Wie die Königin Fantasie hilft, mit vollen Händen zu spenden

Wilhelm Hauff - Königin Fantasie„In einem schönen, fernen Reiche, von welchem die Sage lebt, dass die Sonne in seinen ewig grünen Gärten niemals untergehe, herrschte von Anfang an bis heute die Königin Fantasie.

Mit vollen Händen spendete diese seit vielen Jahrhunderten die Fülle des Segens über die Ihrigen und war geliebt, verehrt von allen, die sie kannten. Das Herz der Königin war aber zu groß, als dass sie mit ihren Wohltaten bei ihrem Lande stehen geblieben wäre.
Sie selbst, im königlichen Schmuck ihrer ewigen Jugend und Schönheit, stieg herab auf die Erde, denn sie hatte gehört, dass dort Menschen wohnen, die ihr Leben in traurigem Ernst, unter Mühe und Arbeit hinbringen.

Diesen hatte sie die schönsten Gaben aus ihrem Reiche mitgebracht, und seit die schöne Königin durch die Fluren der Erde gegangen war, waren die Menschen fröhlich bei der Arbeit, heiter in ihrem Ernst.

Auch ihre Kinder, nicht minder schön und lieblich als die königliche Mutter, sandte sie aus, um die Menschen zu beglücken. Einst kam Märchen, die älteste Tochter der Königin, von der Erde zurück. Die Mutter bemerkte, daß Märchen traurig sei, ja, hier und da wollte ihr bedünken, als ob sie verweinte Augen hätte …“

Nun, warum das Märchen traurig ist und ihre Brüder, die Träume, „Leichtfüße“ sein sollen und sich niemals mit dem Märchen messen können, erfahren Sie in diesem wunderschönen Märchen von Wilhelm Hauff.

Sie dürfen außerdem gespannt sein, ob es dem Märchen gelingt, die seltsamen „Wächter“ der Menschen von der Notwendigkeit des Märchens zu überzeugen, den Menschen wieder Glück, Liebe und Zuversicht zu bringen.

Schließlich handelt es sich bei Märchen (Mittelhochdeutsch: Mär = Botschaft, Kunde, Bericht, Erzählung) um ein Genre, das gar nichts mit dem in der Gesellschaft missbräuchlich verwendeten Begriff „Lüge“ zu tun hat.

Märchen (Volksmärchen) schildern selbstverständlich keine historischen Geschehnisse, sondern sprechen in fantasievollen „Seelenbildern“ innere Reife- und Entwicklungsprozesse des Menschen an, die eigentlich nur mit dem Herzen „gelesen“ oder „gehört“ werden können. Insofern sind sie reeller, als viele Menschen gemeinhin glauben. Schließlich bestimmt ja unsere innere Haltung, wie wir unser äußeres Leben gestalten möchten.

>>> Klicken Sie hier, um zum vollständigen Märchen zu gelangen <<<

Aber auch Sie können Töchterchen Märchen dabei helfen!

Vielleicht wäre das ErzählerIn-Lernprogramm „Märchen erzählen lernen beginnt schon zu Hause“ für Sie als mögliche Märchen- und Geschichtenerzählerin ein erster Anfang, Kindern und Erwachsenen märchengemäß und erlebnisorientiert zu präsentieren, wie wichtig es besonders heutzutage ist, …

… Träume, die man hat, auch zu VERWIRKLICHEN.

Oder Sie schöpfen direkt aus Ihrer innersten Quelle und schreiben in Zusammenarbeit mit der „Königin Fantasie“ Ihre eigenen Märchen und Geschichten oder noch vieles andere? Wie das geht? Ganz einfach, mit dem Schreibkurs-Lernprogramm „Märchenhaft und kreativ schreiben lernen“. So schenken Sie mehr Lebensfreude für sich und vielleicht sogar andere Menschen!

Die Fantasie nicht verkümmern lassen!

Denn stellen Sie sich einmal eine Gesellschaft vor, in der die Menschen keine Kultur, keine Bildung, keine Fantasie und schließlich keine Träume mehr haben? Eine Menschheit ohne Kultur, Mitgefühl und Fantasie verroht nahezu gänzlich, so dass Gier und Zwietracht noch viel mehr um sich greifen.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Klicken Sie auf eines der nachfolgenden Bilder, um zu einem möglichen märchenhaften Anfang zu gelangen:

Märchenhaft kreativ schreiben lernen

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Frau Holle Brunnen – das Tor zum Ursprung der Dinge

Frau Holle BrunnenNur wenige wissen, dass es sich beim Märchen Frau Holle aus der Sammlung der Brüder Grimm um eines von vielen Märchen und Sagen handelt, die sich dem Wesen oder den Aufgaben der Frau Holle widmen. Selbst wenn es sich bei der Grimmschen Fassung wohl um die bekannteste handelt, so findet man noch einen weitaus größeren Wirkungskreis, in denen dieses rätselhafte Wesen Frau Holle merkwürdigen Dingen nachgeht.

Um nur einige andere Märchen bzw. Sagen zu nennen, seien  hier „Die drei Wünsche“, „Die dreizehnte Kammer“ oder „Frau Holles Apfelgarten“ genannt.

Eine empfehlenswerte Lektüre dazu wäre:
Die Lebensgesichter von Frau Holle – Volksmärchen aus Deutschland.

Die Figur der Frau Holle kann verschiedene Gestalten annehmen. Mal ist sie jung und schön, ein andermal alt und hässlich. In jedem Falle aber kann sie belohnen oder bestrafen, je nachdem, wie sich die Menschen verhalten.

Das Tor zur Quelle, zum Ursprung der Dinge

Doch bleiben wir bei der uns wahrscheinlich am meisten vertrauten Version und schauen uns dort einmal einige Rätsel näher an. Das, was uns gleich etwas verwundert, ist wohl die Tatsache, dass ein Mensch in einen Brunnen springt und im Himmel wieder erwacht. Nun ist es ja nicht selten, dass uns gerade die wundervollen und unerklärlichen Geschehnisse in den Märchen auf eine höhere Ebene (Metaebene) der menschlichen Vorstellung führen, die für unseren Verstand nicht zu betreten ist.

Im Märchen Frau Holle müsste man eher von einem tieferen Erfassen sprechen, da es ja in den Brunnen hinab geht, und nicht, wie bei einem Turm, hinauf. Und doch haben die beiden Märchen-Bilder „Brunnen“ und „Turm“ etwas gemeinsam. Während der eine Prozess in die Höhe führt und schließlich den Ausblick, Überblick und Weitblick verschafft, führt der andere in die Tiefe, zur Quelle, zum Urgrund oder Ursprung der Dinge.

Dass dieser Urgrund durch das Element Wasser führt und schließlich alles anderes als dunkel, kalt und modrig ist, erkennen wir schon daran, dass das schöne und fleißige Mädchen im Märchen von der Frau Holle auf einer schönen Wiese erwacht. Darauf wachsen tausende Blumen und die Sonne lacht.

Herzensgüte und Mitgefühl, Habgier und Eitelkeit

Das Mädchen hat wahrlich nicht die besten Voraussetzungen, die man sich für jemanden wünscht, der ein Leben in Glück und Zufriedenheit führen möchte. Obgleich es schön und fleißig ist, gibt die Stiefmutter ihrer rechten Tochter, der faulen und hässlichen, den Vorzug.

Dass eine solche Voraussetzung nicht immer oder meist niemals der Garant für ein zufriedenes und glückliches Leben ist, wissen wir von unzähligen anderen Märchen. Denn schließlich geht es um Herzensgüte und Mitgefühl, nicht um Habgier und Eitelkeit. Und diese Eigenschaften haben immer die „Dummlinge“ und „Aschenputtels“ oder eben jene, die vom Leben nicht die (äußere) „Schokoladenseite“ abbekommen haben.

Keine Entwicklung ohne Mangel und Trennung

Wie im Leben, so ist es auch im Märchen. Bevor eine Entwicklung sich vollziehen kann, muss zunächst ein Mangel eintreten, der einen veranlasst, aus dem alten Zustand auszubrechen bzw. ihn zu verlassen oder zu verändern. Meist findet das unter Leid, Schmerz und Trauer statt.

So ist es nicht verwunderlich, dass die fleißige diesen Weg gehen muss, zumal sie auch nie so richtig zu diesem Haushalt der Stiefmutter (die alte Welt, der alte Zustand) zählte. Jene (Ersatz-) Mutter ließ ja nur ihre rechte Tochter gelten. Die schöne musste alle schlechten Arbeiten im Hause tun und hatte dort eigentlich keinen richtigen Platz.

Nun sollte man nicht dem Irrglauben verfallen, dass es sich bei dieser Schönheit um eine äußere handelt. Auch hier verwendet das Märchen Bilder oder Eigenschaften, die auf innere Ausstrahlung, einen feinen und verlässlichen Charakter schließen lassen.

Schicksal, Bestimmung und Lebensweg

Doch wenden wir uns dem Sprung in den Brunnen zu. Die Ursache war ja die verlorene Spindel oder Spule. Jenes spitzige Werkzeug, das zum Spinnen benötigt wurde und das man gerne mit einem Spinnrad verwechselt. Aber oft handelt es sich im Märchen um eine Handspindel. Diese war im Vergleich zum Spinnrad leicht zu transportieren und aufgrund ihrer Flexibilität bei jeder Tätigkeit, sogar beim Gehen, zu verwenden.

Bevor wir aber „in den Brunnen springen“ , sei nochmals auf die Tätigkeit des Spinnens hingewiesen, die übrigens wesentliches über den Prozess des Mädchens aussagen kann. Spinnen war immer eine Tätigkeit, mit der man aus einem groben, chaotischen und unstrukturiertem Faserknäuel einen wohl geordneten, richtungsweisenden und zielgerichteten Faden produzierte. So kommt das Spinnen im Märchen meist dann vor, wenn sich das Schicksal eines Menschen, seine Bestimmung oder sein Lebensweg offenbart bzw. offenbaren möchte.

Der Sprung in die andere Welt

Nun ist ja der Sprung in einen tiefen Brunnen, so wie er in diesem Märchen geschildert wird, alles andere als eine Empfehlung, die man Kindern machen würde. Oberflächlich betrachtet würde jede Mutter oder jeder Pädagoge eine solche Schilderung als äußerst gefährlich ansehen. Schließlich könnten doch die Kinder auf den Gedanken kommen, die Frau Holle auf diesem Weg einmal zu besuchen.

Doch Kinder können sehr wohl unterscheiden und wissen intuitiv sofort, dass dieser Brunnen kein Brunnen in der sichtbaren Welt ist, sondern ein Tor oder Zugang in eine andere Welt. Anders aber nur, weil sie nicht über das Verstandesbewusstsein zu erreichen und zu entdecken ist, sondern durch eben jenes kindliche Gemüt, das übrigens auch in jedem erwachsenen Menschen, ganz gleich wie alt er ist, zu finden ist, selbst wenn er es über Jahrzehnte hinweg immer wieder verdrängt hat.

Paradiesische Urtiefen oder himmlische Welten?

Jene „andere“ Welt oder Parallelwelt ist sehr wohl zu besuchen und nicht weniger reell, als die mit den Augen sichtbare. Allerdings erfordert es Offenheit, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Lebensfreude. Das sind alles Eigenschaften, die meist nur noch Kinder haben oder jene Figuren im Märchen, die, wie bereits erwähnt, unter die Kategorie Dummling oder Aschenputtel fallen. Alle anderen, die mit Berechnung, Verstand, Habgier und Kalkül in jene Welten treten, werden auf absehbare Zeit eine böse Überraschung erleben.

So ist der Weg in jene paradiesischen Urtiefen (oder himmlischen Welten?) jedem Menschen und zu jeder Zeit offen, er sollte sich aber zunächst klar machen, mit welcher Absicht er diesen Weg geht. An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, ob wir Menschen diesen Weg nicht schon längst gehen? Womöglich ist es uns nicht bewusst und wir erkennen und schätzen daher auch nicht die Weisheit und Hilfen jener Wesen, die uns auf diesem Weg beistehen. Und was wir nicht schätzen, das kann nicht oder nur sehr unzureichend wirken.

Was aber die beiden Mädchen nun bei der Frau Holle erleben und welche noch tieferen Geheimnisse sich dort für unser Leben offenbaren könnten, davon erfahren Sie mehr in der Märchenbetrachtung inkl. Bilderreisen-CD zur Selbstbetrachtung: „Im Paradiesgarten der Frau Holle“.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Im Paradiesgarten der Frau Holle

Mit Märchen heilen, Teil 1

Heilen mit MärchenEs gibt doch viel mehr Ärzte und Therapeuten, die die Erkenntnis nutzen, dass nahezu jede Krankheit ihren Ursprung in der Seele hat, genauer gesagt in einer Unstimmigkeit zwischen innerem Empfinden und äußerem Handeln. Je weniger jemand auf seine innere Stimme, sein Herz hört oder wie immer man diese innere Intelligenz auch nennen mag, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Missachtung mit der Zeit auf den Körper in Form von Schmerz und Leid auswirkt.

Heilen mit Schulmedizin, Homöopathie oder Seelenkunde?

Die therapeutischen Angebote sind sehr vielfaltig. Eine weitverbreitetste davon ist wohl die schulmedizinische Behandlung unter Verwendung von meist pharmazeutischen Medikamenten. Sie konzentriert sich mehr auf die Beseitigung der Krankheits-Symptome, als auf die möglichen seelischen Ursachen. Leider lässt sie dabei häufig außer Acht, dass die Nebenwirkungen einer solchen oftmals kurzfristigen Behandlung für den Körper recht hoch und zuweilen nicht minder gefährlich sein können, als die Krankheit selbst.

Eine Alternative bzw. Ergänzung hingegen wäre z. B. die sanftere Homöopathie. Durch Einnahme von Natur­heilmitteln, die dem Krankheitsbild des Patienten zugeordnet werden, wird die Krankheit verstärkt. So werden z. B. die Abwehrkräfte des Körpers aktiviert, was zu einer tiefer greifenden Gesundung des Pa­tienten führen kann. Eine solche Alternative setzt allerdings voraus, dass der Patient für eine derartige Methode offen ist und am Gesundungsprozess aktiv mitwirkt.

Aber auch die psychoanalytische Behandlung, deren therapeutischer Ansatz die Erfor­schung und Auflösung von seelischen Problemen ist, gewann einen stetig zunehmen­den Stellenwert.

Heilen mit Märchen – die Märchentherapie

Neben all diesen bekannten Heil­methoden gibt es bereits eine ganze Reihe neuer therapeutischer Ansätze. So finden sich z. B. Musiktherapien, Kunsttherapien, Atemtherapien, Farbtherapien, Blütentherapien, Aromatherapien, Lachtherapien und – man höre und staune – auch eine Märchentherapie in der Anwendung.

Märchen, jene weisheitsvollen Volkserzählungen, von denen größtenteils immer noch angenommen wird, dass sie einzig und allein für Kinder erfunden wurden, haben uns weitaus mehr zu erzählen, als die Brüder Grimm in ihrer Sammler-Leidenschaft uns haben wissen lassen.

So sagte bereits der Dichter Christian Morgenstern:

„Man wird wieder aus Himmel und Sternen Bilder machen und die Spinnweben alter Märchen auf offene Wunden legen.“

Woher stammen eigentlich die Märchen?

Obwohl man auch heute noch nicht genau weiß, wie alt und aus wel­chen Quellen die meisten Märchen sind, ist ihre Aussage mehr denn je von aktueller Bedeutung.

Die einen behaupten, Märchen seien Tröpfchen der alten Mythen und Sa­gen und ihre Entstehung in vor­christlichen Zeiten zu finden, andere wiederum meinen, dass sie jüngeren Datums sind und so, wie sie sich uns in Form und Aussage zeigen erst seit dem 17. bis 18. Jahrhundert bekannt.

Nun, vielleicht mag beides seine Richtigkeit haben, fest steht, dass die alten Volksmärchen keine bekannten Urheber haben und in frü­heren Zeiten offenbar nur mündlich mitgeteilt wurden. Dennoch sind sie unabhän­gig von Zeit und Kultur gültig. Sie spre­chen in einfachen, klaren und wundersamen Bildern, denen sich niemand entziehen kann.

Übersinnliche Wahrnehmung, kollektives Unbewusstes,
hellseherischer Zustand?

Zur Entstehung der Märchen äußerte sich einmal Hermann Grimm, der Sohn von Wilhelm Grimm:

„Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit hin­auf reichenden Glaubens, der sich in bildlicher Auffassung übersinnlicher Dinge ausspricht.“

Was nun Hermann Grimm als Aus­druck übersinnlicher Wahrnehmung sieht, umschreibt der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung mit dem kollektiven Unbewussten. Er fand heraus, dass das persönliche Un­bewusste eines einzelnen Menschen sich in Träumen und Visionen aus­drückt und eine tiefe Verwandtschaft mit dem kollektiven Unbewussten hat. Jene menschliche Urerfahrung drückt sich in den verschiedensten Völkern überall auf der Welt seit Urzeiten in Mythen, Sagen, Märchen und Religionen aus.

Mit diesen Ansichten hat auch Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, einiges gemein. Sei­nen Forschungen nach zu urteilen, hatten die Menschen in früheren Zei­ten noch die Fähigkeit, in einem hellseherischen Zustand Bilder und Visionen geschaut, die dann in Mär­chen und Mythen ihren Ausdruck fan­den. Dieser Zustand war wohl mit dem vergleichbar, den wir kurz vor dem Einschlafen erleben können. So waren die meisten Märchen weniger für Kinder gedacht, sondern mehr für Erwach­sene.

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© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Karneval, Fastnacht oder Fasching – die närrischen Tage

narrenhimmel

Wussten Sie übrigens, dass Karneval ursprünglich ein vorchristliches Fest gewesen sein soll, das am Übergang vom Winter zum Frühling gefeiert wurde? Kurz vor der Fastenzeit hat man alles aufgegessen, was von den Wintervorräten übrig blieb, damit auch nichts während der Fastenzeit verdarb. Besonders das Tragen von Kostümen und Masken diente dazu, die Wintergeister zu vertreiben.

Heidnisches Fest?

So feierten auch die alten Griechen Ende Februar ein Fest zu Ehren Dionysos, dem Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und Ekstase. An diesem dreitägigen Fest soll der erste neue Wein ausgeschenkt worden sein. Dionysos fuhr nach Schilderung der griechischen Mythologie in einem Schiffskarren (lateinisch: = carrus navalis, spätere Ableitung „Karneval“) in die Stadt Hellas ein.

Christliche Erziehungs-Maßnahme?

Im Christentum hatte die Obrigkeit der katholischen Kirche ein besonderes Auge auf den „heidnischen“ Karneval geworfen und wollte ihn unterbinden, da er besonders den fleischlichen und irdischen Bedürfnissen zugewandt war. Dies war ein aussichtsloses Unterfangen. So sollten die Begriffe Karneval oder Fasching Inbegriff dafür sein, wie die Verantwortlichen der Kirche ein ihrer Ansicht nach gottloses und zu naturverbundenes Leben verachteten. Beide Begriffe dienten als erzieherische Maßnahme der Gläubigen, da diese an den Faschings-Tagen selbst erleben durften, was es hieß, wenn der „Teufel und Mensch“ an Gottes Stelle regieren.

Carne vale = „Fleisch lebe wohl“ …

Für die Erklärung des Wortes Karneval gibt es unterschiedliche Übersetzungen aus der lateinischen Sprache: Karneval = carne (Fleisch) und vale (lebe wohl) = „Fleisch lebe wohl!“, was den Beginn der Fastenzeit einleiten sollte.

… oder  Carne valere = „Fleisch regiert“ …

Eine weitere Variante wäre Karneval = carne (Fleisch) und valere (regieren) und sollte sich auf die Zeit beziehen, in der das „Fleisch regiert“ und das Essen von Fleisch sowie das Ausleben „fleischlicher“ Gelüste im Vordergrund stand.

… oder gar doch Fastnacht = die Nacht vor dem Fasten?

In weiten Teilen Süddeutschlands, Ostdeutschlands und Österreich wird hauptsächlich das Wort Fasching verwendet. Fasching oder Fastnacht wird von dem Wort Fastenschank abgeleitet und verweist auf den letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern hin.

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Alles ist miteinander verwandt!

Sieht man einmal von allen ideologischen Vereinnahmungen und religiösen Besserwissereien ab, so ist doch im Grunde alles irgendwie miteinander verwandt. Eigentlich schön, denn so unterschiedlich dürften die Menschen auf der Welt und ihre Kulturen in ihrem tiefsten Empfinden zu sich selbst, den Mitmenschen, der Natur und der Schöpfung gegenüber dann doch nicht sein.

Weniger Kultur und Bildung, mehr Oberflächlichkeiten.

Allen Karneval-, Fastnacht- oder Faschings- Freunden sei in diesem Sinne und in diesen „närrischen Tagen“ viele ausgelassene Stunden und frohe Tage gewünscht. Doch leider ist auch hier, wie bei vielen anderen kulturellen oder religiösen Höhepunkten und Festen die eigentliche Bedeutung zugunsten von Oberflächlichkeiten und Ablenkungen verloren gegangen, was manchen Kreisen gar nicht einmal so unlieb ist. Denn je weniger Kultur und Bildung in einem Volk leben, desto weniger kommt es zu einem selbstbewussten Denken und desto besser lässt es sich manipulieren und entmündigen.

Mythen, Legenden, Sagen, Märchen.

Ähnlich verhält es sich mit Mythen, Legenden, Sagen und Märchen, denn auch sie verbannt man gerne in die Kategorie fantastische Erzählungen mit geringem Wahrheitsgehalt. Da es sich aber bei jenen Kulturgütern – wenn überhaupt – nur zu einem geringen Teil um historische Begebenheiten handelt, sondern vielmehr um Sinnbilder, Lebensweisheiten und, insbesondere bei Märchen, um Seelenprozesse und spirituelle Botschaften, das wird meist ignoriert, belächelt oder missbraucht.

Märchen als Seelennahrung!

Gönnen Sie sich doch einfach einmal wieder einen grenzüberschreitenden und erlebnisreichen Streifzug durch die märchenhafte Kultur der Völker und lesen Sie z. B. jeden Abend vor dem Schlafen-Gehen ein Volksmärchen von den Brüdern Grimm oder eines aus 1001 Nacht. Selbstverständlich gibt es auf der ganzen Welt unzählige wunderschöne und tiefsinnige Märchen, die Einblick in das „Herz“ des jeweiligen Volkes geben und das eigene „Herz“ vortrefflich nähren und begeistern können.

Staunen Sie über die farbenprächtige und poetische Sprache dieser Märchen der Völker und wundern Sie sich nicht wenn Sie entdecken (sieht man einmal von dem jeweiligen „Lokalkolorit“ der einzelnen Länder ab), dass wir ALLE miteinander verwandt sind.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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Sex in Märchen und Geschichten, gibt es das?

Sex in Märchen

© Bild: aboutpixel.de, EnEn8418


Welchen Stellenwert hat Sex in den Märchen?

Frage von Felix K.,

Hallo liebes Märchen-Team,

im Rahmen meiner Abschlussarbeit in Kommunikationsdesign recherchiere ich über Märchen und Sagen. Das Thema dieser Arbeit ist ein Magazin für Kinder ab acht Jahren und die erste Ausgabe befasst sich mit dem Thema körperliche Liebe (Sex, Sexualität, Aufklärung).

Gibt es nun Märchen oder Geschichten, die sich explizit mit Sexualität befassen? Man sagt, dass der griechische Gott „Zeus“ in dieser Beziehung ein ziemlicher Schwerenöter war, ich kenne aber keine konkreten Namen von solchen Sagen, die sich diesem Thema näher widmen.

Auch möchte ich mich nicht auf die Sagen und Märchen der westlichen Welt beschränken, da ich vermute, in anderen Kulturkreisen wird mit diesem Thema auch anders umgegangen. Wie bereits erwähnt, ich kenne mich in der Materie kaum aus und bitte um Eure Hilfe!

Keine wirkliche Thematisierung von Sex in den Volksmärchen

Antwort dazu:

Lieber Felix K.,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Nach meinen Erkenntnissen hat die Sexualität bei den echten Volksmärchen kaum eine große Rolle gespielt, zumindest wurde sie nicht thematisiert. Selbst die Märchen, die von den Brüdern Grimm gesammelt und bearbeitet wurden, hatten in ihrer Urfassung – also so, wie sie die Brüder Grimm mündlich überliefert bekamen – kaum Hinweise auf sexuelle Handlungen, die vordergründig behandelt wurden.

Es wird berichtet, dass die Brüder Grimm sexuell anzügliche Stellen in den ihnen überlieferten Märchen verändert oder weggelassen haben. Dennoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass echte Märchen (Volksmärchen) einen unnatürlich großen Wert auf die Darstellung von Sex gelegt haben.

Was allerdings nun aus psychologischer oder psychoanalytischer Sicht zum Thema Sexualität besonders durch den Neurologen, Tiefenpsychologen, Kulturtheoretiker und Religionskritiker Siegmund Freud (1856 – 1939) in die Märchen hinein interpretiert wurde, ist wohl eine andere Sache und müsste in Anbetracht jener Zeit und der persönlichen Lebensumstände von Herrn Freud etwas näher betrachtet werden, wenngleich es sicherlich nur einer von unzähligen anderen Aspekten der Märchendeutung oder -betrachtung ist.

Selbstverständlich gibt es Geschichten, die man gerne unter dem Begriff Märchen führt, die allerdings wenig oder gar nichts mit dieser Gattung zu tun haben. Die Märchenerzählerin Rita Maria Fröhle hat große Erfolge mit ihrem erotischen Märchenprogramm. Diese „Märchen“, oder besser formuliert Geschichten, drücken zwar auf poetische, spielerische, humorvolle und leichte Art Erotik bzw. Sexualität aus, nennen die Dinge aber auch konkret beim Wort.

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Die meisten erotischen Märchen sind eher Geschichten, Schöpfungsmythen

Für Kinder sind diese besonderen Geschichten allerdings nicht zu empfehlen. Sie wurden – bedingt durch die sprachliche Formulierung im Allgemeinen und das Thema Sex im besonderen – eindeutig für Erwachsene geschrieben und sollten auch nur dort erzählt werden.

Sicherlich werden Sie in diesen Kulturkreisen (Afrika, Nordamerika, China, Peru), aus denen u. a. die Geschichten der Märchenerzählerin Rita Maria Fröhle stammen, noch mehr Geschichten finden, die vielleicht einen anderen Zugang zur Sexualität aufzeigen, als z. B. westliche Geschichten.

Ob aber echte Volksmärchen aus diesen Kulturkreisen ebenfalls die Sexualität thematisieren, wage ich im Moment zu bezweifeln. Wie Sie bereits erwähnt haben, werden sie z. B. in Schöpfungsgeschichten und Mythen, etc. eher fündig werden, weniger oder gar nicht in den echten Märchen.

Übertriebener Rummel um die natürlichste Sache der Welt

Wir leben wohl in einer Zeit, in der Sex einen großen Stellenwert einnimmt. Kaum vergeht ein Tag, an dem man durch Werbung, Film und Fernsehen, etc. nicht an seine sexuellen Triebe erinnert wird. Und dennoch (oder deswegen) habe ich den Eindruck, dass eine wirklich natürliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität kaum noch möglich ist und Prüderie besonders in jenen Kreisen zu finden ist, die sich als außerordentlich aufgeschlossen und zivilisiert wähnen.

So heißt es in einem erotischen orientalischen „Märchen“ über eine Frau (was übrigens genau so auch für einen Mann zutreffen kann):

„Nach außen hin scheint sie so fromm und demütig wie eine Moschee in der Mittagshitze, in ihrem Inneren aber, da tanzen tausend wilde Teufel!“

Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum Sexualität in den alten Volksmärchen nie besonders thematisiert wurde, weil sie als natürlicher und selbstverständlicher Bestandteil zum Leben des Menschen gehört hat, weder künstlich übertrieben noch scheinheilig verdrängt oder unterdrückt, sondern einfach und natürlich gelebt wurde.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Frau Holle Märchen und Sagen

In welchem Märchen kommt dieses Motiv vor: „Ein Mädchen springt in einen Brunnen und wacht im „Himmel“ wieder auf!“

Haben Sie es erkannt?

Ja, es ist das von den Brüdern Grimm gesammelte Märchen der „Frau Holle“,das landläufig unter „Goldmarie und Pechmarie“ bekannt ist. Aber vielleicht wissen Sie bereits, dass es viele Märchen und Sagen von der Frau Holle gibt und jede dieser weisheitsvollen Geschichten übt eine besondere Faszination aus. Ob es sich nun um „die 3 Wünsche“, „Goldener“, „Die Blaue Blume von Tirol“ oder „Die Herrin vom Rosengarten“ handelt, sie alle und noch viele mehr beschreiben die „Große Mutter“ oder „Urmutter“, so wie sie auch gerne gerufen wird, als helfendes aber auch strafendes Wesen.

Frau Holle, der Hohe Meißner und der Frau Holle Teich

Frau Holle, Frau Hulda, auch Berchta, Frau Gode, Frau Herke oder Große Mutter genannt, ist als bedeutendste mythologische Gestalt oder wesenhafter Naturgeist in Sagen und Märchen überliefert. Sie wacht besonders über die häusliche Ordnung und Liebestreue. Bekannt ist sie vor allem aus dem Märchen der Brüder Grimm, aber auch durch die vielen Sagen, deren Heimat der Hohe Meißner ist, der „König der hessischen Berge“. Besonders vertraut ist dieser 740 m hohe Berg durch den Frau-Holle-Teich, der seine Wasser zu gleichen Teilen ostwärts zur Werra und nach Westen hin in die Fulda entsendet. Bei Münden treffen sie dann wieder in der Weser zusammen.

Über diesen mystischen Ort des Frau-Holle-Teichs
wissen die Brüder Grimm folgendes zu berichten
:

„Dieser Teich, an der Ecke einer Moorwiese gelegen, hat gegenwärtig nur vierzig bis fünfzig Fuß Durchmesser; und nicht selten sind auf ihr Pferde versunken. Von dieser Holle erzählt das Volk vielerlei, Gutes und Böses. Weiber, die zu ihr in den Brunnen steigen, macht sie gesund und fruchtbar, die neugeborenen Kinder stammen aus ihrem Brunnen, und sie trägt sie daraus hervor. Blumen, Obst, Kuchen, das sie unten im Teiche hat und was in ihrem unvergleichlichen Garten wächst, teilt sie denen aus, die ihr begegnen und zu gefallen wissen …

… Gern zieht sie die Kinder in ihren Teich, die guten macht sie zu Glückskindern, die bösen zu Wechselbälgen. Jährlich geht sie im Land um und verleiht den Äckern Fruchtbarkeit, aber auch erschreckt sie die Leute, wenn sie durch den Wald fährt, an der Spitze des wütenden Heers. Bald zeigt sie sich als eine schöne weiße Frau in oder auf der Mitte des Teiches, bald ist sie unsichtbar, und man hört bloß aus der Tiefe ein Glockengeläut und finsteres Rauschen.“

Vom historischen Schauplatz zu märchenhaften Seelenbilder

Doch wenden wir uns wieder diesem uns bekannten Motiv der Brüder Grimm zu. Ist es nicht seltsam, dass jemand in den Brunnen springt und im Himmel wieder erwacht, schließlich schüttelt das Mädchen die Betten aus und es schneit auf der Erde.

Dass es sich bei diesen sinnbildlichen Schilderungen, auch wenn sie sich an historischen Orten abspielen oder abspielen sollen, nicht um historische Prozesse sondern um Seelenbilder handelt, dürfte jedem Menschen einleuchten, der vorurteilsfrei, offen und von Herzen dieses Märchen betrachtet.

Im sogenannten realen Leben stehen wir nicht selten vor einer schier unlösbaren Aufgabe und nur das Urvertrauen und die Zuversicht auf das gute Ende treibt uns voran. Wie es ausgeht, wissen wir nicht, aber unsere Ahnung oder innere Stimme sagt uns, dass diese Herauforderung gerade jetzt für unsere Entwicklung entscheidend und notwendig ist, auch wenn wir mit unzähligen Zweifeln zu kämpfen haben.

Das Mädchen stellt sich seinen Herausforderungen, springt in den Brunnen, verliert die „irdische Besinnung“ und erwacht in einer „anderen Dimension“. Und gerade in jener Dimension, nennen wir sie „Anderswelt“, „Traumwelt“, „Himmel“, etc. erhält es die Hilfe, die es schließlich zu Glück und Reichtum führt. Dies alles ist aber nur möglich, weil es selbst mitfühlend und demütig (nicht unterwürfig) genug ist, anderen ihr Herz (Brot, Apfelbaum, Frau Holle) zu öffnen und nahezu selbstlos zu handeln.

Wie es aber denen letztendlich ergeht, die eine solche Gesetzmäßigkeit schamlos nur für ihre eigene Gier, Habsucht und Macht missbrauchen, zeigt uns sinnbildlich die Gestalt der Pechmarie.

Nicht nur die Goldmarie, sondern auch die Pechmarie lebt in uns!

Aber „Hand aufs Herz“, so gerne wir uns mit der „Goldmarie“ identifizieren, so gerne wir die Rolle des „Gutmenschen“ spielen, so gerne wir die Gestalt der „Pechmarie“ nur in den anderen Menschen sehen und verurteilen, so ungern müssen wir uns auch eingestehen, dass wir das Wesen der „Pechmarie“ ebenso in unserer eigenen Seele tragen, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen.

Aber ist es denn wirklich so schlimm? Gehören nicht beide zu einem vollkommenen (nicht perfekten) Menschen oder hat DIE SCHÖPFUNG alles verkehrt gemacht?

Schlimm wird es erst, wenn wir an diesem Anteil der „Pechmarie“ hängen oder in gar verdrängen, denn dann können wir auch nicht die letztendlich wichtigen Fragen stellen:

>>> WIE erkennen wir diesen Anteil in uns, vor allem die Konsequenzen auf Mit-Mensch und Natur und
>>>
WAS machen wir konstruktives und lebensbejahendes für alle daraus?

Wie Sie selbst diese märchenhaften Seelenbilder entschlüsseln und für ein erfüllteres Leben anwenden können, wie gerade jene Sinnbilder ungewöhnliche Lösungen für festgefahrene Probleme im Alltag weisen können und wie man damit Erwachsene und Kinder beglücken kann, erfahren Sie

>>> im einmaligen Lernprogramm-Starterset
>>>
im Einführungs-Seminar der Märchen-ErzählerInnen-Ausbildung,
>>> oder im Intensiv-Basiskurs der individuell begleiteten SOLO-Ausbildung
(Weitere Infos dazu beim Klicken der obigen Links)

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Im Paradiesgarten der Frau Holle