Volksmärchen – woher stammen und wie alt sind sie?

Das Tor ins Märchenland

Die Frage „Woher die Märchen stammen und wie alt sie sind“, ist bis heute nicht geklärt und sie erschöpft sich in verschiedensten Theorien und Mutmaßungen. Die einen behaupten, die Volksmärchen stammen aus vorchristlicher Zeit und haben ihren Ursprung in den alten Mythen, andere meinen, sie sind noch gar nicht so alt und stammen, so wie sie sich in Form und Aussage zeigen, bestenfalls aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wieder andere versuchen mit allen möglichen und unmöglichen Argumenten die Märchen mit historischen Begebenheiten in Zusammenhang zu bringen.

Volksmärchen haben keine feststellbaren Autoren

Nun, vielleicht mag an allem etwas dran sein, sicher ist nur, dass die alten Volksmärchen keine feststellbaren Urheber haben und in früheren Zeiten auch nur mündlich weitergegeben, bevor sie dann in Büchern niedergeschrieben wurden.

Zur Entstehung der Märchen äußerte sich einmal Hermann Grimm, der Sohn des Märchensammlers Wilhelm Grimm:

„Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit hinaufreichenden Glaubens, der sich in bildlicher Auffassung übersinnlicher Dinge ausspricht.“

Volksmärchen – übersinnliche Wahrnehmung?

Was nun Hermann Grimm als Ausdruck übersinnlicher Wahrnehmungen in den Volksmärchen sah, umschrieb der Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, Carl Gustav Jung, mit Archetypen, jenen menschlichen Urerfahrungen, die sich in Seelenbildern seit Urzeiten in Mythen und Märchen bei allen Völkern der Welt ausdrücken und von denen unsere Träume immer wieder künden.

Volksmärchen – Archetypen, Bilder, Visionen?

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, sieht die Volksmärchen ähnlich. Seinen Forschungen nach zu urteilen, benutzten die Menschen in früheren Zeiten noch ihre Fähigkeit, in einer Art hellseherischem Zustand, der vergleichbar war mit dem Zustand zwischen Wachen und Schlafen, Bilder und Visionen zu schauen, die dann in Märchen und Mythen ihren Ausdruck fanden. So waren diese weniger für Kinder, sondern mehr für Erwachsene gedacht.

Ob nun menschliche Urerfahrung, übersinnliche Wahrnehmung oder Hellsichtigkeit, wissenschaftlich feststellbar ist die Quelle der Märchen bis heute offenbar nicht. Welch Glück für das Märchen selbst, denn durch diesen Umstand konnte es sich bis in heutige Zeit seinen Zauber, sein Geheimnis und nicht zuletzt seine Attraktivität bewahren.

Mit unserer kindlichen Seele das Geheimnis lüften!

Nicht zuletzt aber auch durch all die vielen Kinder, die dem Märchen trotz aller ideologischen Vereinnahmungen, pädagogischen Angriffe, wissenschaftlichen und historischen Zerreißproben bis heute die Treue gehalten haben. Vielleicht wäre hier wieder – besonders für uns Erwachsene – der „goldene Schlüssel“ zu den Quellen der Märchen zu finden, nämlich in unserer eigenen kindlichen Seele. Diese kann noch staunen und sich für Dinge begeistern, die jenseits unseres meist verkopften Verstandesdenkens liegen, keinesfalls aber der Realität entbehren.

„Die Dinge, die wir sehen, sind dieselben Dinge, die in uns sind. Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben. Darum leben die meisten Menschen so unwirklich, weil sie die Bilder außerhalb für das Wirkliche halten und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Worte kommen lassen. Man kann glücklich dabei sein. Aber wenn man einmal das andere weiß, dann hat man die Wahl nicht mehr, den Weg der meisten zu gehen.“
Zitat von
Hermann Hesse

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine märchenhafte Zeit und sollten Sie den tiefen Wunsch verspüren, als Märchenerzähler (in) oder Geschichtenerzähler (in) mehr Vertrauen, Mitgefühl und Zuversicht in die Welt und unter die Menschen bringen zu wollen, dann zögern Sie nicht lange. Sie könnten gleich hier und heute damit beginnen!

