Traum oder Wirklichkeit?

Neulich träumte ich, ich wäre ein Schmetterling. Und als ich erwachte, da wusste ich nicht, ob ich nun ein Mensch bin, der träumte ein Schmetterling zu sein, oder vielleicht ein Schmetterling, der träumt ein Mensch zu sein?
(Nach dem altchinesischen Philosophen Zhuangzi)

Die Realitäten sind verschieden in der Wahrnehmung, so heißt es jedenfalls. Und nicht selten hört man, dass Träume nichts anderes sind, als „Schäume“, also null und nichtig. Beobachtet man aber Kinder, so gibt es für sie keine Trennung zwischen Traum und Wirklichkeit. Sie sind sowohl in der Traumwelt als auch in der sogenannten Realität gleichzeitig zu Hause.

Wenn nun Träume nicht nur beschränkt werden auf das, was wir in der Nacht erleben können oder darauf, was wir an Wünschen mit uns tragen, dann ist die Traumwelt ja etwas, was viel mehr mit unserer gesamten Innenwelt zu tun hat. Ist sie deshalb unwirklich, nur weil wir diese Innenwelt nicht mit den äußeren Augen sehen oder mit unseren Händen greifen können?

Nahezu alles stammt aus der Traum- oder Innenwelt!

Stammt nicht vieles oder nahezu alles, was wir im Äußeren wahrnehmen oder kreieren, aus der Innenwelt, aus einer Idee, einem kreativen Gedanken, einer Inspiration bzw. einer Eingebung? Kein Mensch, ob Erfinder oder Künstler, etc., hat jemals etwas geschaffen, wenn es nicht zuvor in seinem Traum oder seiner Innenwelt vorhanden war.

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Ausbildung MärchenerzählerIn: Was sie ist und was sie NICHT ist!

Ausbildung Märchenerzähler MärchenerzählerinEin Geschichten- und Märchenerzähler wurde eines Tages von einem König eingeladen, ihn und seinen Hofstaat zu unterhalten. Der Erzähler brachte seine Geschichten und Märchen so schön und lebendig vor, dass alle am Hof sogleich verzaubert waren. Am Ende fragte ihn der König: „Wie machst Du das, all Deine Geschichten so lebendig und voller Begeisterung zu erzählen, so dass man selbst glaubt, in einem inneren Theater zu sitzen?“

Da sprach der Erzähler: „Bevor ich anfing, Euch die Märchen zu erzählen, brachte ich alle meine Zweifel und niederdrückenden Gedanken zur Ruhe. So schuf ich Platz für meine Lebensfreude und konnte meine Seele in Ruhe auf das Erzählen einstimmen. Nach kurzer Zeit hatte ich alles vergessen, was ich durch Euch mit meiner Kunst verdienen könnte. Etwas später hatte ich auch meine Person und den Ruhm, den ich nach Vollendung meiner Erzählertätigkeit erwerben könnte, vergessen. Und schließlich hatte ich auch Euch, oh mein König, als Auftraggeber vergessen.

So konnte ich sanft und ohne zu werten meine inneren Seelenlandschaften betrachten und siehe da, ganz zwanglos und wie von selbst tauchten die Bilder der Märchen in leuchtenden Farben und wohltuenden Formen in mir auf. Auch fühlte ich die beglückenden Stimmungen in meinem Herzen. So fing ich an, voller Freude und ganz natürlich zu erzählen. Hätte ich nur auf meinen Verstand und nicht auf mein Innerstes gehört, ich hätte die Arbeit lassen müssen.“

© Karlheinz Schudt, inspiriert durch ein altes Lehrgeschichten-Motiv.

In obiger Geschichte ist im Grunde das Wesen der gesamten MärchenerzählerIn-Ausbildung zu finden. Gerade als MärchenerzählerIn kann man ja besonders gut (innere oder äußere) Geschehnisse bzw. Alltagssituationen in Geschichten packen und diese lebendig und erlebnisreich einem Publikum präsentieren.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen ein paar kurze Anmerkungen ans Herz legen, was diese Ausbildung zum/r Märchenerzähler/in (vom Märchenhaft leben e. V., eingetragener und gemeinnütziger Verein)  ist und was nicht:

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Märchen im Zaubergarten

Märchen im ZaubergartenZwischen dem 6. und 7. Intensivseminar machen alle TeilnehmerInnen der Ausbildung zum/r Märchen- und  GeschichtenerzählerIn ihre praktische Abschlussarbeit. Gabriele aus der Nähe von Kiel hat dies am 2. September 2018 in einem wunderschönen Garten in ihrem Heimatort getan. Der Titel dieser Veranstaltung war: „Märchen im Zaubergarten – Ein märchenhafter Spaziergang mit Märchen zum Schmunzeln und Träumen“.

Nahezu jedes Alter war im Publikum (ca. 70 Personen) vertreten und so konnten sowohl Kinder als auch Erwachsene sich an diesen von Gabriele frei erzählten Geschichten und Märchen erfreuen und gleichzeitig in dem märchenhaften Zaubergarten sich wohl und geborgen fühlen.

Einen kleinen Eindruck von diesem Tag finden Sie hier:

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Wie die Selbstgerechtigkeit vom Blitz erschlagen wurde.

Selbstgerechtigkeit - eine Geschichte

Selbstgerechtigkeit: Kennen Sie den Spruch: „Wer den Splitter im Auge des anderen sieht, erkennt den Balken im eigenen Auge nicht!“ Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich hier um ein Zitat aus der Bergpredigt. Wie leicht rutscht einem dieser Spruch über die eigenen Lippen, vor allem dann, wenn man damit die Untugenden oder Unzulänglichkeiten anderer Menschen verdeutlichen oder verurteilen möchte.

Aber mal ehrlich, ob wir damit die Selbstgerechtigkeit anderer überführen möchten oder womöglich selbst zu jenen Selbstgerechten gehören, die immer nur die Schuld bei den anderen suchen, wir nehmen in jedem Falle eine Position ein, mit der wir uns im Recht wähnen. Nur allzugerne identifizieren wir uns mit den vermeintlich „Guten“ im Leben, mit dem, was wir kennen, lieben und schätzen.

Wehe aber, es schleicht sich etwas ein, was uns unbekannt ist, was wir nicht lenken oder überblicken können. Das macht uns unsicher und Angst und gerade diese lässt uns dann mit einem solchen Eifer Dinge tun, von denen wir glauben, dass sie im Dienst einer guten Sache stehen. In Wirklichkeit repräsentieren diese Taten aber oft nichts anderes als unsere Engstirnigkeit, Einseitigkeit und unseren Fanatismus und bewirken genau das Gegenteil von dem, was wir als das „Gute“ meinten.

Aber sind wir gespannt, was die Geschichte über die Selbstgerechtigkeit zu sagen hat:

Die vier selbstgerechten Bauern

Einmal waren fünf Bauern bei einem schrecklichen Unwetter auf dem Weg nach Hause. Ihr Weg führte sie über einen hohen Berg und als sie dort ankamen, war das Unwetter so heftig, dass an kein Weiterkommen mehr zu denken war. Es stürmte und regnete so gewaltig, dass sie glaubten, stehenden Fußes ertrinken zu müssen. Gleichzeitig fing es auch noch an zu donnern und zu blitzen, als hätte sich die Hölle selbst weit aufgetan.

Glücklicherweise fanden sie auf dem Gipfel des Berges neben einem Baum eine kleine Hütte, in die sie Schutz suchend flüchteten. Dort wollten sie das Unwetter vorüberziehen lassen. Doch das Unwetter dachte gar nicht daran. Es hatte sogar den Anschein, als ob es gerade über dieser Hütte zum Stehen kam und seine ganze Gewalt erst recht entfaltete. Blitze fuhren herab und schlugen unweit der Hütte ein. Andere wiederum kreisten gefährlich am Himmel.

Die Bauern beratschlagten, was sie denn nun tun sollten. Ihre Angst war groß aber die Furcht vor den Göttern noch viel größer. Schließlich glaubten sie, dass ein Sünder unter ihnen die Ursache dieses lebensbedrohlichen Unwetters wäre und die Götter solange keine Ruhe gäben, als bis jener vermeintliche Sünder seiner gerechten Strafe zugeführt würde.

Unter ihnen war ein stiller und bescheidener Bauer, der keine großen Worte machte und auch sonst wegen seiner Ansichten als komischer Sonderling galt. Schließlich verschworen sich die vier anderen gegen ihn und waren sich einig, dass jener Sonderling der Sünder wäre und den Zorn der Götter auf sie alle gelenkt habe. Da wäre es doch recht und billig, wenn gerade jener aus der Hütte hinaus in das Unwetter müsse, um sich vom Blitz erschlagen zu lassen. Nur so wären die Götter zu besänftigen.

Unbarmherzig stießen sie den armen Bauern hinaus und überließen ihn seinem schrecklichen Schicksal, in der Hoffnung, dass nun das Gewitter bald ein Ende nähme. Wie nun der Bauer so alleine, ausgeliefert und hilflos draußen stand, vom Sturm und Regen umpeitscht und von dem Licht der Blitze hell erleuchtet, da kreiste ein ganz besonders mächtiger Blitz am Himmel, fuhr plötzlich mit einer solchen Wucht herab und schlug krachend in die Hütte ein, in der die vier selbstgerechten Bauern saßen.

Nach einer asiatischen Lehrgeschichte, neu geschrieben von Karlheinz Schudt.

© 2018 Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Sollten auch Sie den tiefen Wunsch verspüren, als MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn unter den Menschen wirken und mehr Zwischenmenschlichkeit, Vertrauen, Mitgefühl und Zuversicht in die Welt und unter die Menschen tragen zu wollen, dann zögern Sie nicht lange. Sie könnten gleich hier und heute beginnen:

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Scherben bringen Glück, aber nur dem, der loslassen kann!

Scherben bringen GlückEin in spirituellen Dingen weit bekannter und hochgeschätzter Mann sieht eines Tages in der Küche seine Frau weinen. „Was ist mit Dir?“, fragte er besorgt, „Warum bist Du so traurig?“ „Ach“, schluchzte da die Frau, „Weil alle Dinge so vergänglich sind!“ Der Mann schaute sie ganz ernst an und erwiderte besserwissend und belehrend:

„Da musst Du noch härter werden und Dich daran gewöhnen, dass alles auf dieser Welt vergänglich ist.“ Plötzlich zieht die Frau aus ihrer Tasche eine Hand voller Porzellanscherben hervor, streckt sie ihrem Mann unter die Nase und sagt: „Nun, dann bin ich aber erleichtert, Deine Lieblings-Teetasse ist gerade eben ins Vergängliche entschwunden …“

(Nach einer alten Zen-Lehrgeschichte,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Wie hätten Sie geantwortet?

Wie nun dieser höchst spirituelle Mann auf diese gewitzte Antwort seiner weisen Frau reagierte, darüber lässt uns die Geschichte im Dunkeln. Wir können es nur vermuten und uns selbst fragen, wie jede/r Einzelne von uns denn gehandelt hätte. Aber mal ehrlich, ist es nicht in vielen Fällen so, dass wir gerne Meinungen ungeprüft übernehmen und weiter „plappern“ oder Dinge von anderen erwarten, die wir nicht einmal selbst oder nur im Ansatz bewältigen bzw. umsetzen können?

Im Volksmund gibt es ein sehr weises Sprichwort:
„Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu!“
In einem anderen Zusammenhang könnte dies auch bedeuten:
„Was Du selbst nicht bereit bist zu tun, das erwarte auch nicht von einem anderen!“

„Sie predigten öffentlich Wasser und tranken heimlich Wein!“

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in den meisten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und spirituellen Kreisen, in denen gerne große Worte gemacht werden, Ernüchterung einkehren würde, wenn einer dieser obigen Grundsätze verinnerlicht würde.

Denn solange kein Staatsmann (oder keine Staatsfrau), kein/e Manager/in und auch kein/e noch so hochgeschätzte/r spirituelle/r „Oberlenker/in“ die wirklichen Probleme erlebt hat (oder zumindest wahrhaftig mitfühlen kann), die der „schwächste“ Mensch in seinem gesellschaftlichen Umfeld, seinem Regierungsbezirk, seiner Firma oder unter seiner spirituellen Verantwortung durchleidet, desto länger wird es bei jenen „großen Worten“ bleiben, denen wirklich selten auch große Taten folgen.

Die eigene Ausstrahlung und Anziehung machts!

Aber wie bereits erwähnt, fangen wir lieber bei uns selbst an, dort haben wir wahrlich genügend zu tun. Wie schwer, ja nahezu unmöglich es ist, jemand oder etwas anderes verändern zu wollen, ist vielen Menschen im Grunde ihres Herzens eigentlich bekannt. Und wer weiß, vielleicht ändert sich vieles um uns herum ganz natürlich und von alleine, wenn wir uns selbst verantwortlich fühlen für all das, was wir im Leben ausstrahlen und anziehen.

Ich jedenfalls wäre erfreut gewesen, wenn der Mann in der obigen Geschichte mit Humor und einer gehörigen Portion positiver Selbstkritik auf die wirklich pfiffige und weisheitsvolle Antwort seiner Frau reagiert hätte, anstatt womöglich mit Hochmut, Eitelkeit und Ärger. Und wer weiß, vielleicht sind nicht diejenigen die wahren Weisen, die in der breiten Öffentlichkeit stehen, sondern viel mehr jene, die im Stillen im Hintergrund wirken.

Sollten Sie also den tiefen Wunsch verspüren, als MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn im „stillen Hintergrund“ mit Geschichten und Märchen zu wirken, mehr Zwischenmenschlichkeit, Identität, Inspiration, Vertrauen, Mitgefühl und Zuversicht in die Welt und unter die Menschen tragen zu wollen, dann zögern Sie nicht lange. Sie könnten gleich hier und heute damit beginnen!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Erzählerkurs, Lernprogramm Märchen erzählen lernen

Die Poesie der Märchen – das Fenster zur Innenwelt

Die Poesie der Märchen oder das Fenster zur Innenwelt„Es ist leichter, dem Einfachen etwas hinzu zu träumen,
als dem allzu Reichen etwas weg zu denken.“

Daher kommt es dem spielerischen Naturell des Menschen viel näher, wenn er selbst in seiner Vorstellung, seiner Imagination kreativ ist, als sich unzählige Bilder von außen aufdrängen zu lassen, die weder seiner Natur noch seinem seelischen Wohlbefinden entsprechen.

Je mehr von außen eine dem eigenen Naturell nicht entsprechende Vorstellung oder Dramatik in die Seele des Menschen gebracht wird, desto mehr schwindet seine persönliche Imagination und sein individuelles Erleben. Ähnlich verhält es sich beim Lesen eines Buches. Wie farbenprächtig und stimmungsvoll erleben wir doch mit dem Protagonisten des Märchens, der Geschichte oder des Romans dieses Geschehen vor dem inneren Auge und in unserer Seele.

Anders verhält es sich bei der Verfilmung z. B. jenes Märchens, das wir zuvor beim bildhaften Lesen so klar und lebendig vor unserem inneren Auge hatten. Jetzt hingegen sind wir stark reduziert auf die Bilder- und Stimmungswelten, die der Filmemacher, Regisseur und die Einstellung der Kamera präsentieren.

Der Betrachter erlebt nun das Geschehen durch die Augen der MacherInnen im Hintergrund, die meist hochdramatisch und nach ihren Vorstellungen dieses Geschehen bestimmen. Die Imagination des Betrachters hat somit weder genügend Freiheit noch ausreichend Zeit, um sich auf das Wesentliche so einzulassen, als dass auch die Seele tief berührt wird und Nahrung erhält.

Betrachtung Märchen: Im Paradiesgarten der Frau Holle

Märchen – ein faszinierendes Genre!
Eigene innere Bilder und Stimmungen sind die größten Erlebnisse!

Gerade die Volksmärchen in ihrer einfachen, weisheitsvollen und natürlichen Poesie sind für die individuelle Imagination, Unterhaltung und Entspannung ein faszinierendes Genre! Sowohl Kinder, als auch Erwachsene auf der ganzen Welt lieben diese Erzählungen, die sich in unterschiedlichsten Kulturen finden lassen.

Und wer dann auch noch in den Genuss gekommen ist, diese voller Poesie steckenden Märchen oder Geschichten frei erzählen zu können und dabei sein Publikum direkt anschaut, der fühlt und sieht in den Augen seines kleinen oder großen Publikums, welche märchenhaften, farbenprächtigen Landschaften und wohltuenden, wundervollen Geschehnisse sich da in den Innenwelten seiner ZuhörerInnen auftun.

Märchenerzähler oder Märchenerzählerin,
ein alter und neuer Beruf mit Zukunft!

In der Märchen- und GeschichtenerzählerIn-Ausbildung in Vlotho erleben Sie, wie es möglich ist, frei, bildhaft, stimmungsvoll und natürlich zu erzählen und sein Publikum zu faszinieren. Jede(r) ZuhörerIn kann somit gelassen und in tiefer Ruhe die eigene innere Bilder- und Gefühlswelt entdecken, die noch reicher, farbenprächtiger und stimmungsvoller ist, als es jedes Theaterstück, jeder Film oder jedes noch so von außen künstlich inszenierte Event zu erschaffen vermag.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Wie der Verstand auf die Nase fiel

verstandEinst betrat Nasrudin einen Laden. Da sprach der Inhaber des Ladens heimlich zu einem Kunden: „Das ist der dümmste Mensch der Welt! Ich werde es dir gleich beweisen!“ Er grüßte Nasrudin und hielt ihm seine beiden Hände entgegen. In der einen waren fünf Geldstücke und in der anderen nur zwei. Dann sprach er: „Nun, Nasrudin, willst du das Geld in dieser oder in jener Hand haben?“ Nasrudin überlegte nicht lange und ließ sich die zwei Geldstücke schenken. Dann verließ er den Laden. Der Kunde schaute ganz ungläubig und war sichtlich erstaunt über die vermeintlich unsinnige Handlung Nasrudins. Der Ladeninhaber aber lachte etwas gehässig und sprach: „Na, was habe ich dir gesagt? Dümmer gehts nicht!“

Als nun der Kunde den Laden verlassen hatte, da traf er zufällig Nasrudin, der gemütlich vor einem Teehaus saß und den köstlichsten Tee trank, den er sich für die zwei Geldstücke gekauft hatte. Noch immer ganz verwundert über die törichte Handlung Nasrudins, sprach er diesen an: „Sag einmal, Nasrudin, warum hast du denn nicht die fünf Geldstücke genommen, die dir angeboten wurden. Die sind doch viel mehr wert als nur zwei?“ Da lächelte Nasrudin gewitzt, trank noch genüsslich ein Schlücken Tee und sprach: „Hätte ich heute die fünf Geldstücke genommen, dann wäre das ganze Spiel vorbei gewesen und ich hätte meinen Tee selbst bezahlen müssen.“

Nach dem Motiv einer alten Lehrgeschichte,
neu erzählt von Karlheinz Schudt.

Mulla Nasrudin oder Till Eulenspiegel?
Von der Weisheit der Narren!

Mulla Nasrudin gehört ja zu jenen Gestalten des Orients, die durchaus etwas mit dem europäischen Till Eulenspiegel gemein haben. Sie führen gerne durch ihre für den menschlichen Verstand nicht nachvollziehbaren weisheitsvollen Handlungen (Eule) den Menschen ihre Eitelkeit, Oberflächlichkeit und Rechthaberei auf humorvolle Weise vor Augen (Spiegel).

Noch mehr von solchen Weisheits-Prozessen, die dem Verstand seine Grenzen aufzeigen, finden wir in den unterschiedlichsten Motiven der Märchen mit ihren seelisch-spirituellen Bildern. Ein besonders humorvolles Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm ist der rechthaberische „Meister Pfriem“, der im Himmel so seine Erfahrungen machten musste, wie beschränkt doch der menschliche Verstand ist.

Hier ein kleiner Auszug:

… Er ging weiter und sah einen Wagen, der in einem tiefen Loch steckengeblieben war. „Kein Wunder“, sprach er zu dem Mann, der dabeistand, „wer wird so unvernünftig aufladen? Was habt Ihr da?“

„Fromme Wünsche“, antwortete der Mann, „ich konnte damit nicht auf den rechten Weg kommen, aber ich habe den Wagen noch glücklich heraufgeschoben, und hier werden sie mich nicht steckenlassen.“ Wirklich kam ein Engel und spannte zwei Pferde vor.

„Ganz gut“, meinte Pfriem, „aber zwei Pferde bringen den Wagen nicht heraus, viere müssen wenigstens davor.“ Ein anderer Engel kam und führte noch zwei Pferde herbei, spannte sie aber nicht vorn, sondern hinten an.

Das war dem Meister Pfriem zuviel. „Tolpatsch“, brach er los, „was machst du da? Hat man je, solange die Welt steht, auf diese Weise einen Wagen herausgezogen? Da meinen sie aber, in ihrem dünkelhaften Übermut, alles besser zu wissen.“ Er wollte weiterreden, aber einer von den Himmelsbewohnern hatte ihn am Kragen gepackt und schob ihn mit unwiderstehlicher Gewalt hinaus. Unter der Pforte drehte der Meister noch einmal den Kopf nach dem Wagen und sah, wie er von vier Flügelpferden in die Höhe gehoben ward. …

Das vollständige Märchen finden Sie hier:
„Meister Pfriem“

Quadratisch oder rund? Verstand oder Intuition?
Was bevorzugen Sie?

Tja, so gehts im Alltag, wenn wir uns nur auf unseren Verstand verlassen. Der ist nämlich für Lösungen gänzlich unbrauchbar und kann nur das wiederkäuen, was er aus der Vergangenheit einmal gelernt hat. Situationsbedingte, gegenwartsbezogene Probleme aber, die weitaus mehr (höhere oder tiefere) Blickwinkel benötigen, Einfühlungsvermögen, Offenheit, Mut und Vertrauen erfordern, können wir aber nur mit unserem Allerinnersten lösen, unserer inneren Stimme, Intuition oder all den „Werkzeugen“, die aus eben jener „Verwandtschaft“ stammen.

Als MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn werden Sie mit diesen „Werkzeugen“ immer mehr in Berührung kommen und in der Lage sein, diese weisheitsvollen Märchen und Geschichten Kindern oder Erwachsenen frei zu erzählen. Sie werden ferner darüberhinaus noch entdecken, dass diese Berufung (als Hobby, Neben- oder Hauptberuf) sogar Ihre Intuition und Lebensfreude in kurzer Zeit steigern kann. Und diese haben zwangsläufig positive Auswirkungen auf Ihr Glück, Ihre Liebe, Ihren Erfolg und last but not least, auf Ihre Gesundheit!

Ein Versuch wäre es sicherlich wert 😉

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen