kontakt mit der inneren Stimme, dem „Allerhöchsten“ in sich im Alltag mit Freude und Begeisterung zu verwirklichen.

Mehr über die 7 Urbilder erfahren Sie hier:

>>> „Märchenhaft leben“ Märchenzeitschrift zu den 7 Urbildern <<<
>>> Märchen „Die Goldene Kugel“ <<<
>>> Auf zum höchsten Ziel – die 7 Urbilder des Märchens und Lebens <<<
>>> Die Heilkraft der 7 Urbilder des Märchens (Lernprogramm) <<<
>>> Mit Märchen heilen – Die Heilwirkungen des Märchens <<<
>>> Die Märchen- und Licht-Therapie (Lernprogramm) <<<
>>> Die Geburt in der Wüste: Doppel-Hörbuch-CD <<<

Hier gehts zu den beiden ersten Teilen „Mit Märchen heilen“:

>>> Teil 2 <<<
>>> Teil 1 <<<

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Persönlichkeiten Eintrittskarte in den „Club der Eitlen“

Persönlichkeiten - Club der Eitlen

Berühmte Persönlichkeiten mehr in den Mittelpunkt?

Frage von Roland:

Hallo, ich bekomme regelmäßig Eure E-Mails und dachte mir dabei, ob es für Euch nicht sinnvoller wäre, prominente Persönlichkeiten und deren Lebensweg mehr in den Mittelpunkt Eurer Märchen Nachrichten zu stellen. Ich denke, es ist immer ganz gut, auch die Themen der Zeit in Euren Aussendungen aufzugreifen. Es ist zwar schon ein Weilchen her, aber mir fällt da gerade Michael Jacksons Tod ein, also das Thema „Heldenreise“ und „Tod“ vielleicht? Ich denke es kann wirklich nicht schaden, solche Ereignisse und Themen aufzunehmen und zu verwerten.

„Die Eitelkeit ist mein liebstes Steckenpferd“

Antwort dazu:

Herzlichen Dank für Deine Anregung, die wir gerne durch unser Gemüt ziehen lassen werden. Allerdings wird schon genug über solche Themen geschrieben und veröffentlicht. Die Medien sind voll davon und da brauchen wir uns nicht unbedingt auch noch daran beteiligen.

Bisher haben wir uns wenig bzw. gar nicht um die Persönlichkeiten gekümmert, die im Rampenlicht stehen, sondern viel mehr um jene großartige und einzigartige Persönlichkeit, die in JEDEM Menschen steckt – auch wenn sie dort häufig nicht entdeckt bzw. geschätzt wird.

Die „Kämpfe“, „Heldenreisen“ und „Verwandlungen“ (Tod und Auferstehung), die im Märchen eine große Rolle spielen und sich im Inneren jedes Menschen abspielen, meist sogar ganz unscheinbar und in Stille, sind nach unseren Erfahrungen für die allgemeine Menschheitsentwicklung wesentlich wichtiger, als jeder durch die Massenmedien angeheizte Sensationsvoyeurimus, der nicht selten auch zu Manipulationszwecken benutzt wird.

Michael Jackson mag eine großartige Persönlichkeit gewesen sein (mit allen Tugenden und Untugenden) und er hat sicherlich eine Menge Menschen mit seinen Auftritten beglückt, nichtsdestotrotz gehörte auch er zum „Club der Eitlen“. Und manchmal ist die „VIP-Eintrittskarte in die Welt“ von jenen Persönlichkeiten sehr hoch zu bezahlen.

Aber wie sagte schon der Teufel (sofern es ihn überhaupt gibt):
„Die Eitelkeit ist mein liebstes Steckenpferd!“

Der Märchen- und Lichtimpuls wächst im Stillen

Der Märchen- und Licht-Impuls wächst eher mehr im Stillen und auch wenn wir solche „Sensationsthemen“ nicht oder nur ganz selten aufgreifen, dann heißt das noch lange nicht, dass uns dies gleichgültig lässt. Nichtsdestotrotz sind wir seit (1983) nunmehr 30 Jahren unserem Ziel treu geblieben, jedem Menschen zu helfen, seinen Weg zu finden und zu gehen, ungeachtet irgendwelcher esoterischer Strömungen und komplizierter Übungen bzw. Meditationstechniken.

Ob die Menschen das immer erkennen und umsetzen, ist eine andere Sache, denn im Überangebot der heutigen Heilsversprechungen ist die Verlockung groß, gerne auf „unzähligen Hochzeiten“ zu tanzen und letztendlich wieder da anzukommen, wo man losgezogen ist – bei sich selbst!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
märchenerzählenlernen

Geschichten von Himmel und Hölle.

Geschichten zu Himmel oder Hölle

© aboutpixel.de, Jörg Kleinschmidt

Geschichten über Geschichten:
Hier eine von Himmel und Hölle!

Ein Mann hatte den dringenden Wunsch, einmal Himmel und Hölle kennen zu lernen. So träumte er eines Nachts, dass er durch einen großen Raum ging. In der Mitte des Raumes stand ein großer Topf auf einem Feuer, in dem eine köstliche Suppe kochte. Um den Topf standen Menschen mit ungewöhnlich langen Löffeln. Aber die Menschen sahen mager, blaß, gehetzt und elend aus, denn jeder versuchte verzweifelt, sich selbst mit seinem langen Löffel die Suppe in den Mund zu schieben.

Welch unsinniges Unterfangen! Die Löffel waren so lang, dass sie überall anstießen und die Speise verkleckerten. Den Weg zum Mund jedoch, fanden sie nicht. Als der Mann den Raum verließ, da sah er über der Türe ein Schild, auf dem stand: „Das ist die Hölle“.

Gleich darauf betrat er einen anderen Raum. Dieser unterschied sich vom ersten durch gar nichts. In der Mitte auf dem Feuer stand der Topf mit der köstlichen Suppe. Auch die Menschen um den Topf hatten dieselben langen Löffel.

Aber sie sahen alle wohlgenährt und gesund aus, waren freundlich und glücklich. Denn niemand versuchte sich selbst zu sättigen sondern benutzte seinen Löffel dazu, die Suppe dem anderen vorsichtig in den Mund zu schieben. Jener wiederum, wurde von einem anderen gesättigt.

Beim Verlassen dieses Raumes stand auf dem Türschild:
„Das ist der Himmel“.

Nach einer orientalischen Lehrgeschichte

Der Himmel ist viel näher, als wir denken!
(Die Hölle aber auch!)

Spekulationen, Mutmaßungen und Meinungen gibt es mehr als genug über den Himmel und die Hölle. Wie immer man über diese „Orte“ oder „Zustände“ auch denken mag, ob man an ein Leben nach dem Tode glaubt (im Himmel oder der Hölle), oder auch nicht – eines jedenfalls ist sicher: Der Himmel und die Hölle sind viel näher, als wir glauben.

Denn wir leben schon darin und merken es nicht einmal. So, wie wir Menschen geartet sind, geben wir uns ja niemals mit etwas zufrieden, z. B. mit dem Glück, auf diesem wunderschönen Planeten leben und das Leben als solches entdecken und auch genießen zu können.

Unwillkürlich ist man an das alte Volkslied „Der Hans im Schnakenloch“ erinnert.

Der Ursprung dieses Liedes „De Hans im Schnakeloch“ ist offenbar nicht genau festzulegen, es wurde aber immer wieder literarisch aufgegriffen und gilt bis heute im Elsass als eine Art selbstkritische „Nationalhymne“. Hier ist die 1. Strophe:

De Hans im Schnakeloch
het alles, was er will
und was er will,
des het er net
Un was er het,
des will er nitt
De Hans im Schnakeloch
het alles, was er will.

Übersetzung:

Der Hans im „Sumpfloch“
hat alles, was er will.
Und was er will,
das hat er nicht,
und was er hat,
das will er nicht.
Der Hans im „Sumpfloch
hat alles, was er will.

Wie und was auch immer wir darüber denken – ob konfessionell religiös, esoterisch, frei spirituell oder eben nicht -, die Geschichte von Himmel und Hölle zeigt uns, dass jede Spekulation oder Mutmaßung über die Existenz eines Himmels oder einer Hölle zu leeren Phrasen werden, solange wir nicht das uns zur Verfügung stehende Leben, das unserer Mitmenschen und das der ganzen Natur schätzen und lieben lernen. Erst dann wird allmählich das Mitgefühl (nicht Mitleid) die Gier, Rücksichtslosigkeit und den Egoismus ablösen.

Dann müssen wir auch nach keinem spirituell selbstgemachten Himmel mehr streben oder gar ein manipulativ erfundenes Höllenszenario fürchten, da wir wissen, dass es jeder Mensch selbst in der Hand hat, seinen Himmel oder seine Hölle auf Erden schon zu gestalten.

Was dann nach dem Tod kommt, das werden wir noch früh genug erfahren 😉

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen

Wenn der Tod kommt, dann ist Sense!

sonnedunklewolken

Wenn der Tod kommt, dann ist Sense!

Die lateinische Redewendung „taliter aliter“ (vollkommen anders) hat ihren Ursprung in einer mittelalterlichen Erzählung von zwei Mönchen, die sich das Jenseits in den schönsten Farben ausmalten, und sich dann gegenseitig versprachen, dass der, welcher zuerst sterben würde, dem anderen im Traum erscheinen und ihm nur ein einziges Wort sagen solle.