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© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Der Himmel stürzt ein – ein Märchen

Der Himmel stürzt ein - ein MärchenEin großer Samurai hatte über die Jahre hinweg in unzähligen Kriegen schon viele Kämpfe für seinen Herren gewonnen. Nun aber verlor er seinen ersten Kampf. Gedemütigt, voller Zorn gegen sich selbst und den Rest der Welt, wollte er seinem nun nichtswürdigen Leben ein Ende bereiten.

Er ritt die staubige Landstraße entlang, darüber nachsinnend, wie er sich nun am grausamsten und auffälligsten ins Jenseits befördern könnte. Plötzlich lag vor ihm auf der Straße ein kleiner Spatz auf dem Rücken und streckte seine beiden Füßchen zum Himmel. Der Samurai, in seinem Denken gestört, hielt an und schrie den Spatz an: „Geh mir aus dem Weg, du nichtswürdiges Federvieh!“

Der Spatz aber entgegnete ganz keck: „Nein, das werde ich nicht tun. Ich habe eine große Aufgabe zu verrichten.“ Ganz überrascht und erstaunt über die selbstbewusste Antwort des Spatzen, stieg der Samurai von seinem Pferd ab, beugte sich zu dem Spatzen hinunter und sprach:

„Sage mir, was ist denn so wichtig, dass du mir den Weg nicht freimachen willst?“
„Oh“, sagte der Spatz, „man hat mir gesagt, dass heute der Himmel auf die Erde fallen wird, und da liege ich nun, um ihn mit meinen Füßen aufzufangen.“

Als dies der Samurai hörte, da fing er an zu lachen und konnte beinahe nicht mehr aufhören. Und er rief prustend: „Was, du kleines Federknäulchen willst mit Deinen dürren Beinchen den Himmel auffangen?“ Der kleine Spatz erwiderte ganz ruhig und klar: „Tja, man tut was man kann!“

(Nach einer alten Japanischen Lehrgeschichte.
Bearbeitet von Karlheinz Schudt.)

Mit Märchen aus der Krise!

Die Welt scheint voller Krisen zu sein – wohin das Auge blickt. Ob wir jemals in der Menschheitsgeschichte ein Zeitalter hatten, in dem es mehr oder weniger Krisen gab, beruht auf Spekulationen und dem Glauben an die Wahrhaftigkeit unserer Geschichtsschreiber. Hinzu kommt, dass in der Neuzeit die Wichtigkeit einer Krise durch die weltumspannende und häufig einseitige und emotionale Berichterstattung der Medien je nach deren gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Ausrichtung dramatisiert oder heruntergespielt wird.

Doch welchen Sinn haben Krisen für die Menschen? Sind es jene „Strafen“, die der „liebe Gott“ als Konsequenzen für die Dummheiten seiner menschlichen Schöpfungen vorgesehen hat? Gibt es überhaupt einen „strafenden Gott“ oder sind diese Konsequenzen in Wahrheit „Wegweiser“, um endlich für die wahre Lebensaufgabe und das ureigene Lebensziel wach zu werden, anstatt die Dummheiten von „Gestern“ in einem „neuen Kleid“ zu wiederholen?

Mit Märchen über den eigenen „Tellerrand“ schauen!

In jeder Krise scheint alles Erreichte zusammenzubrechen. Große Hochachtung vor diesem unscheinbaren, kleinen Tierchen, das sich durch nichts von seinem Ziel abbringen lässt. Entgegen der Einschüchterungs-Versuche des arroganten Samurais, glaubt der Spatz noch an die Verwirklichung seiner Aufgabe – die Welt zu retten.

Aber mal ehrlich! Kennen wir nicht irgendwie diesen Samurai? Ist er nicht mit unserem Verstand verwandt, der gemäß seiner Natur nur das gelten lässt, was seiner althergebrachten Glaubens-Vorstellung und seinen eintrainierten Mustern entspricht? Wenn es mal nicht so läuft, wie es vorgesehen ist, dann zweifelt er, flüchtet vor sich selbst oder sucht die Schuld für die eigene Misere bei anderen.

„Ja, aber“ – werden Sie vielleicht denken, „ein Spatz, der den Himmel auffängt? Das ist doch unmöglich!“ Richtig! Aber haben Sie schon einmal gesehen, dass der Himmel auf die Erde fällt? Oder, dass ein Samurai mit einem Spatzen spricht?? Oder, dass ein Spatz überhaupt spricht???

Märchen führen nach Innen und vermitteln Zuversicht!

Offenbar geht es um viel tiefere Prozesse, die vor allem das Märchen aber auch viele Weisheitsgeschichten in Seelenbildern schildern. Wie in den Märchen, insbesonders den Volksmärchen, gibt es Situationen, in denen der Märchenheld bzw. die -heldin eine undurchführbare Aufgabe bewältigen muss. Im Märchen vom „Trommler“, gesammelt von den Brüdern Grimm, muss er mit einem Fingerhut vor Einbruch der Dunkelheit einen See ausschöpfen. Schafft er wohl diese Aufgabe? Na klar – im Märchen ist alles möglich. Aber wie ist es in der sogenannten Realität?

Wenn die Märchen oder Märchen Bilder tatsächlich Ausdruck einer „inneren Realität“ sind, dann sind sie doch auch verwandt mit unserer „äußeren Realität“, denn schließlich entsteht jede Idee, jeder Verwirklichungs-Gedanke, jede Lösung immer im Inneren. Folglich muss in dieser Situation auch eine Lösung des Problems oder der Krise liegen.

schlafenWas tut der Märchenheld in Anbetracht einer unlösbaren Aufgabe? Er setzt sich ans Ufer, trägt sein Schicksal und beginnt, Fingerhut um Fingerhut den See auszuschöpfen – trotz der scheinbaren Unmöglichkeit seines Unterfangens. Aber was geschieht? Es erscheint eine weise Frau, schlägt ihm vor, er solle sich doch schlafen legen, und als er wieder aufwacht, ist der ganze See ausgeschöpft.

Märchen führen in die innere Ruhe und entschleunigen,
denn aus der Ruhe wächst Kraft und Inspiration!

Wird hier nicht deutlich, dass ein Problem, eine schwerwiegende Krise gar nicht mehr äußerlich zu lösen ist? Im Gegenteil, je massiver und wütender ich mich mit aller Gewalt gegen ein auftretendes Problem stelle, desto massiver, unkontrollierter und gefährlicher wird es sich entwickeln und mich gerade dort überraschen, wo ich es nicht unbedingt erwarte.

Märchen fördern das Mitgefühl und die Kreativität!

Glauben Sie, dass der Spatz es schaffen wird? Natürlich, denn er ist voller Liebe, Hingabe und Vertrauen in das Gelingen seines Vorhabens zum Wohle der ganzen Erde. Und er ist frei von Angst, Vorurteil, Hochmut und Arroganz. Mit solchen Eigenschaften stehen ihm alle verfügbaren „himmlischen Kräfte“ bei.

Jede Krise ist ein „Sprungbrett“ in ein noch erfüllteres Leben. Um so wacher und offener sich ein Mensch in solchen Schwellensituationen für seine Mitmenschen, seine Umwelt und Innenwelt zeigt, desto größer ist die Hilfe, die ihm zuteil wird. Je früher er dies erkennt, desto eher wird er sein Leben darauf ausrichten. Er wird sich in schwierigen Situationen mit seinen inneren und äußeren Helfern verbinden können und voller Kreativität und Zuversicht sein Leben meistern.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Märchen Erzählen lernen: MärchenerzählerIn Ausbildung

Märchen Erzählen lernen

Auf einem Spaziergang fragte mich einst meine kleine Tochter: „Papa, kann denn der Regenbogen sprechen?“ Während ich über diese Frage nachdachte, fing doch der Regenbogen an, meiner Tochter die schönsten Märchen und Geschichten zu erzählen.

Wir kommen mit einem halb- oder ganztägigen WORKSHOP (oder Vortrag)
direkt zu Ihnen in IHRE EINRICHTUNG, ganz egal, wo Sie in Deutschland sind:

>>> http://klickjetzt.de/maerchenworkshop

Oder Sie kommen zu uns nach Vlotho zum nächstmöglichen Wochenende in das EINFÜHRUNGS-SEMINAR der Geschichten- und MärchenerzählerIn-Ausbildung.

Im Einführungs-Seminar werden Sie erleben …

>>> wie Sie frei und natürlich vor Kindern und Erwachsenen Märchen Erzählen können,
>>> wie Sie die Märchen in Pädagogik, Kunst und Beruf einsetzen können,
>>> wie Sie selbst die Lebens-Geheimnisse hinter den Märchen entdecken,
>>> wie diese Geheimnisse im Alltag zu mehr Glück angewandt werden können,
>>> wie die 7 Urbilder des Märchen und des Lebens wirken und was sie sind,
>>> wie Sie mit dem Märchen Erzählen sich und andere Menschen beglücken können,
>>> wie Sie als MärchenerzählerIn neben- oder hauptberuflich tätig sein können.

Dieses Geschichten und Märchen Seminar verpflichtet Sie zu nichts Weiterem! Für die Teilnahme an diesem Wochen-End-Seminar sind auch keine weiteren Voraussetzungen nötig. Es genügt die Liebe zu Märchen und Geschichten und die Freude oder Herausforderung am freien, natürlichen Erzählen vor anderen Menschen.

Freies und lebendiges Sprechen von Märchen, Geschichten UND Vorträgen!

Vor einiger Zeit erzählte mir eine Seminarteilnehmerin, dass Sie getreu der lebendigen Bild-Stimmungs-Lernmethode während des Märchen-Wochenendes einen Vortrag verinnerlicht und diesen frei und erfolgreich vor Publikum gehalten habe.

Klar, was bei Märchen funktioniert, geht natürlich auch bei Geschichten (Alltagsgeschichten, Kindergeschichten, Weisheits- und Biblische Geschichten, etc.), und was u. a. dieses Beispiel zeigt, auch bei frei gehaltenen Vorträgen jedweder Art.

Wenn Sie in den Genuss eines solchen Seminar-Wochenendes oder Workshops kommen und entdecken möchten, dass diese Art des freien Sprechens oder Erzählens vor anderen Menschen viel leichter zu erlernen ist, als man gemeinhin denkt, nämlich mit Freude, ohne Angst, natürlich und von Herzen, dann …

… werden Sie Märchenerzählerin oder Märchenerzähler! Mehr über
die 4 aufbauenden Module dieser ErzählerIn-Ausbildung finden Sie hier:

>>> http://www.maerchen-erzaehler.de <<<
märchenerzählenlernen

Glücklich leben – Märchen und Geschichten als innere Reisebegleiter

Glücklich leben

© aboutpixel.de, Konstantin Gastmann

Ein Kaufmann wollte von einem weisen Mann wissen, was das Geheimnis eines erfolgreichen und erfüllten Lebens sei. Da sagte der Weise: „Um glücklich leben zu können, mach jeden Tag einen Menschen glücklich!“ Als nachträglichen Gedanken fügte er noch hinzu: „…selbst wenn dieser Mensch Du selbst bist.“ Nur einen Augenblick später sagte er: „Vor allem, wenn dieser Mensch Du selbst bist!“

(nach einer alten orientalischen Lehrgeschichte)

Wie viele Menschen hasten ihr Leben lang dem Glück, der Liebe, dem Erfolg und der Gesundheit hinterher und bemerken nicht, dass diese wertvollen Lebensbereiche schon immer – egal wo sie sich befinden – in ihnen selbst sind!

Märchen und Lehrgeschichten geben einen tiefen Einblick in viele Kulturen der Menschheit. Jedes Märchen ist von der Kultur und der Mentalität des entsprechenden Landes geprägt und kann durchaus als kultureller Reiseführer dienen.

Märchen können aber noch viel mehr! Über alle kulturellen Eigenheiten setzt sich die tiefe Weisheit des Märchens hinweg und führt den Menschen zum Kern seines eigenen Wesens – in sein Herz!

Märchenbilder und -stimmungen sind Reisestationen auf dem Weg in die eigene, innere Seelenwelt. Erkunden Sie einmal Ihre inneren, märchenhaften Landschaften und staunen Sie über so manche spannende Überraschung und glückliche Verwandlung, die zu einem großartigen und unvergesslichen Erlebnis werden kann.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen

Mit offenen Augen durch die Welt gehen

offenen Augen

Mit offenen Augen durch die Welt

Wer mit offenen Augen durch die Welt wandert, kann unzählige Hinweise z. B. in der Natur, sinnbildliche „Tore“ und „Türen“ entdecken, dass es auch eine „Welt“ hinter den äußeren Dingen gibt, die weitaus mehr über uns selbst und das Geheimnis des Lebens erzählt, als wir gemeinhin glauben. Märchen und Weisheitsgeschichten sind ebenfalls „Tore“ und „Türen“, um auf einfache Weise die Welt und uns selbst besser zu begreifen und zu lieben.

Im Einführungs-Seminar in die Märchen-ErzählerInnen-Ausbildung erleben Sie, wie diese märchenbhaften „Tore“ und „Türen“ auch Ihr Leben bereichern und wie sie diese märchenhaften „Botschaften“ anderen Menschen frei erzählen können:

Für weitere Infos und Anmeldemöglichkeiten klicken Sie bitte folgenden Link:
>>> http://www.maerchen-erzaehler.de/einfuehrungsseminar

Und falls Sie schon zuhause damit beginnen möchten, wie man natürlich und von Herzen Märchen, Geschichten, oder Vorträge vor Publikum ohne Angst frei erzählen bzw. halten kann, dann klicken Sie hier:
>>> http://www.maerchen-erzaehler.de/lernprogramm

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
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Ein Märchenfest der schönsten Märchen und Geschichten

Passend zum 200. Jahr des erstmaligen Erscheinens der Grimmschen Märchen trafen sich am Wochenende vom 22. auf den 23. September 2012 auf dem Caterinenhof in Ehra-Lessien acht Märchenerzählerinnen und -erzähler, um Kinder und Erwachsene mit einer Fülle von zauberhaften und wundersamen Märchen und Geschichten zu erfreuen.

Als Märchenerzählerin ausgebildet

Ursprung für dieses Märchenfest sei ihre Ausbildung zur Märchenerzählerin in Vlotho gewesen, erzählte die Gastgeberin Caterina Kautz, die nun zum dritten Mal mit dieser märchenhaften Veranstaltung alle Altersgruppen einige Stunden lang in die Welt der Märchen eintauchen ließ, die nicht nur unterhielten und entspannten, sondern auch tiefste Lebensweiheiten vermittelten.

Der „Goldene Kugel“ Märchenparcours für Kinder

Zuerst kamen die Kinder in den Genuss des „Goldenen Kugel“ Märchenparcours mit dem Motto „Überwinde den Drachen und lasse Dich krönen“! Dabei galt es mit einer goldenen Kugel sieben Orte zu finden, die zum Versteck des Drachen führten. Mit viel Begeisterung und Kreativität konnten die ca. 100 Kinder schließlich den Drachen besiegen, sein Geheimnis lüften und wurden dann am Ende mit ihrer eigens gebastelten Krone zum König und zur Königin gekrönt.

Märchenabend für Erwachsene

Der Samstagabend gehörte schließlich den Erwachsenen. Bereits am späten Nachmittag tummelten sich zahlreiche Gäste im märchenhaften Garten des Caterinenhofs, um sich von den Rittern der Freien Wulfesburger Ritterschaft im Bogenschießen unterweisen zu lassen, das Körpertheater Carlotta zu bewundern, dem Harlekin Friederike Schiebenhöfer mit seinen heiteren Lebensweisheiten zuzuhören, einfühlsame und farbenprächtige Märchenbilder von Christine Winkel zu betrachten oder kunstvoll gefertigte Märchenwollebilder von Bärbel Siegroth zu bestaunen.

Mit Urvertrauen und Mitgefühl kommt jede(r) zum Lebensziel war dann das Motto des Märchenabends für Erwachsene. Jedes echte Märchen hat immer ein glückliches Ende und die Märchen-Protagonisten kommen jedesmal gestärkt, mit neuen Erkenntnissen und Chancen aus diesen Lebens-Prüfungen hervor. Wie das Glück und die Fülle letztendlich sich aber nur jenen zeigen, die mitfühlend und mit einer gehörigen Portion Urvertrauen sich auf den Weg machen, erlebten die ca. 100 erwachsenen Zuhörer an diesem Märchen-Abend. Eine ganz besondere Vielfalt von Geschichten und Märchen aus unterschiedlichen Kulturen bezauberte das Publikum an diesem Abend, die besinnlich, zum Schmunzeln und von Herzen frei von den anwesenden Märchenerzählerinnen und erzählern vorgetragen wurden.

Und zuguterletzt …

Auch die Natur machte keinen Hehl daraus, dass ihr dieser märchenhafte Tag besonders gefallen hat. So zeigte sich am Mittag ein wunderschöner Regenbogen am Himmel und der Sonnenuntergang am Abend ließ ebenfalls vermuten, dass sich auch die Sonne zufrieden in ihr Bett legte, wenngleich es dann doch noch einige unermüdliche gab, die diese märchenhafte Stimmung am Lagerfeuer ausklingen ließen.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
märchenerzählenlernen

Die Wahrheit kommt viel rum im Leben …

Wahrheit und das Märchen… weil fast jeder, der sie vor seiner Türe sieht, weiterschickt!

Dem Himmel sei Dank gibt es ja das Märchen! Und da das Märchen bei den Menschen sehr beliebt ist, hat es auch sogleich einen weisen Rat für die gute alte Wahrheit, damit diese endlich auch bei den Menschen gerne gehört wird.

Welchen? Hören Sie gut zu …

Die Wahrheit ging durch die Straßen ganz nackt, wie am Tag ihrer Geburt. Kein Mensch wollte sie in sein Haus einlassen. Jeder, der sie traf, flüchtete voller Angst vor ihr. Eines Tages ging die Wahrheit wieder in Gedanken versunken durch die Straßen. Sie war sehr betrübt und verbittert.  

Da begegnete sie dem Märchen. Das Märchen war geschmückt mit herrlichen, prächtigen und vielfarbigen Kleidern, die jedes Auge und jedes Herz entzückten. Da fragte das Märchen die Wahrheit: “Sage mir, geehrte Freundin, warum bist du so bedrückt und drehst dich auf den Straßen so betrübt herum?” Da antwortete ihm die Wahrheit:  

“Es geht mir sehr schlecht. Ich bin alt und betagt und kein Mensch will mich kennen.” Hierauf erwiderte ihr das Märchen: “Nicht weil du alt bist, lieben dich die Menschen nicht. Auch ich bin sehr alt, und je älter ich werde, desto mehr lieben mich die Menschen. Siehe, ich will dir das Geheimnis enthüllen: Sie lieben es, dass jeder geschmückt ist und sich ein wenig verkleidet. Ich werde dir solche Kleider borgen, mit denen ich angezogen bin, und du wirst sehen, dass die Leute auch dich lieben werden.”  

Die Wahrheit befolgte diesen Rat und schmückte sich mit den Kleidern des Märchens. Seit damals gehen Wahrheit und Märchen zusammen, und beide sind bei den Menschen beliebt.

Jüdische Geschichte

Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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