Pilgern nach Innen – Eine märchenhafte Pilgerreise

Pilgern zum eigenen Herzen

Es heißt „Der Weg ist das Ziel“ und meint vermutlich, dass das Gute oder das Glück viel näher ist, als man gemeinhin glaubt und zwar so nahe, dass man es im eigenen Herzen findet.

Und doch ist es immer wieder erfüllend, sich auch äußerlich auf den Weg zu begeben, um die Wunder der Natur und des Lebens zu bestaunen, selbst wenn man am Ende entdeckt, dass nicht in der Ferne, sondern dort, wo das eigene Herz schlägt, das Glück zu finden und man nur dort wahrhaftig zuhause ist. Gerade jene, die den Pilgerweg des Lebens auch gerne im Äußeren vollziehen, erleben in den Bäumen ein großartiges Wunder, das die Natur hervorgebracht hat.

Besonders in den Märchen spielt der Wald mit seinen wundersamen Bäumen immer wieder eine große Rolle. Der Wald ist Schutz und Lebensgrundlage vieler Märchenfiguren, aber auch geheimnisvoll, unheimlich, dunkel und unüberschaubar.

Was ein Pilger dort so alles erleben kann, lesen Sie in folgender Weisheitsgeschichte:

Als der Mensch die Bäume verstand
© 2012 Karlheinz Schudt und Troubadour Verlag Vlotho

Ein Wanderer ging eines Tages durch einen großen Wald. Majestätisch und hochgewachsen standen die Bäume auf beiden Seiten des Weges. Ihre Blätter rauschten sanft in den Gipfeln und diese wiegten sich im milden Abendwind behutsam hin und her. Unzählige Strahlen der rötlich-goldenen Abendsonne blitzten aufgeregt zwischen den Ästen und Blättern hindurch und tanzten verspielt auf dem Waldboden.

Ein wundersames, kaum hörbares Tönen erfüllte plötzlich die Luft und die Bäume sprachen untereinander: „Seht, ein Mensch! Ist er nicht klein und zierlich? Keiner von ihnen hat jemals die Größe und Stattlichkeit eines Baumes erreicht. Niemand ihrer Sippe ist so stark wie wir und doch ist er zu etwas fähig, was keiner unserer Brüder und Schwestern jemals vollbringen mag: Er geht seinen Weg!“

Dieses Gespräch unter Bäumen wäre eigentlich für ein menschliches Ohr unhörbar gewesen, aber der Wanderer war schon lange Zeit einsam und alleine auf seinem Pilgerweg und hatte gelernt, auf seine innere Stimme zu hören.

Und wer in tiefer Ruhe mit seiner inneren Stimme stets Zwiesprache hält, für den ist das Tor bereits weit geöffnet, um auch das Wesentliche und Wahre hinter den äußeren Dingen zu erkennen. So war es nicht verwunderlich, dass auch er in diesem Augenblick die Sprache der Bäume verstand. Und je länger er zuhörte, desto nachdenklicher wurde er und als das Tönen der Bäume langsam verstummte, da antwortete er …

Welche Erkenntnis der Pilger nun aus der Zwiesprache mit seiner inneren Stimme und den Bäumen zog und was er darauf antwortete, können Sie in obigem Video in vollständiger Länge hören und sehen.

Das vollständige E-Book „Als der Mensch die Bäume verstand“ mit dieser und weiteren neuen märchenhaften Weisheitsgeschichten von Karlheinz Schudt, erschienen im Troubadour-Verlag Vlotho, finden Sie hier: http://klickjetzt.de/baeume

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen

Arbeit UND Vergnügen, eine Geschichte über Ruhe und Glück

Arbeit und Vergnügen

Hoffentlich geht es Ihnen nicht wie dem Kaufmann in der nachfolgenden Geschichte, der sein Lebtag lang schuftet, um am Ende seines Beruflebens erst das zu tun, was schon immer sein Herz begehrte:

Noch ein langes Programm

Ein Kaufmann hatte hundertfünfzig Kamele, die seine Stoffe trugen, und vierzig Knechte und Diener, die ihm gehorchten. An einem Abend lud er einen Freund zu sich. Die ganze Nacht fand er keine Ruhe und sprach fortwährend über seine Sorgen, Nöte und die Hetze seines Berufes. Er erzählte von seinem Reichtum in Turkestan, sprach von seinen Gütern in Indien, zeigte die Grundbuchauszüge seiner Ländereien und seine Juwelen.

„Oh Freund“, seufzte der Kaufmann, „ich habe nur noch eine Reise vor. Nach dieser Reise will ich mich endlich zu meiner wohlverdienten Ruhe setzen, die ich so ersehne, wie nichts andres auf der Welt. Ich will persischen Schwefel nach China bringen, da ich gehört habe, dass er dort sehr wertvoll sei. Von dort will ich chinesische Vasen nach Rom bringen.

Mein Schiff trägt dann römische Stoffe nach Indien, von wo ich indischen Stahl nach Halab bringen will. Von dort will ich Spiegel und Glaswaren in den Jemen exportieren und von dort Samt nach Persien einführen.“ Mit einem träumerischen Gesichtsausdruck verkündete er dem ungläubig lauschenden Freund: „Und danach gehört mein Leben der Ruhe, Besinnung und inneren Einkehr, dem höchsten Ziel meiner Gedanken.“

(Nach Saadi, persischer Dichter)

Wie man sein Leben lang schuftet, die Arbeit nur als Last und notwendiges Übel sieht, um am Ende des Lebens endlich sein Glück genießen zu können.

Nur der Mensch glaubt, dass „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ kommt. Das Leben aber denkt parallel! Oder haben Sie schon einmal erlebt, dass der Körper erst den linken, dann den rechten Arm entwickelt? Oder dass ein Baum erst ein Blatt, dann das nächste, usw. wachsen lässt?

Alles geschieht parallel und gleichmäßig. Es wird in der Regel in keinem lebendigen Organismus etwas bevorzugt oder gar benachteiligt.

Je gleichmäßiger wir unseren Blick sowohl auf das Äußere, wie auch auf das Innere lenken, desto mehr werden wir die wahre Lebensfreude entdecken und erkennen, dass erst die Einheit zwischen „Außen“ UND „Innen“, „Arbeit“ UND „Vergnügen“, „Alltag“ UND „Urlaub“ zur Erfüllung führt.

Machen Sie also Ihre Arbeit zum Vergnügen und Ihren Alltag zum Urlaub und Sie werden entdecken, dass das Glück viel näher ist, als man meint und dass gerade die willentliche Suche danach letztendlich nur zur Enttäuschung führt, denn das Glück ist niemals da, wo man es verbissen sucht, und schon gar nicht in der Ferne!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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