Eine Geschichte über den Ort, an dem es keine Probleme mehr gibt.

Probleme Türen für ein noch erfüllteres LebenNeulich traf ich einen Bekannten, der jammerte und schließlich ganz verzweifelt sprach: „Ach hätte ich doch keine Probleme mehr! Mein Leben könnte so ruhig sein!“ Zunächst konnte ich sein Anliegen ganz gut verstehen, aber kurz danach wurde ich doch stutzig und dachte über den tieferen Sinn der menschlichen Probleme nach.

Sind es nun irgendwelche Strafen, welche die „Schöpfung“ für die Dummheiten seiner Kreaturen vorgesehen hat oder Konsequenzen eines menschlichen Erfahrungs- bzw. Entwicklungsprozesses, der eigentlich als Wegweiser dienen könnte, um endlich für das wahre Ziel wach zu werden, anstatt die Ignoranz von „gestern“ in einem „neuen Kleid“ zu wiederholen?

Gleich darauf erinnerte ich mich an folgende Geschichte, die ich meinem Bekannten auf sein Jammern hin erzählte:

„Eines Tages traf ich einen recht wohlhabenden Freund. Er machte einen niedergeschlagenen Eindruck und als ich ihn fragte, was er auf dem Herzen habe, da antwortete er: ‚Ach, ich fühle mich so elend. Jeden Tag nichts als Probleme.‘ Und er schilderte mir alles bis ins einzelne, so dass ich mich selbst nach einigen Minuten des Zuhörens tot unglücklich fühlte. ‚Wenn Du mir hilfst,‘ so sprach er weiter, ‚meine Probleme loszuwerden, dann verspreche ich Dir, regelmäßig Geld an einen wohltätigen Verein zu spenden‘.

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und ich erinnerte mich an einen Ort, der tausende von Menschen beherbergt und von dem ich glaubte, das dort keiner ein Problem mehr hat. Mein Freund war begierig, diesen Ort sofort zu besuchen und wir machten uns beide gleich auf den Weg. Nach einem kurzen Fußweg kamen wir ans Ziel und durchquerten schließlich die Eingangspforte des städtischen Friedhofes.“ 

(Verfasser der Geschichte unbekannt,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

„Ach, ich werde mir doch mächtig fehlen, wenn ich einst gestorben bin.“
(Kurt Tucholsky)

Ob nun die Seelen jener verstorbenen Menschen, deren leibliche Hüllen unter der Erde gebettet sind, wirklich keine Probleme mehr haben, ist Ansichts- und Glaubenssache. Für uns noch lebende scheint es jedenfalls so, als ob es im Jenseits keine Probleme mehr gäbe und es ist wohl auch noch niemand in seiner leiblichen Gestalt von dort zurück gekommen, der uns davon hätte berichten können.

Doch sieht man einmal von dererlei Mutmaßungen und Glaubensanschichten ab und wendet sich den noch lebenden Menschen zu, dann können Probleme durchaus „Türen“ in ein noch erfüllteres Leben sein. Je wacher und offener sich ein Mensch in solchen Krisensituationen für seine Umwelt und besonders seine Innenwelt zeigt, desto schneller können sich auch Lösungen für meist festgefahrene Probleme im Alltag offenbaren.

Und wie im kleinen, so verhält es sich auch im großen. Nahezu alles hängt davon ab, ob wir nun die „Dummheiten“ von gestern in einem „neuen Kleid“ oder besser gesagt, in einer „neuen Zwangsjacke“ wiederholen und das Wohl und Wehe der Menschheit weiterhin von umweltzerstörenden, gewinnmaximierenden wirtschaftlichen Interessen abhängig machen, oder aber von der Freiheit im Geist, der Gleichheit im Menschlichen und der Brüderlichkeit (Schwesterlichkeit) im Wirtschaftlichen.

Neue Wege gehen und ungewöhnliche Lösungen finden!

Dass schon längst andere Wege möglich wären, zeigt eines von vielen, aber sehr entscheidenden Beispielen aus der Vergangenheit:

Nikola Tesla (Geboren 1856 in Smiljan, Österreich-Ungarn, gestorben 1943 in New York) war ein serbisch-stämmiger Erfinder, der 1884 in die USA emigrierte und der zur Nutzbarmachung des Wechselstroms durch die Erfindung des Wechselstrommotors beitrug. John Pierpont Morgan (ab 1895 J. P. Morgan & Co firmierendes Bankhaus) spielte eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung der Forschungen von Nikola Tesla. Unter dem Vorwand einen extrem leistungsfähigen Rundfunksender schaffen zu wollen, ließ Tesla sich den Bau des Wardenclyffe-Towers finanzieren.

Tesla selbst glaubte allerdings daran, auf diese Weise drahtlos über die Ionosphäre (Teil der Atmosphäre eines Himmelskörpers, der große Mengen von Ionen und freien Elektronen enthält) elektrische Energie verteilen zu können, die dann von jedem Punkt der Welt kostenlos abgegriffen werden könnte. Als Morgan davon erfuhr, zog er seine Finanzierung zurück und soll das ganze mit den Worten kommentiert haben: „Gratis Strom gut und recht, wo bring ich aber den Stromzähler für den Kunden an“.

Tesla wird nachgesagt, dass er über nicht publiziertes Wissen bezüglich freier Energien verfügt haben soll. Immerhin wurden seine Aufzeichnungen nach seinem Tod 1943 beschlagnahmt und sie sollen noch heute –  wider allem aufklärerischen Denken – unter Verschluss gehalten werden.

(Weitere Informationen darüber z. B. in Wikipedia)

Probleme dienen dazu, das eigene Leben erst recht zu ergreifen!

Wie immer ist es ein leichtes, „die Bösen“ als Verursacher der eigenen Probleme woanders zu suchen. Aber jeder Mensch weiß im Grunde seines Herzens, dass bei jeder Verwirklichung einer Idee, eines Projektes, eines Lebenswerkes und nicht zuletzt bei der ganz „gewöhnlichen“ Bewältigung des Alltags der Widerstand oder die Probleme nicht lange auf sich warten lassen.

Kein Tesla, kein noch so bekannter oder unbekannter Erfinder und auch sonst kein Mensch würde etwas Ungewöhnliches oder Außergewöhnliches auf die Beine stellen, wenn er sich gleich von Hinderungen oder negativen Meinungen in der Öffentlichkeit davon abhalten ließe. Und viele auf diesem Gebiet erfahrene „alte Hasen“ sagen sogar, je mehr Gegenwind oder Probleme man auf diesem Weg hat, desto sicherer kann man sein, dass es der richtige Weg ist! Selbst wenn es auch für den Moment nicht den erhofften Erfolg bringt, den man sich dabei wünscht, so kann letztendlich niemand sagen, wie sich diese Bemühungen zum Wohl der Menschen in Zukunft auswirken werden. Denn nicht selten sind Personen, die sich gerade in Zeiten der maßlosen Veräußerlichung ihren innersten Offenbarungen öffnen, weit ihrer Zeit voraus.

Ergreifen wir also mit Herz und gesundem Menschenverstand das eigene Leben mit all seinen Offenbarungen, Problemen und Lösungen und bleiben uns dabei selbst treu! Wie das geht, zeigen uns sinnbildlich unzählige Märchen und Geschichten.

Wie auch Sie als Geschichten- und MärchenerzählerIn mehr Zuversicht, Kreativität, außergewöhnliche Lösungsbereitschaft und Lebensfreude unter die Menschen bringen können, erfahren Sie in der Ausbildung zum(r) Märchen- und GeschichtenerzählerIn oder im Lernprogramm „Märchen erzählen lernen beginnt schon zu Hause“.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Erzählerkurs, Lernprogramm Märchen erzählen lernen

 

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreibenSie kennen sicherlich das Märchen vom Rotkäppchen!? Bestimmt, es ist jenes Märchen aus der Grimmschen Sammlung (KHM 26 von 1857), das wohl am bekanntesten ist, aber dessen Inhalt bis zur heutigen Zeit auch schon unzählige Male verdreht, verändert, missbraucht oder verstümmelt wurde.

„Ach, wie war ich erschrocken,
wie war’s so dunkel in dem Wolf seinem Leib!“

Die meisten Menschen, die glauben, das Märchen vom Rotkäppchen zu kennen, erinnern sich vielleicht noch an den vermeintlichen Schluss, als Rotkäppchen sagte: „Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir’s die Mutter verboten hat.“

Ein Schluss, wie er für Moralpädagogen nicht besser im Buche stehen könnte, zumindest wenn man das Märchen mit den moralischen, historischen oder den äußeren „Augen“ betrachtet. Mit anderen Worten könnte das ja heißen, „Wenn Du alles tust, was Deine Mutter oder die wie auch immer geartete Obrigkeit Dir sagt, dann wird es schon seine Richtigkeit haben“.

Daher lässt man auch den eigentlichen Schluss dieses Märchens gerne weg, der – sofern man sich überhaupt noch daran erinnert – auf etwas hinweist, was man nicht gerne hört. Der 1. Wolf wurde dank der Wachheit des „Jägers“ besiegt aber nun kommt ein 2. Wolf ins Spiel bzw. ins Märchen.

Aber lesen Sie zunächst selbst das ganze Märchen im Original:
>>> Rotkäppchen, Brüder Grimm, KHM 26 aus der Fassung von 1857 <<<

Nachdem nun Rotkäppchen aus der Dunkelheit, aus dem Leib des Wolfes wieder ans Licht kam und der Wolf vernichtet war, wird es jetzt mit einem anderen Wolf konfrontiert, der aber im Grunde dieselben betrügerischen Mechanismen anwendet, wie sein Vorgänger.

Ja, es wird sogar so geschildert, als ob das, was im 1. Wolf lebte, seine Fortsetzung in diesem scheinbaren 2. Wolf findet. Doch diesmal gelingt es dem Rotkäppchen mit der Weisheit der nun wieder zu Kräften gekommenen Großmutter, den Wolf zu durchschauen und ihn aus eigenen Kräften unschädlich zu machen.

Licht und Dunkelheit gehören zum Leben

Wenn die Dunkelheit besiegt ist (z. B. in der Gestalt des Wolfes) oder das, was man gerne als das „Böse“ im Märchen bezeichnet, dann ist nur die Hülle vernichtet, nicht aber der Kern. Der nistet sich in Kürze und meist noch massiver, raffinierter und voller Täuschung dort ein, wo er nicht erkannt wird bzw. wo man ihn nicht vermutet. Offenbar gehört die Dunkelheit zum Leben dazu und ist, wie das Licht, ein notwendiger Bestandteil, damit der Mensch sich seiner allerinnersten Natur bewusst wird, anstatt sich von allerlei äußeren Ablenkungen noch weiter in die Irre führen zu lassen.

Und so können auch die heilsamen Märchenbilder, vorausgesetzt man betrachtet sie mit den inneren Augen, wesentliche Hinweise und Lösungen zeigen, wie wir mit all den inneren und äußeren Kräften, Herausforderungen und Widerständen so umgehen können, dass sie uns und allen Beteiligten wahrhaftig nutzen, anstatt unser Bewusstsein noch mehr zu vernebeln oder zu verdunkeln.

Gerade jetzt, wo gerne sehr einseitig, undifferenziert, höchst emotional, hasserfüllt und gewaltbereit auf politische, gesellschaftliche oder mitmenschliche Geschehnisse reagiert wird, wäre ein bewusstes, mehrere Blickwinkel einschließendes Betrachten bitter nötig, um die wahren Ursachen dahinter besser zu erkennen. Denn Dunkelheit, Hass, Gewalt, Angst und Ignoranz sind KEINE Resultate irgend eines Krieges. Sie verursachen ihn!

Und so möchte ich diesen Blog-Artikel mit einem Zitat von Martin Luther King beenden:

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben

„Streben wir nach Macht um der Macht willen? Oder sind wir bemüht, das Leben in der Welt und in unserer Nation zu verbessern; denn wenn wir danach streben, kann Gewalt niemals die Lösung bringen. Das größte Übel der Gewalt liegt darin, dass sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu verringern, vermehrt sie es. Durch Gewalt kann man den Hassenden ermorden, aber man tötet den Hass nicht. Gewalt verstärkt den Hass. Das sind Tatsachen. Gewalt mit Gewalt zu beantworten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben. Das kann nur das Licht. Hass kann Hass nicht vertreiben. Das kann nur die Liebe.“

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Betrachtung Märchen: Im Paradiesgarten der Frau Holle

Schon wieder in die Lügenmärchen-Falle getappt

Lügenmärchen

Auf einen Beitrag in einem sozialen Netzwerk antwortete mir ein Mitglied aus einer Gruppe in Bezug auf ein von mir eröffnetes Thema „(Lebens-)Märchen von Glück, Liebe, Erfolg und Gesundheit“:

„Hallo und Aha? Sie erzählen Märchen? Wollen Sie uns „Märchen“ erzählen? Na ich denke mal, aus dem Alter sind wir heraus (oder ich), Politiker und andere erzählen uns schon genügend, medial verbreitete Märchen, aber witziger Ansatz.“

Leider ist die gängige Meinung immer noch die, dass Märchen nichts anderes als erfundene und an den Haaren herbeigezogene „Lügengeschichten“ sind. Selbst Menschen, von denen man eine gewisse Aufgeschlossenheit für seelisch-spirituelle Dinge erwartet, fallen immer noch in die Falle der bis heute in der Öffenlichkeit propagierten Meinung „Märchen seien Lügen-Geschichten“.

Dass es sich aber bei den Volksmärchen um einfache Weisheiten aus der ganzen Welt handelt, die sinnbildlich (also in Seelenbildern) Lebensprozesse und Lösungs-Möglichkeiten für festgefahrene Probleme schildern und viel mehr unser „Herz“, als unseren meist überbetonten Verstand ansprechen, wird nahezu völlig ignoriert.

Wie eng Märchen und Wahrheit in Wirklichkeit beieinander stehen, wird anhand des folgenden jüdischen Volks-Märchens sehr schön verdeutlicht:

Die Wahrheit und das Märchen

Die Wahrheit ging durch die Straßen ganz nackt, wie am Tag ihrer Geburt. Kein Mensch wollte sie in sein Haus einlassen. Jeder, der sie traf, flüchtete voller Angst vor ihr. Eines Tages ging die Wahrheit wieder in Gedanken versunken durch die Straßen. Sie war sehr betrübt und verbittert.

Da begegnete sie dem Märchen. Das Märchen war geschmückt mit herrlichen, prächtigen und vielfarbigen Kleidern, die jedes Auge und jedes Herz entzückten. Da fragte das Märchen die Wahrheit: “Sage mir, geehrte Freundin, warum bist du so bedrückt und drehst dich auf den Straßen so betrübt herum?” Da antwortete ihm die Wahrheit:

“Es geht mir sehr schlecht. Ich bin alt und betagt und kein Mensch will mich kennen.” Hierauf erwiderte ihr das Märchen: “Nicht weil du alt bist, lieben dich die Menschen nicht. Auch ich bin sehr alt, und je älter ich werde, desto mehr lieben mich die Menschen.  

Siehe, ich will dir das Geheimnis enthüllen: Sie lieben es, daß jeder geschmückt ist und sich ein wenig verkleidet. Ich werde dir solche Kleider borgen, mit denen ich angezogen bin, und du wirst sehen, daß die Leute auch dich lieben werden.”  

Die Wahrheit befolgte diesen Rat und schmückte sich mit den Kleidern des Märchens. Seit damals gehen Wahrheit und Märchen zusammen, und beide sind bei den Menschen beliebt.

© Beitrag, Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
märchenerzählenlernen