Entweder „taliter“ – es ist so, wie wir uns das vorgestellt haben, oder „aliter“ – es ist anders, als wir es uns vorgestellt haben. Nachdem der erste gestorben war, erschien er dem anderen im Traum, aber er sagte sogar zwei Worte: „Taliter aliter!“ – Es ist VOLLKOMMEN ANDERS als in unserer Vorstellung.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben Ihr ganzes Leben lang meditiert, gebetet, eine spirituelle Übung nach der anderen gemacht, sich unzählige Vorstellungen über ein „Leben nach dem Tod“ zurechtgelegt, Vorträge, Kurse und Seminare besucht und sich eine Meinung nach der anderen gebildet.

Eines sicheren Tages werden wir Menschen ja alle diesen „Weg ins Jenseits“ gehen, aber kam Ihnen auch schon einmal der Gedanke, dass alles „dort“ ganz anders sein könnte, als wir es uns jemals ausmalen konnten?

Alles ist ganz anders!

Nun stellt doch der religiöse Mensch auf einmal fest, dass „Gott“ ganz anders ist und sich überhaupt nicht an seine menschlichen Vorstellungen hält und der Atheist erkennt plötzlich die geistige Fülle des Universums und dass „Gott“ im Grunde niemand anderes war und ist, als er selbst.

Wie viele Vorstellungen, Bilder und Meinungen machen wir uns doch im Laufe des Lebens? Wir bewegen uns voll von alten Erfahrungen nur noch in der Vergangenheit, sind von politischen und spirituellen Meinungen über etwas zum ziellosen Dahinvegetieren getrieben, klammern uns an Geld, materiellem Gut, Besitz und äußerem Reichtum fest und bemerken nicht einmal, dass wir unseren „Rucksack“ fürs Leben mit „altem Zeug“ nur noch voller packen. Das eigentliche Leben rauscht an uns vorbei und wir, wir sind nur noch mit der Last unseres Rucksackes beschäftigt.

So kommen wir eines Tages an dieGrenzen unseres so scheinbar mühsamen Lebens und überschreiten die Schwelle zum Tod – und was erleben wir?

Dunkelheit, Regungslosigkeit und absolute Stille!

Erschreckt Sie der Gedanke? Und wenn ja, was erschreckt Sie daran? Ist es die Tatsache, dass Sie plötzlich vollkommen auf sich gestellt sind, dass es keine Flucht mehr in äußere Ablenkungen gibt, dass die jahrzehntelangen Vorstellungen und Meinungen über etwas sich urplötzlich auflösen in „Schall und Rauch“?

Ist es die scheinbare Leere, die Sie vielleicht antreffen?

Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, verdirbt, wenn er stirbt.
(Jacob Böhme, Mystiker und Schuster von Görlitz, 1575 – 1624)

Vielleicht aber hat diese Leere gar nichts mit dem eigentlichen Tod zu tun, sondern nur mit unserer Einstellung zum „vorangegangenen“ Leben? Eventuell ist sie nichts anderes, als die Konfrontation mit unserem ureigenen Selbst? Möglicherweise zeigt sie uns das, was wir ein ganzes Leben lang vernachlässigt haben, da wir viel mehr mit unseren Vorstellungen über das Leben beschäftigt waren, als mit dem Leben selbst!

Auch hier könnte uns das Märchen wertvolle Hinweise bieten, Leben und Tod einmal von einem ganz anderen Blickwinkel aus zu betrachten.

Das Märchen ist in seiner wohlbekannten und vertrauten Art völlig unkompliziert. Wie oft bemerken wir, dass im Märchen die Ebenen sich blitzartig ändern. Der Märchenheld hat Kontakt mit einem Menschen und im nächsten Augenblick unterhält er sich mit Zwergen, sprechenden Tieren oder anderen zauberhaften und übersinnlichen Wesen.

Für das Märchen gibt es die Trennung zwischen Leben und Tod nicht. Der Märchenheld ist wach im Diesseits und wach im Jenseits. Er lässt sich z. B. vom Fährmann über den Strom des Lebens hinüberfahren und trifft am anderen Ufer den Teufel, den er mit Hilfe seiner Ellermutter um drei goldene Haare beraubt, die ihm schließlich zu einem weisen und liebenden König verhelfen.

Der Märchenheld lebt und handelt in einer Welt mit unterschiedlichen „Bewusstseinsebenen“, aber auf jeder Ebene ist er wach und präsent.

So können wir vieles von den Märchenhelden und -heldinnen lernen und so manche Schwellenerlebnisse im Alltag könnten neue Türen öffnen, die wir vorher niemals vermutet hätten.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen