Gold (ver)blendet oder Wie die Sehnsucht ihre „Sucht“ verliert

Gold (ver)blendetEines Tages bat ein Weiser den König, er möge ihm doch seine Schale mit Gold füllen. Der König, der dem Weisen diesen Wunsch gerne erfüllen wollte, musste mit Schrecken feststellen, dass diese Schale immer leerer wurde, je mehr Gold er hinein tat. Fassungslos sah der König den Weisen an und sprach: „Sage mir, oh weiser Mann, wie kann das sein? Verrate mir das Geheimnis dieser goldenen Zauberschale, denn es scheint, als dass mein unermesslicher Reichtum diese Schale nicht füllen kann?“

„So ist es, mein König“, antwortete der Alte, „Die Schale trägt das Geheimnis des menschlichen Herzens in sich, das nie zufrieden ist. Du kannst es füllen, womit du willst: mit Reichtum, Schönheit, Liebe, Wissen, Macht, Lebenslust und allem, was es gibt. Doch du wirst es nie füllen können, weil es nie erfüllt sein wird.

Der Mensch kennt dieses Geheimnis des Lebens nicht mehr, da er es vergessen hat. Er strebt ständig nach allen Dingen, die er vor sich sieht, gleich wie ein Esel, dem eine Karotte an einer Stange vors Maul gebunden wurde. Und je mehr ein Mensch bekommt, desto mehr wünscht er sich. Die Schale seines Verlangens, seiner Sehnsucht aber, kann sich niemals füllen.“

(Nach einer alten Sufi-Lehrgeschichte,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Der Weg der „goldenen Mitte“.

Unsere ganze Wirtschaft dreht sich hauptsächlich um die Befriedigung von äußeren Wünschen. Sind diese erfüllt, dann sehnt man sich nach der Erfüllung des nächsten Wunsches. Das fängt schon beim Kind an, das ein lang ersehntes Spielzeug endlich erhält, nach einigen Tagen aber die Lust daran verliert, da es ein anderes, vermeintlich noch schöneres Spielzeug entdeckt hat.

Dennoch leben wir in einer Welt, deren äußeren Verlockungen wir uns nicht verschließen können und auch nicht sollten. Womöglich gehört sie sogar zu einem menschlichen Entwicklungsprozess dazu, um endlich wieder das in der obigen Lehrgeschichte angedeutete Lebensgeheimnis praktisch zu erfahren.

So wird wohl „der beste Weg in der Goldenen Mitte liegen“, wie uns so manche alten westlichen Weisen und Mystiker zu berichten haben. Aber auch in der östlichen Weisheit „Nichts verdrängen, nicht dran hängen“ kann erkannt werden, dass zu einem erfüllten und glücklichen Leben der Blick sowohl nach außen, wie auch nach innen gerichtet sein sollte.

Mit Märchen und Geschichten den Weg nach Innen gehen!

Um sowohl die Schönheiten der Welt zu bewundern und sich daran zu erfreuen, als auch deren inneren Geheimnisse und Offenbarungen zu entdecken, dabei können die Märchen und Geschichten als wunderbare Brücke dienen.

Sie sind für alle Entwicklungszyklen des Menschen geeignet, vom Kind, über den Jugendlichen bis hin zum Erwachsenen. Märchen helfen, zu sich selbst zu finden, den eigenen Weg zu erkennen und mit Freude ausdauernd zu gehen. Sie zeigen, dass der Mensch sein Leben so gestalten kann, wie es seinem inneren Wesen entspricht und sie helfen dabei, die „gute Seite“ von der „schlechten Seite“ zu unterscheiden und beide sinnvoll zu nutzen bzw. zu verwandeln.

So bringen sie in das eigene Leben immer mehr Harmonie und Zuversicht, ohne die scheinbaren Untugenden zu verdrängen! Denn schließlich geht es in den wahren Märchen und in vielen guten Geschichten um die Vereinigung der Polaritäten, nicht um die Ablehnung!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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Engel – kosmische Wesen oder süßliche Vorstellung?

EngelSind nun Engel jene kleinen, putzigen Wesen mit Flügelchen, die mit verklärtem, hochheiligem Blick auf vielen alten, aber auch modernen, meist spirituellen Gemälden, zu finden sind? Oder sind sie eher jene geschlechtslosen, menschenähnlichen, mit Flügeln versehenen Gestalten, so wie sie als Skulpturen in vielen Kathedralen und Kirchen dargestellt werden?? Oder was???

Unser menschliches Vorstellungsvermögen ist da recht begrenzt und reicht sehr oft nicht über die personifizierte, ganz individuelle Vorstellung hinaus. Dies mag mitunter daran liegen, dass wir durch die in der Vergangenheit geprägten künstlerischen und/oder kirchlichen Bilder von Engeln vom eigentlichen Wesen und Wirken jener „Kräfte“ abgelenkt werden, da wir SIE viel zu oft im Äußeren vermuten.

Nicht der Glaube ist entscheidend,
sondern das lebendige Wissen und Erleben im eigenen Herzen!

Anstatt die Beurteilung über ihre Existenz und ihr Aussehen allein Künstlern, Theologen, Geistlichen oder sogenannten Engel-Experten zu überlassen, wäre es doch viel sinnvoller, jene himmlischen Wesen in uns selbst wahrzunehmen und zu schätzen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Gott“. Sowohl gläubige Befürworter jener „Universellen Kraft“ als auch überzeugte Atheisten sind religiöse Menschen. Beide machen sich den Begriff Gott zum zentralen Thema. Sie sind nichts anderes, als zwei gegenüberliegende Extreme von ein und derselben Sache. Jeder ist überzeugt von dem, was er glaubt. Doch leider findet diese Überzeugung meist im Verstand statt. Der Glaube an sich, der weder bewiesen werden kann noch muss, ist somit reine Kopfsache.

Es sei denn, jemand glaubt nicht mehr, sondern weiß! Und dieses tiefe, lebendige Wissen, jene himmlische Offenbarung ist womöglich nur im Herzen eines jeden Menschen zu entdecken und braucht ebenso absolut keinen Beweis, schon gar keinen wissenschaftlichen!

Den Engeln ist es egal, ob wir an SIE glauben!

So ist es den Engeln oder Gott im Grunde völlig egal, wie wir SIE uns vorstellen, wo wir SIE wahrnehmen und ob wir überhaupt von IHRER Existenz überzeugt sind. SIE wirken einfach und natürlich! Ob und wie wir Menschen IHRE Inspirationen, Visionen, Weisheiten oder Kräfte empfangen und in welcher Intensität, hängt gänzlich von unserem unendlichen Vertrauen in den eigenen Lebensplan ab, dem Wissen von unserer individuellen Lebensaufgabe und der tiefen Sehnsucht nach unserem höchsten Lebensziel.

Kontakt zu einem Engel – wie macht es das Märchen?

Wie aber ist es in den Märchen? In den gesammelten Märchen der Brüder Grimm werden Sie nicht allzu viele Schilderungen von Engeln finden, so wie wir SIE uns gerne vorstellen. Eines von wenigen allerdings ist das unbekannte Märchen vom Vogel Phönix, KHM 75, aus der Grimmschen Sammlung von 1812. Darin steigt ein Jüngling zu einem sehr hohen Engel-Wesen empor, das ihm letztendlich hilft, seine Lebensaufgabe und sein Ziel zu verwirklichen.

Dieser Engel jedoch frisst alle Menschen auf, die ihm entgegentreten. ER verzehrt sie, da kein menschlich physischer Körper eine Konfrontation mit einem derart gigantischen Wesen aushalten könnte. So gibt es immer wieder Schilderungen, dass die Ausstrahlung eines Engels so mächtig ist, dass sie z. B. die Licht-Intensität unzähliger Sonnen übersteigt. Engel treten laut Überlieferung häufig in der Funktion von göttlichen und überwältigenden Boten auf, weshalb SIE oftmals „Fürchte Dich nicht!“ sagen (tönen, summen, donnern, jubilieren, …).

In diesem Märchen jedoch hat der Jüngling eine geistige Helferin, die sowohl einen fast gefahrlosen Kontakt zu ihm, wie auch zum Vogel Phönix, ermöglichen kann. Auf diese Weise lässt diese Helferin den Jüngling an dem tiefen Wissen jenes vogelähnlichen Engel-Wesens Anteil haben. Welche Voraussetzungen allerdings der Jüngling dafür mitbringen muss, erfahren Sie in dem Märchen.

Wenn Sie nun immer noch glauben, dass Märchen harmlose Geschichten sind, die man bestenfalls Kindern oder vermeintlich „naiven“ Erwachsenen erzählt, dann sollten Sie sich unbedingt einmal das Berufsbild eines Märchenerzählers oder einer Märchenerzählerin etwas näher anschauen. Es lohnt sich!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Die Sehnsucht nach Ganzheit – Mit Märchen heilen, Teil 2

Sehnsucht nach GanzheitWenn wir uns besonders dem Inhalt der Volksmärchen zuwenden, dann erfahren wir, dass der Protagonist mit einer Vielzahl von Prüfungen konfrontiert wird. Dies ist meist in den Motiven der drei Brüder zu erkennen, von de­nen in der Regel der jüngste, einfache und mitfühlende die Prüfungen besteht.

Der Mensch im Widerspruch zur Natur (zu seiner Natur)?

In der Natur haben wir eine in sich vollkommene, ja nahezu paradiesische Einheit. Tiere und Pflanzen stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich im Sinne des Naturprinzips. Ein zerstö­render Eingriff, der letztendlich die ganze Erde bedroht, findet in diesem Ausmaß nicht statt, da Tiere und Pflanzen in einem ganzheitlich, göttlichen Bewusstsein leben.

Der Mensch aber stellt nun sich selbst, seine Schöpfung und das Naturprinzip „auf den Kopf“ bzw. in Frage. Er wird mit all seinen Tugenden und Untugenden (im Märchen z. B. durch die drei Brüder symbolisiert) in diese Welt hineingeboren, um darin seinen Weg zu finden. Schon alleine durch die Tatsache, dass er willentlich entscheiden kann, meist zugunsten von Macht, Gier und Eitelkeit (im Märchenbild der beiden älteren, gescheiteren Brüder symbolisiert), schließt er sich selbst aus diesem ganzheitlich, göttlichen Bewusstsein aus und wendet sich sogar gegen seine eigene, innere Natur.

Dieses Bewusstsein zwingt ihn in die Trennung. Er kann nicht anders und muss Entscheidungen treffen. Zwar darf er Fehler machen, muss aber die Konse­quenzen  tragen und die nötigen Er­kenntnisse daraus ziehen. Tut er dies nicht, dann würde er niemals zur Ganzheit, zum Heilwerden auf neue Weise zurückfinden.

Zurück – vorwärts zur Ganzheit, zum Heilsein …

Aber Gott sei Dank gibt es ja noch den jüngsten Bruder, den Dummling. Jener stellt sich kaum die Frage, welche Probleme und Hindernisse auf seinem Weg liegen. Der Dummling geht ihn ganz einfach und bewältigt alle Herausforderungen durch Wachheit, Offenheit, Mitgefühl, Lebensfreude, Einfachheit und Natürlichkeit. Nur dadurch kann er die scheinbare Trennung überwinden und die Ganzheit (das Heilsein) wieder erlangen. Keine Resignation, kein Hass, keine Gier, keine Eitelkeit und keine Selbstbeschränkung hindern ihn daran. Dadurch wird sein Herzens-Ziel immer deutlicher und nichts kann ihn mehr davon abhalten.

Jeder Mensch hat dieses höchste Ziel in sich, aber ist er sich dessen auch stets bewusst? Wie weit hat er sich davon bereits entfernt und ablenken lassen? Volksmärchen bedienen sich einer Bildsprache, die leicht für unsere Seele nachvollziehbar ist, vorausgesetzt, man öffnet sich innerlich diesen Bildern.

Das Märchen nimmt die Natur als Ausdruck, da diese in sich vollkommen ist. Der Mensch, ebenfalls Teil der Natur, spielt darin aber stets eine besondere Rolle, die sich in Trennung und Wiederverbindung ausdrückt. Im­mer geht es um einen Einbruch in diese Ganzheit und jedes Mal erhält er die Chance, diese auf einer neuen Stufe bewusst und heil wiederzufinden bzw. zu erschaffen.

Das Märchen – ein heilsamer Lebensweg in seelisch-geistigen Bildern

Das Märchen ist somit ein Lebensweg in seelisch-geistigen Bildern, die einen ständigen Prozess vom Inneren ins Äußere schildern und wieder zurück. Alle entscheidenden Stufen dieses Lebensweges sind von Anfang bis Ende sichtbar, je nach Schwer­punkt des Märchens. In diesem märchenhaften Lebensplan können wir das innere Selbstbildnis, das Urbild des Menschen entdecken.

Das Märchen begleitet uns aus der Ganzheit (Einheit) in die Zweiheit (Trennung), in die Dualität unseres irdischen Daseins. Es zeigt uns aber auch den Weg, wie wir diese Einheit, Ganzheit oder das Heilsein bewusst wieder neu erschaf­fen können.

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© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Pilgern nach Innen – Eine märchenhafte Pilgerreise

Pilgern zum eigenen Herzen

Es heißt „Der Weg ist das Ziel“ und meint vermutlich, dass das Gute oder das Glück viel näher ist, als man gemeinhin glaubt und zwar so nahe, dass man es im eigenen Herzen findet.

Und doch ist es immer wieder erfüllend, sich auch äußerlich auf den Weg zu begeben, um die Wunder der Natur und des Lebens zu bestaunen, selbst wenn man am Ende entdeckt, dass nicht in der Ferne, sondern dort, wo das eigene Herz schlägt, das Glück zu finden und man nur dort wahrhaftig zuhause ist. Gerade jene, die den Pilgerweg des Lebens auch gerne im Äußeren vollziehen, erleben in den Bäumen ein großartiges Wunder, das die Natur hervorgebracht hat.

Besonders in den Märchen spielt der Wald mit seinen wundersamen Bäumen immer wieder eine große Rolle. Der Wald ist Schutz und Lebensgrundlage vieler Märchenfiguren, aber auch geheimnisvoll, unheimlich, dunkel und unüberschaubar.

Was ein Pilger dort so alles erleben kann, lesen Sie in folgender Weisheitsgeschichte:

Als der Mensch die Bäume verstand
© 2012 Karlheinz Schudt und Troubadour Verlag Vlotho

Ein Wanderer ging eines Tages durch einen großen Wald. Majestätisch und hochgewachsen standen die Bäume auf beiden Seiten des Weges. Ihre Blätter rauschten sanft in den Gipfeln und diese wiegten sich im milden Abendwind behutsam hin und her. Unzählige Strahlen der rötlich-goldenen Abendsonne blitzten aufgeregt zwischen den Ästen und Blättern hindurch und tanzten verspielt auf dem Waldboden.

Ein wundersames, kaum hörbares Tönen erfüllte plötzlich die Luft und die Bäume sprachen untereinander: „Seht, ein Mensch! Ist er nicht klein und zierlich? Keiner von ihnen hat jemals die Größe und Stattlichkeit eines Baumes erreicht. Niemand ihrer Sippe ist so stark wie wir und doch ist er zu etwas fähig, was keiner unserer Brüder und Schwestern jemals vollbringen mag: Er geht seinen Weg!“

Dieses Gespräch unter Bäumen wäre eigentlich für ein menschliches Ohr unhörbar gewesen, aber der Wanderer war schon lange Zeit einsam und alleine auf seinem Pilgerweg und hatte gelernt, auf seine innere Stimme zu hören.

Und wer in tiefer Ruhe mit seiner inneren Stimme stets Zwiesprache hält, für den ist das Tor bereits weit geöffnet, um auch das Wesentliche und Wahre hinter den äußeren Dingen zu erkennen. So war es nicht verwunderlich, dass auch er in diesem Augenblick die Sprache der Bäume verstand. Und je länger er zuhörte, desto nachdenklicher wurde er und als das Tönen der Bäume langsam verstummte, da antwortete er …

Welche Erkenntnis der Pilger nun aus der Zwiesprache mit seiner inneren Stimme und den Bäumen zog und was er darauf antwortete, können Sie in obigem Video in vollständiger Länge hören und sehen.

Das vollständige E-Book „Als der Mensch die Bäume verstand“ mit dieser und weiteren neuen märchenhaften Weisheitsgeschichten von Karlheinz Schudt, erschienen im Troubadour-Verlag Vlotho, finden Sie hier: http://klickjetzt.de/baeume

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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Märchen und Geschichten vom Schlüssel des Herzens

Märchen und Geschichten

Märchen vom Schlüssel des Herzens

Vor Anbeginn der Zeit war nur das große Lebensprinzip, das die Menschen Gott nannten. Das war für Gott mit der Zeit einfach zu langweilig. Daher schuf er die ersten Wesen, um mit ihnen spielen zu können. Aber die kannten ihre Herkunft und fanden die Welt uninteressant und gingen den Weg schnell zurück zu Gott.

Schließlich berief Gott eine Konferenz aller Götter ein, die er eigens dazu geschaffen hatte, damit sie ihm bei der Regierung der Welt ein wenig zur Hand gingen. Sie schlugen ihm nun vor, den Himmel einfach abzuschließen und den Schlüssel gut zu verstecken. Aber wo?

Die menschlichen Wesen, die nun die Erde bevölkerten, waren sehr intelligent und würden ihn sicher überall suchen: in den Weltmeeren, wo das Wasser am tiefsten ist, auf der Spitze der höchsten Berge, ja sogar auf dem Mond. Jeder empfahl etwas anderes. 

Dann schüttelte Gott den Kopf und sprach: „Nein, keiner eurer Vorschläge ist brauchbar. Der Mensch wird auf Dauer jeden Winkel des Universums auskundschaften. Jede Entfernung im Raum wird er zurücklegen“. Alles schwieg betreten aber schließlich rief Gott aus: „Ich hab’s! Jetzt weiß ich, wo der Mensch den goldenen Himmelschlüssel nicht so schnell finden wird!

Nicht zu früh und nicht zu spät – aber dennoch zur rechten Zeit. In seinem Herzen selbst werde ich den Himmelsschlüssel verbergen und der Mensch wird ihn nur entdecken können, wenn er immer tiefer nach innen geht“.

Seit dieser Zeit beobachtet Gott den Menschen, wie er bei seiner Suche vorangeht und wartet geduldig, bis er wieder zu IHM zurückkehrt und sich mit IHM verbindet.

Weisheitsgeschichte

Tanken Sie einfach innere Sonnenstrahlen!

Tanken Sie einfach wieder innere Sonnenstrahlen! Dabei können Märchen und Lehrgeschichten helfen. Sie wurden in früheren Zeiten Erwachsenen erzählt und haben bis heute – Dank der Kinder – überlebt. Denn sie können noch staunen und sich für Dinge begeistern, die nur mit dem Herzen erfahrbar sind. Deshalb nehmen sie auch die einfache Weisheit der Märchen ganz intuitiv auf – schließlich gehen die echten Märchen trotz aller Widrigkeiten immer gut aus und zeigen selbst in schwierigen Lebenssituationen ungewöhnliche Lösungen auf.

Besonders an unfreundlichen, verregneten und kalten Tagen ist Zeit für Märchen, jene weisheitsvollen und entspannenden Geschichten, die schon seit Jahrhunderten Erwachsene und Kinder immer wieder aufs Neue erfreut haben. In diesen düsteren Tagen bringen sie den Menschen „innere Sonnenstrahlen“, um sie ausreichend mit Herzenswärme, Vertrauen und Zuversicht zu versorgen.

Denken Sie also beim nächsten Mal daran! Machen Sie gerade Ihre düsteren Tage zu Ruhe-Momenten, in denen Sie Ihren inneren „Akku“, Ihre innere „Tankstelle“ mit den weisheitsvollen und mutmachenden Botschaften der Märchen auftanken! Sie werden sehen, das Leben wird dadurch leichter und noch erfüllter.

Es genügt, wenn Sie einfach ein echtes Volksmärchen lesen (sehr geeigent die Märchen der Brüder Grimm oder die Volksmärchen der Welt) und sich dabei bildhaft und farbenprächtig das vorstellen, was Sie gerade lesen. Noch besser wäre, Sie fühlen sich in jede Situation des Märchens bzw. des Märchenhelden oder der Märchenheldin beim Lesen hinein und empfinden mit ihm/ihr mit. Ich garantiere Ihnen, das wirkt nach einer gewissen Zeit der Regelmäßigkeit wahre Wunder und ist durchaus Balsam für die Seele.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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Wo ist der Himmelsschluessel versteckt?

Himmelsschluessel

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“

Sicherlich kennen Sie diese Weisheit aus dem Volksmund. Aber was ist dran an dieser Aussage und vor allen Dingen, wie nahe liegt das „Gute“? Vielleicht kann uns folgende Weisheitsgeschichte etwas zur Aufklärung verhelfen:

Eine Himmelsschluessel Geschichte

Zu Beginn aller Zeiten war Gott – und Gott war All-Ein. Das war IHM mit der Zeit einfach zu langweilig und ER schuf aus sich heraus die ersten Wesen, um mit ihnen zu spielen und sich selbst kennen zu lernen. Aber diese Wesen kannten ihren Ursprung und fanden die Welt keineswegs interessant. So kehrten sie zu Gott zurück.

Das allerdings war nicht Sinn der Sache und so berief Gott eine Konferenz aller Götter ein, die er eigens dafür geschaffen hatte, damit sie ihm bei der Regierung der Welt ein wenig zur Hand gingen. Sie schlugen ihm nun vor, den Himmel einfach abzuschließen und den Schlüssel gut zu verstecken. Aber wo? Die menschlichen Wesen, die nun die Erde bevölkerten, waren sehr intelligent und würden den Schlüssel sicher überall suchen: in den Weltmeeren, auf der Spitze der höchsten Berge, ja sogar auf dem Mond. Jeder empfahl IHM etwas anderes.

“Nein, keiner eurer Vorschläge ist brauchbar“, tönte Gott, „der Mensch wird auf Dauer jeden Winkel des Universums entdecken. Jede Entfernung im Raum wird er zurücklegen”. Nach einer Zeit des betretenen Schweigens rief Gott schließlich aus: “Ich hab’s! Jetzt weiß ich, wo der Mensch den goldenen Himmelschlüssel nicht so schnell finden wird! In seinem eigenen Herzen werde ich den Himmelsschlüssel verbergen und der Mensch wird ihn nur entdecken können, wenn er immer tiefer nach innen geht”.

Und so geschah es auch. Seit dieser Zeit beobachtet Gott den Menschen, wie er bei seiner Suche vorangeht und wartet geduldig, bis er wieder zu IHM zurückkehrt und sich mit IHM verbindet.

Nach einer alten Lehrgeschichte

Es gibt viele Wege, nach Innen zu gehen aber nur einen einzigen, der auch zum Ziel führt! Aber welcher?

Ganz einfach – der ureigene Weg selbst!

Aber meist werden wir getrieben von unseren Sorgen, dem Alltags-Stress und den damit zusammenhängenden Verpflichtungen und es ist nicht immer einfach, Zeit und Muße zu finden, wieder auf die „eigene Spur“ zu kommen, da nicht wir unseren Alltag bestimmen, sondern der Alltag uns. Wir sind viel mehr mit unseren vielen Ablenkungen beschäftigt und den „gutgemeinten“ Ratschlägen anderer, als mit dem eigentlich Wesentlichen in unserem Leben.

Vielleicht hilft Ihnen beim Finden oder Bejahen Ihres ureigenen Wegs eine kleine Auszeit von nur wenigen Tagen. Begleiten Sie uns doch etwas auf unserer märchenhaften Pilgerreise. Wo, wann und wie so eine (Pilger-)Reise in Deutschland aussehen kann, erfahren Sie in unserem Blog-Beitrag.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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Was ist Glück, was ist Unglück?

Glück, Unglück

Im alten China lebte einst ein armer alter Bauer, dessen einziger Besitz ein wundervoller und kräftiger Hengst war. Eines Tages wollte der Kaiser dieses schöne Pferd für viel Geld kaufen, doch der Bauer antwortet nur: „Mir fehlt es an nichts. Einen Freund verkauft man nicht.“
 
Die Dorfbewohner lachten über soviel Dummheit. Wie konnte der Alte bloß wegen eines Pferdes soviel Reichtum und Glück ausschlagen? Eines Morgens war das Pferd davongelaufen. Die Dorfbewohner liefen aufgeregt zusammen, um das Unglück des Bauern zu beklagen: „Ach, das Unglück hat dich schwer getroffen.“ Der alte Bauer blickte ruhig in die Runde, nickte bedächtig und sagte: „Vielleicht ist es ein Unglück, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon?“ Kopfschüttelnd gingen die Leute auseinander. Der Alte musste verrückt geworden sein.
 
Wenige Tage später stürmte der vermisste Hengst laut wiehernd die Dorfstraße entlang, gefolgt von sechs wunderschönen wilden Stuten, die ihm in die Koppel neben dem leeren Stall folgten. „Du glücklicher Bauer“, riefen da die Dorfbewohner! „Jetzt hast du sieben Pferde und bist doch noch reich geworden. Bald wirst Du jede Menge Fohlen haben. Du musst nun ein glücklicher Mann sein!“ Der Alte schaute gelassen in die aufgeregte Menge und sprach: Vielleicht ist es ein Glück, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon?“

Der alte Bauer hatte einen einzigen Sohn. Er begann die Wildpferde zu zähmen und stürzte eines Tages beim Zureiten vom Pferd. Dabei brach er sich beide Beine und konnte Zeit seines Lebens nur noch humpeln. Wieder versammelten sich die Leute vor dem Haus des Alten. „O du armer, unglücklicher Mann!“ jammerten sie, „Dein einziger Sohn ist nun ein hilfloser Krüppel und kann dir keine große Hilfe mehr im Alter sein“.  Abermals schaute der Alte in die Runde und antwortete: „Ihr könnt nur urteilen und seht die Welt entweder schwarz oder weiß. Vielleicht ist es ein Unglück, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon?“

Einige Zeit später wollte der Kaiser einen Krieg gegen sein Nachbarland führen. Alle jungen Männer wurden zwangsweise zu Soldaten eingezogen, obwohl alle wussten, dass die meisten Männer aus diesem blutigen Krieg nicht mehr zurückkommen würden. Wieder einmal liefen die Dorfbewohner vor dem Haus des alten Bauern zusammen: „Wie recht du doch hattest. Jetzt bringt dein verkrüppelter Sohn dir doch noch Glück. Wir sehen unsere Söhne bestimmt nie wieder, wenn sie erst einmal im Krieg gefallen sind.“

Lange redeten die Dorfbewohner aufgeregt unter sich weiter und schließlich wandten sie sich wieder an den alten Bauern und sprachen: „Du bist so ein weiser Mann. Wir möchten dich als Bürgermeister haben.“ Der Alte schaute nachdenklich in die Gesichter der Leute, dann erwiderte er: „Wenn ich euch nur helfen könnte, weiter und tiefer zu blicken, als ihr es bisher tatet. Niemand von uns weiß, wie sich das große Bild der Schöpfung zusammensetzt. Was eben noch wie ein großes Unglück scheint, mag sich im nächsten Moment als Glück erweisen.

Ihr wollt mich als Bürgermeister haben? Nun, vielleicht ist es ein Glück, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon? Geht nach Hause und freut euch über jeden Moment des Lebens, der euch geschenkt wird.“ Nachdem der Alte seine letzten Worte gesprochen hatte, drehte er sich um und ging in sein Haus.

Ob er Bürgermeister wurde, ich weiß es nicht, was glaubt Ihr???

Nach einer alten taoistischen Parabel,
bearbeitet von Karlheinz Schudt

Könnten wir jemals das Licht schätzen,
wenn es keine Dunkelheit gäbe?

Der Mensch verbringt sein ganzes Leben lang in dieser Polarität und je mehr er sich der einen Seite zuwendet, desto massiver kommt die andere. Das ist wohl das „Prinzip des schöpferischen Ausgleichs“. Hierbei geht es nicht um „Göttliche Bestrafung“, „Himmel und Hölle“, „Karma“ oder was man sich sonst noch an dogmatischen Weltbildern geschaffen hat.

Das schöpferische Prinzip strebt von Natur aus immer einen Ausgleich an. Es kennt kein „Gut“ oder „Böse“ sondern ist nur darauf bedacht, im Gleichgewicht zu sein. Was für den einen als „Gut“ erscheinen mag, ist für den anderen abgrundtief „Böse“.

Weise wird wohl der Mensch sein, der es versteht, die Goldene Mitte zu finden und immer weniger sein Leben nach „Glück“ und „Unglück“ oder „Licht“ und „Dunkelheit“ aufzuteilen, sondern in allen Dingen einen Sinn und eine Stufe zur eigenen Entwicklung und folglich auch zur Entwicklung der gesamten Menschheit zu sehen, auch wenn diese Sicht- und Lebensweise zuweilen mehr als schwierig scheint und mit Passivität nichts zu tun hat.

Höhen und Tiefen wechseln sich ab!

In den typischen klassischen Märchen wird das Ergebnis dieser Entwicklung durch Höhen und Tiefen am Ende immer durch die Vereinigung von Liebe und Weisheit, durch Hochzeit und Krönung ausgedrückt. Selbstverständlich geht es da um die innere Vereinigung oder „Himmlische Hochzeit“, also auch um die Integration oder Versöhnung mit all jenen sogenannten „Untaten“, die man an sich selbst UND an anderen nicht ausstehen konnte (oder kann).

Körper, Seele und Geist „wissen“ sehr wohl, was „gut“ für sie ist!

Schließlich kann man ja nur ganz und heil sein, wenn man alle „Seiten“ in sich vereint und sinnvoll für alle nutzt. Denn wenn wir z. B. als Mensch kein x-beliebiges Zufallsprodukt irgendeiner Laune der Natur sind, dann wird sich doch die „Vollkommene Schöpfung“ etwas dabei „gedacht“ haben, uns so zu kreieren, wie wir sind? Also vollkommen (nicht perfekt) und somit wäre es viel sinnvoller, uns selbst zu entdecken in unserer wahren und einfachen Natürlichkeit, als nach immer neuen künstlichen Wegen und komplizierten Methoden zu suchen, uns zu verwirklichen.

Als ob Körper, Seele und Geist nicht selbst „wüssten“, was „gut“ für sie ist. Lauschen wir also nach innen, bewegen wir es in unserem Herzen, anstatt uns durch starre Regeln, unnatürliche Übungen und Dogmen noch mehr zu entfremden.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter