Wie das Wasser des Lebens in jeder Seele sprudelt

wasser des lebens

Wer kennt nicht das Märchen von „Hans im Glück“ (Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm), jenem naiven und gutgläubigen Burschen, der seinen Klumpen Gold gegen immer geringere Dinge eintauscht, bis er schlussendlich gar nichts mehr hat.

Dieses Märchen hat einen recht ungewöhnlichen Schluss. In vielen Märchen erlangen die Märchenhelden gegen Ende ihren Reichtum, im Märchen vom „Hans im Glück“ aber gibt der Märchenheld all seine Schätze hin, um letztendlich befreit von allen drückenden Lasten in Glück zu leben.

In einem anderen Märchen der Brüder Grimm, das „Wasser des Lebens“, lässt sich die Königstochter eine Straße von Gold bauen und spricht zu ihren Leuten, wer darauf geritten käme, der wäre der rechte Bräutigam und den sollten sie einlassen, wer aber daneben käme, der wäre der rechte nicht, und den sollten sie nicht einlassen.

Dem ersten war die Straße zu kostbar, da er beim Überqueren etwas beschädigen könnte und er ritt nebenher. Am Schloss aber wurde er abgewiesen. So ging es auch dem zweiten Prinzen. Beide Brüder hatten vorwiegend das Gold im Sinn.

Nur noch sein Herzens-Ziel im Sinn haben!

Erst der jüngste, der sich nicht um die Straße kümmerte und sich von ihr auch nicht verblenden ließ, führte sein Pferd geradewegs über die Straße hinweg zur Königstochter. Er sah die goldene Straße nicht einmal, sondern benutzte sie und hatte dabei nur sein Ziel im Sinn, die Hochzeit mit der Königstochter, die Verbindung mit seiner fehlenden Hälfte, die Liebe. Mit diesem Ziel standen ihm alle Tore offen und er wurde mit großer Freude und Glück empfangen.

Sowohl „Hans im Glück“ als auch der jüngste Bruder im „Wasser des Lebens“ haben eines gemeinsam: Sie verwenden Gold, um schließlich ihr Lebensziel zu erreichen. Wesentlich dabei aber ist, dass sie nicht an diesem Reichtum haften. Hans gibt sogar alles her, was ihn den ganzen Weg über so schwer gedrückt und belastet hat. Hätte er nicht gleich, ohne den Goldklumpen als Lohn, zu seiner Mutter gehen können? Nein, er musste die Erfahrung des „Loslassens“ machen, da er sonst nicht das Wesentliche in seinem Leben erkennen konnte  – das Glück!

Ähnlich und doch ganz anders erging es dem Königssohn im Wasser des Lebens. Die beiden älteren ließen sich vom Gold (ver-)blenden, wollten es nicht beschädigen und verloren darüber hinaus ihr wahres Ziel aus den Augen. Der Jüngste aber dachte nur an die Königstochter und sah nicht einmal die Goldene Straße. Er trug sein Ziel tief in seinem Herzen. Deshalb erreichte er es auch.

Wie viele Menschen  lassen sich heutzutage von äußeren Dingen verblenden und vergessen dabei völlig ihr eigentliches, wahres Lebens- oder Herzensziel? Sie reagieren nur noch auf Impulse, die von außen kommen und bemerken nicht, wie ihre „Innere Stimme“ immer leiser wird. Im Grunde geht es immer nur um das eine:

Bin ich mir und meinem innersten Herzens-Ziel treu?
Bin ich in meiner Mitte oder lasse ich mich von jeder Äußerlichkeit ablenken?

Eigentlich sind solche äußeren Ablenkungsmanöver die besten Übungsfelder, um zu lernen, sich selbst treu zu bleiben. Sie zeigen, was ich loslassen und was ich wieder in die Mitte meines Bewusstseins, meines Lebens bringen sollte, um konstruktiv voranzukommen.

Tipp: Wenn die Wogen im Leben von außen heftig auf Sie einschlagen, versuchen sie erst recht sich an einem stillen Ort ein paar Minuten immer wieder in die innere Ruhe und Stille zu begeben und sich dabei zu fragen:

Wo bin ich von meinem inneren Lebensweg abgekommen?
Was habe ich nicht mehr im Bewusstsein?

Sie sind immer nur da verwundbar (oder werden angegriffen), wo Sie schwach sind. Machen Sie sich in Ruhe wieder Ihr wesentliches Herzens-Ziel bewusst, stellen Sie es sich bildhaft vor und lassen Sie das Gefühl der Freude dabei aufkommen, auch wenn es zunächst noch so klein und unscheinbar ist. Nach einiger Zeit werden sie feststellen, dass sich die Wogen wieder glätten und sich so mancher „Drache“  als unscheinbare Luftblase entblößt.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

7 Urbilder des Märchens und des Lebens

UrbilderWas Urbilder mit der Zahl „7“ zu tun haben

Wussten Sie übrigens, dass unterschiedliche Experimente in der Verhaltensforschung gezeigt haben, dass die Lieblingszahl des Menschen meist die Sieben ist? Nun wissen wir ja alle, dass die Woche sieben Tage hat, aber war Ihnen bewusst, dass das weiße Licht der Sonne auch die sieben Spektralfarben enhält, jene Farben, die wir im Regenbogen als rot, organge, gelb, grün, hellblau, indigo und violett erkennen können?

Auch im Märchen kommt uns die Sieben entgegen, in den „sieben Raben“, beim Schneewittchen die „sieben Zwerge“, die kleinen Geißlein beim Wolf und die „sieben Geißlein“ und schließlich noch beim tapferen Schneiderlein mit den „sieben auf einen Streich“. Diese siebener Reihe könnte man endlos fortsetzen und besonders in den Märchen der Brüder Grimm taucht die Zahl 7 immer wieder auf. Das kommt nicht von ungefähr, denn sie ist seit Jahrtausenden ein Symbol für Glück und Vollkommenheit.

Aber kennen Sie auch die sieben Urbilder des Märchens und des Lebens?

Anhand dieser Urbilder kann sowohl die Biographie des Menschen wie auch die der gesamten Menschheit erkundet werden. Weit mehr noch, denn diese Urbilder schildern nicht nur seelisch-spirituelle Prozesse, sondern bewirken diese auch! Daher sind sie besonders hilfreich und heilsam in der Märchen-Erzähler-Ausbildung und in der Märchen-Therapie. Obwohl es diese 7 Urbilder (wie auch viele anderen „Menschheitsgeschenke“) schon seit Ewigkeiten gibt, so sind sie in dieser Art, wie sie im Märchen- und Lichtimpuls in Vlotho entdeckt, entwickelt und angewandt werden, noch nie dagewesen!

Die 7 Urbilder in der MärchenerzählerInnen-Ausbildung

Gerade in den Seminaren zum/r Geschichtenerzähler/in oder Märchenerzähler/in sind diese 7 Urbilder eine große Hilfe, sowohl die Geheimnisse hinter den Märchen und Geschichten zu entdecken, wie auch die eigenen Lebensprozesse besser zu verstehen, zu ergründen und sie für ein erfüllteres Leben in Glück, Liebe, Erfolg und Gesundheit anzuwenden.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen