Fundevogel. Ein Märchen. Oder gemeinsam sind wir stark!

Fundevogel

„Es war einmal ein Förster, der ging in den Wald auf die Jagd, und wie er in den Wald kam, hörte er schreien, als ob’s ein kleines Kind wäre. Er ging dem Schreien nach und kam endlich zu einem hohen Baum, und oben darauf saß ein kleines Kind.“ …

Das ganze Märchen vom Fundevogel (KHM 51) aus der Sammlung
der Brüder Grimm von 1857 finden Sie mit einem Klick >>> H I E R <<<.

Wie immer verblüffen uns die wundersamen Geschehnisse in den Märchen, denen unser Verstand keinen Glauben schenken kann. Wie soll er auch, denn es liegt nicht in seinem Aufgabenbereich. Er ist mehr für das Erinnern, Strukturieren und Organisieren zuständig, aber nicht um intuitive Lösungen im Leben zu finden.

Vom Flüchten und Verdrängen,
von Chancen und Möglichkeiten!

Auch dieses Märchen zeigt uns keine historischen Figuren, sondern schildert sinnbildlich seelisch-spirituelle Prozesse, die sich in uns abspielen und die auf verdrängte oder ungelöste Geschehnisse, aber auch großartige Fähigkeiten und Möglichkeiten in unserem Inneren hinweisen.

Wenn ein Mensch seine Probleme nicht lösen kann oder will, dann flüchtet er vor ihnen oder verdrängt sie, was am Ende auf dasselbe hinausläuft. Doch flüchten oder verdrängen bedeutet, dass die Schwierigkeiten keinesfalls behoben sind und meist in kurzer Zeit wieder auftauchen werden, womöglich sogar noch massiver.

Fundevogel – Nur gemeinsam sind wir stark!

Und so finden wir unter anderem in diesem Märchen vom Fundevogel ein schönes Sinnbild, das uns zeigt, zu welchen Lösungsmöglichkeiten Verstand und Intuition gemeinsam imstande wären, wenn sie sich vereinen könnten.

Diese Verbundenheit wird in dem Sprüchlein „Verlässt Du mich nicht, so verlass ich Dich auch nicht“. „Nun und nimmermehr“, immer wieder von Neuem bekräftigt. Jener Spruch aber ist mehr als eine routinemäßige Bekundung zwischen „Tür und Angel“. Es ist ein lebenslanges Versprechen, eine tiefe Bejahung der eigenen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Einzigartigkeit und selbstverständlich die des anderen.

Dies kann aber nur von Erfolg gekrönt sein, wenn sich beide in Liebe vereinen. Nur so können sich ihre Kräfte ergänzen und entfalten. Denn wer sich der Liebe hingegeben hat, der kämpft nicht gegen einen vermeintlichen Feind, sondern für sein höchstes Lebensziel. Er richtet sein Augenmerk auf das, was es wahrhaftig gilt zu bewahren, zu erneuern und zu verwirklichen auf dem Weg zum Glück: die Liebe und Weisheit.

Was das Märchen vom Fundevogel noch alles an tiefen Weisheiten offenbaren kann und wie dies ganz praktisch für einen erfüllteren und glücklicheren Alltag angewandt werden kann, erfahren Sie im Verlag Märchenhaft leben erscheinenden Betrachtungs-Büchlein mit Meditations-CD zur Selbstbetrachtung.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Fundevogel - Nur die Liebe macht uns stark

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreibenSie kennen sicherlich das Märchen vom Rotkäppchen!? Bestimmt, es ist jenes Märchen aus der Grimmschen Sammlung (KHM 26 von 1857), das wohl am bekanntesten ist, aber dessen Inhalt bis zur heutigen Zeit auch schon unzählige Male verdreht, verändert, missbraucht oder verstümmelt wurde.

„Ach, wie war ich erschrocken,
wie war’s so dunkel in dem Wolf seinem Leib!“

Die meisten Menschen, die glauben, das Märchen vom Rotkäppchen zu kennen, erinnern sich vielleicht noch an den vermeintlichen Schluss, als Rotkäppchen sagte: „Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir’s die Mutter verboten hat.“

Ein Schluss, wie er für Moralpädagogen nicht besser im Buche stehen könnte, zumindest wenn man das Märchen mit den moralischen, historischen oder den äußeren „Augen“ betrachtet. Mit anderen Worten könnte das ja heißen, „Wenn Du alles tust, was Deine Mutter oder die wie auch immer geartete Obrigkeit Dir sagt, dann wird es schon seine Richtigkeit haben“.

Daher lässt man auch den eigentlichen Schluss dieses Märchens gerne weg, der – sofern man sich überhaupt noch daran erinnert – auf etwas hinweist, was man nicht gerne hört. Der 1. Wolf wurde dank der Wachheit des „Jägers“ besiegt aber nun kommt ein 2. Wolf ins Spiel bzw. ins Märchen.

Aber lesen Sie zunächst selbst das ganze Märchen im Original:
>>> Rotkäppchen, Brüder Grimm, KHM 26 aus der Fassung von 1857 <<<

Nachdem nun Rotkäppchen aus der Dunkelheit, aus dem Leib des Wolfes wieder ans Licht kam und der Wolf vernichtet war, wird es jetzt mit einem anderen Wolf konfrontiert, der aber im Grunde dieselben betrügerischen Mechanismen anwendet, wie sein Vorgänger.

Ja, es wird sogar so geschildert, als ob das, was im 1. Wolf lebte, seine Fortsetzung in diesem scheinbaren 2. Wolf findet. Doch diesmal gelingt es dem Rotkäppchen mit der Weisheit der nun wieder zu Kräften gekommenen Großmutter, den Wolf zu durchschauen und ihn aus eigenen Kräften unschädlich zu machen.

Licht und Dunkelheit gehören zum Leben

Wenn die Dunkelheit besiegt ist (z. B. in der Gestalt des Wolfes) oder das, was man gerne als das „Böse“ im Märchen bezeichnet, dann ist nur die Hülle vernichtet, nicht aber der Kern. Der nistet sich in Kürze und meist noch massiver, raffinierter und voller Täuschung dort ein, wo er nicht erkannt wird bzw. wo man ihn nicht vermutet. Offenbar gehört die Dunkelheit zum Leben dazu und ist, wie das Licht, ein notwendiger Bestandteil, damit der Mensch sich seiner allerinnersten Natur bewusst wird, anstatt sich von allerlei äußeren Ablenkungen noch weiter in die Irre führen zu lassen.

Und so können auch die heilsamen Märchenbilder, vorausgesetzt man betrachtet sie mit den inneren Augen, wesentliche Hinweise und Lösungen zeigen, wie wir mit all den inneren und äußeren Kräften, Herausforderungen und Widerständen so umgehen können, dass sie uns und allen Beteiligten wahrhaftig nutzen, anstatt unser Bewusstsein noch mehr zu vernebeln oder zu verdunkeln.

Gerade jetzt, wo gerne sehr einseitig, undifferenziert, höchst emotional, hasserfüllt und gewaltbereit auf politische, gesellschaftliche oder mitmenschliche Geschehnisse reagiert wird, wäre ein bewusstes, mehrere Blickwinkel einschließendes Betrachten bitter nötig, um die wahren Ursachen dahinter besser zu erkennen. Denn Dunkelheit, Hass, Gewalt, Angst und Ignoranz sind KEINE Resultate irgend eines Krieges. Sie verursachen ihn!

Und so möchte ich diesen Blog-Artikel mit einem Zitat von Martin Luther King beenden:

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben

„Streben wir nach Macht um der Macht willen? Oder sind wir bemüht, das Leben in der Welt und in unserer Nation zu verbessern; denn wenn wir danach streben, kann Gewalt niemals die Lösung bringen. Das größte Übel der Gewalt liegt darin, dass sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu verringern, vermehrt sie es. Durch Gewalt kann man den Hassenden ermorden, aber man tötet den Hass nicht. Gewalt verstärkt den Hass. Das sind Tatsachen. Gewalt mit Gewalt zu beantworten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben. Das kann nur das Licht. Hass kann Hass nicht vertreiben. Das kann nur die Liebe.“

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Betrachtung Märchen: Im Paradiesgarten der Frau Holle

Im Paradiesgarten der Frau Holle

Frau Holle ParadiesgartenNeuerscheinung „Im Paradiesgarten der Frau Holle“

Dass es sich bei der Figur der Frau Holle nicht um eine historische Person handelt, sondern um eine Art himmlische oder geistige Helferin, dürfte wohl jedem Menschen klar sein, der Märchen mit den inneren Augen sieht und mit dem Herzen hört. Diese seelisch-spirituellen Bilder der Märchen schildern wundervolle und für den Verstand unerklärliche Geschehnisse, die auf eine „höhere“ Ebene (Metaebene) der menschlichen Vorstellung führen.

Aber wie können diese Märchenbilder so entschlüsselt werden, damit sie im Alltag nützliche Helfer für unser Glück sind? Welche Hinweise kann uns Frau Holle geben, um selbst die schwierigsten Herausforderungen unseres Lebens konstruktiv zu meistern? Welches weisheitsvolle Lebensprinzip liegt allen Märchen zugrunde und wird doch immer wieder so unterschiedlich und variationsreich geschildert?

Erfüllende Märchenbetrachtung
und Anleitung zur Selbstbetrachtung

In dieser Märchenbetrachtung von Karlheinz Schudt inkl. einem Bild von Christine Winkel und einer Bilderreisen-CD zur Selbstbetrachtung werden Sie das Märchen der Frau Holle ganzheitlich erleben. Und noch viel mehr – denn wie Sie eine solche erfüllende Betrachtung zuhause und ganz individuell durchführen können, so dass die Märchenbilder nahezu von alleine zu Ihnen sprechen, erfahren Sie ebenfalls in dieser Broschüre und in der beiliegenden meditativen Hör-CD mit vom Autor angeleiteten Bilderreisen.

Kein Märchen kann vollständig erkundet werden, da es immer wieder neue Aspekte aufwirft. Es gibt auch keine allgemeingültige Deutung der Geschehnisse, die in den Märchen geschildert werden. Jeder Mensch sollte und wird, seinem Entwicklungsstand gemäß, einen eigenen Zugang zu diesen seelisch-spirituellen Bildern finden.

Daher kann und will diese Betrachtung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und sollte mehr eine Anregung sein, sich selbst und immer weiter mit den Märchen zu beschäftigen. Je öfter, je offener und mit Freude man sich diesen märchenhaften Geschichten widmet, desto mehr geben sie – wie von alleine – von ihrer einfachen und natürlichen Weisheit preis und lassen uns aus dem offenbaren Geheimnis schöpfen, das im Brunnen des Lebens jedem Menschen zugänglich ist.

Betrachte das Märchen!

Weitere Broschüren mit Betrachtungen zu den gesammelten Märchen der Brüder Grimm von Karlheinz Schudt inkl. Bilderreisen-CD zur Selbstbetrachtung werden in Kürze unter der Reihe „Betrachte das Märchen“ im Verlag Märchenhaft leben, Vlotho, erscheinen:

1. Frau Holle (KHM 24 aus der Sammlung von 1857).
2. Fundevogel (KHM 51 aus der Sammlung von 1857).
3. Rotkäppchen (KHM 26 aus der Sammlung von 1857).
4. Die Alte im Wald (KHM 123 aus der Sammlung von 1857).
5. Die Goldene Gans (KHM 64 aus der Sammlung von 1857).
6. Dornröschen (Märchen aus der Urfassung von 1810).
7. Rumpelstilzchen (KHM 55 aus der Sammlung von 1857).
8. Die Bienenkönigin (KHM 62 aus der Sammlung von 1857).
9. Die Kristallkugel (KHM 197 aus der Sammlung von 1857).
10. Der Froschkönig (KHM 1 aus der Sammlung von 1857).
11. Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren. (KHM 29 a. d. S. von 1857).
12. Das tapfere Schneiderlein (KHM 20 aus der Sammlung von 1857).

Sie möchten eine Kostprobe aus der Frau Holle Betrachtung?

Kein Problem! Klicken Sie einfach >>> HIER <<< und Sie werden einen kleinen Auszug aus dieser Märchen-Betrachtung erhalten.

Selbstverständlich können Sie gleich bestellen oder sich im >>> Märchenshop <<< näher über diese erfüllende Märchenbetrachtung informieren:

Frau Holle Paradiesgarten

Wie der Verstand auf die Nase fiel

verstandEinst betrat Nasrudin einen Laden. Da sprach der Inhaber des Ladens heimlich zu einem Kunden: „Das ist der dümmste Mensch der Welt! Ich werde es dir gleich beweisen!“ Er grüßte Nasrudin und hielt ihm seine beiden Hände entgegen. In der einen waren fünf Geldstücke und in der anderen nur zwei. Dann sprach er: „Nun, Nasrudin, willst du das Geld in dieser oder in jener Hand haben?“ Nasrudin überlegte nicht lange und ließ sich die zwei Geldstücke schenken. Dann verließ er den Laden. Der Kunde schaute ganz ungläubig und war sichtlich erstaunt über die vermeintlich unsinnige Handlung Nasrudins. Der Ladeninhaber aber lachte etwas gehässig und sprach: „Na, was habe ich dir gesagt? Dümmer gehts nicht!“

Als nun der Kunde den Laden verlassen hatte, da traf er zufällig Nasrudin, der gemütlich vor einem Teehaus saß und den köstlichsten Tee trank, den er sich für die zwei Geldstücke gekauft hatte. Noch immer ganz verwundert über die törichte Handlung Nasrudins, sprach er diesen an: „Sag einmal, Nasrudin, warum hast du denn nicht die fünf Geldstücke genommen, die dir angeboten wurden. Die sind doch viel mehr wert als nur zwei?“ Da lächelte Nasrudin gewitzt, trank noch genüsslich ein Schlücken Tee und sprach: „Hätte ich heute die fünf Geldstücke genommen, dann wäre das ganze Spiel vorbei gewesen und ich hätte meinen Tee selbst bezahlen müssen.“

Nach dem Motiv einer alten Lehrgeschichte,
neu erzählt von Karlheinz Schudt.

Mulla Nasrudin oder Till Eulenspiegel?
Von der Weisheit der Narren!

Mulla Nasrudin gehört ja zu jenen Gestalten des Orients, die durchaus etwas mit dem europäischen Till Eulenspiegel gemein haben. Sie führen gerne durch ihre für den menschlichen Verstand nicht nachvollziehbaren weisheitsvollen Handlungen (Eule) den Menschen ihre Eitelkeit, Oberflächlichkeit und Rechthaberei auf humorvolle Weise vor Augen (Spiegel).

Noch mehr von solchen Weisheits-Prozessen, die dem Verstand seine Grenzen aufzeigen, finden wir in den unterschiedlichsten Motiven der Märchen mit ihren seelisch-spirituellen Bildern. Ein besonders humorvolles Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm ist der rechthaberische „Meister Pfriem“, der im Himmel so seine Erfahrungen machten musste, wie beschränkt doch der menschliche Verstand ist.

Hier ein kleiner Auszug:

… Er ging weiter und sah einen Wagen, der in einem tiefen Loch steckengeblieben war. „Kein Wunder“, sprach er zu dem Mann, der dabeistand, „wer wird so unvernünftig aufladen? Was habt Ihr da?“

„Fromme Wünsche“, antwortete der Mann, „ich konnte damit nicht auf den rechten Weg kommen, aber ich habe den Wagen noch glücklich heraufgeschoben, und hier werden sie mich nicht steckenlassen.“ Wirklich kam ein Engel und spannte zwei Pferde vor.

„Ganz gut“, meinte Pfriem, „aber zwei Pferde bringen den Wagen nicht heraus, viere müssen wenigstens davor.“ Ein anderer Engel kam und führte noch zwei Pferde herbei, spannte sie aber nicht vorn, sondern hinten an.

Das war dem Meister Pfriem zuviel. „Tolpatsch“, brach er los, „was machst du da? Hat man je, solange die Welt steht, auf diese Weise einen Wagen herausgezogen? Da meinen sie aber, in ihrem dünkelhaften Übermut, alles besser zu wissen.“ Er wollte weiterreden, aber einer von den Himmelsbewohnern hatte ihn am Kragen gepackt und schob ihn mit unwiderstehlicher Gewalt hinaus. Unter der Pforte drehte der Meister noch einmal den Kopf nach dem Wagen und sah, wie er von vier Flügelpferden in die Höhe gehoben ward. …

Das vollständige Märchen finden Sie hier:
„Meister Pfriem“

Quadratisch oder rund? Verstand oder Intuition?
Was bevorzugen Sie?

Tja, so gehts im Alltag, wenn wir uns nur auf unseren Verstand verlassen. Der ist nämlich für Lösungen gänzlich unbrauchbar und kann nur das wiederkäuen, was er aus der Vergangenheit einmal gelernt hat. Situationsbedingte, gegenwartsbezogene Probleme aber, die weitaus mehr (höhere oder tiefere) Blickwinkel benötigen, Einfühlungsvermögen, Offenheit, Mut und Vertrauen erfordern, können wir aber nur mit unserem Allerinnersten lösen, unserer inneren Stimme, Intuition oder all den „Werkzeugen“, die aus eben jener „Verwandtschaft“ stammen.

Als MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn werden Sie mit diesen „Werkzeugen“ immer mehr in Berührung kommen und in der Lage sein, diese weisheitsvollen Märchen und Geschichten Kindern oder Erwachsenen frei zu erzählen. Sie werden ferner darüberhinaus noch entdecken, dass diese Berufung (als Hobby, Neben- oder Hauptberuf) sogar Ihre Intuition und Lebensfreude in kurzer Zeit steigern kann. Und diese haben zwangsläufig positive Auswirkungen auf Ihr Glück, Ihre Liebe, Ihren Erfolg und last but not least, auf Ihre Gesundheit!

Ein Versuch wäre es sicherlich wert 😉

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

 

Was eine sprechende weiße Taube mit himmlischer Inspiration zu tun hat

taubeIn der Sammlung der Brüder Grimm finden sich einige Märchen, in denen sprechende weiße Tauben vorkommen. Aber auch in biblischen Darstellungen wird die weiße Taube als Überbringerin himmlischer Botschaften dargestellt. Ob es sich dabei z. B. um das Märchen Aschenputtel, die Drei Sprachen oder die Weiße Taube handelt – immer spielen diese Vögel eine bedeutende Rolle, die meist mit einer Botschaft oder Nachricht an die Märchenheldin oder den Märchenhelden in Verbindung zu bringen sind.

In einer ganz einfachen Betrachtung über solche Märchenbilder entdecken die TeilnehmerInnen der Geschichten- und MärchenerzählerIn-Ausbildung, wie erfüllend es sein kann, nicht gleich irgendwelche in der Vergangenheit von berühmten Koryphäen geäußerten Aussagen oder Interpretationen über solche oder andere Symbole zu übernehmen. Viel wichtiger ist es, im eigenen INNEREN und ganz INDIVIDUELL diese seelisch-spirituellen Bilder zu entdecken und zu ERLEBEN, so dass sich das Geheimnis jener Botschaften einfach, natürlich und ganz von alleine offenbaren kann.

Himmlische Inspiration, die JEDEM Menschen zuteil werden kann

Es liegt doch nahe, dass es sich bei einer sprechenden weißen Taube wohl nicht um ein reelles Tier handelt. Zwar steht die besondere Fähigkeit eines solchen Tieres im Vordergrund. Und diese Fähigkeit wurde früher verwendet, um Botschaften über eine lange Strecke hinweg zu übermitteln. Noch heute kennen wir den Begriff „Brieftaube“. Die Taube kann also über große Distanzen hinweg ihr Bestimmungs-Ziel finden und darüberhinaus an ihren Ursprungs-Ort wieder zurück fliegen.

Doch wenn im Märchen ein solches weibliches Wesen geschildert wird, das sich in den Lüften (im Himmel) bewegt, spricht (zum Herzen des Menschen) und darüberhinaus auch noch weiß (rein, ursprünglich) ist, dann können wir ziemlich sicher sein, dass es sich hier um eine Art himmlische Inspiration handelt, die JEDEM Menschen zuteil werden kann, sofern er sich dafür öffnet. Und dies ist völlig unabhängig von jedweder Religion, Konfession oder Glaubensrichtung.

Pfingsten – die weiße Taube in der christlichen Tradition

So wird die weiße Taube auch mit dem christlichen Fest Pfingsten in Verbindung gebracht, das erstmals im Jahre 130 erwähnt wurde und die Entstehung des „Heiligen Geistes“ zum Inhalt hat. Wen oder was nun jener geheimnisvolle Heilige Geist letztendlich symbolisieren soll, ist trotz vielerlei theologischer Erklärungen nicht einleuchtend. So liegt in der christlichen Dreieinigkeit „Vater, Sohn und Heilige Geist“ die Vermutung nahe, dass es sich beim „Heiligen Geist“ um das mütterliche oder weibliche „Prinzip“ handelt und in der menschlichen Urbeziehung „Vater, Kind UND Mutter“ seine Wurzeln findet.

Warum nun diese von der Schöpfung angelegte Urbeziehung (besonders das mütterliche bzw. weibliche Prinzip) als Entstehung jedes menschlichen Lebens von christlicher Seite her so rätselhaft umschrieben und mysteriös verklärt wird, ist wohl eine andere Geschichte. Ein wesentlicher Hinweis wäre wohl darin zu finden, dass gerade große Teile der kirchlichen Führung (aber auch anderer Religionen) in Bezug auf ihre geschichtliche Vergangenheit und Gegenwart schon immer eine sehr zweifelhafte und gespaltene Beziehung zu allem „Weiblichen“ hatten.

Dringender Reform-Bedarf: „Vater-Gott, Mutter-Gott, Kind-Gott“

Es wäre schon längst an der Zeit, dieses Dogma schnellstens zu reformieren und dieser Dreieinigkeit „Vater, Sohn, Heiliger Geist“ einen neuen, gleichwertigeren und gleichberechtigteren Stellenwert einzuräumen, der in der Bezeichnung „Vater-Gott, Mutter-Gott, Kind-Gott“ einen zeitgemäßen, einfachen und natürlichen Ausdruck fände und dem wahren Leben sicherlich am Nächsten käme.

Wenn auch Sie den Eindruck haben, dass dies ein wesentlicher Ansatz wäre, um sich wieder diesen Aspekt jener weiblichen Kraft bewusst zu machen, die ganz besonders in der heutigen Zeit für Frau und Mann notwendiger denn je wäre, um aus dem Kreislauf der unendlichen Diskussionen, Besserwisser und Rechthaber allmählich herauszukommen, dann besuchen Sie doch die Märchen- und Lichttage.

Sie finden jährlich und regelmäßig zu Himmelfahrt im Märchenzentrum in Vlotho, zu Pfingsten in der Lebenskunstschule „Die Blaue Rose“ bei Fischerhude, voraussichtlich im Juni im Märchen- und Lichthaus Großarl (Salzburger Land) und im September im Märchen- und Lichthaus Hannover statt. Diese festlichen, entspannenden und erfüllenden Kreativ-Tage widmen sich u. a. den 7 weisheitsvollen Urbildern des Lebens und des Märchens sowie den 4 wichtigsten Bereichen des Alltags „Glück, Liebe, Erfolg und Gesundheit“.

Hier die nächsten Termine der Märchen- und Lichttage im Überblick:

04. bis 08. Mai 2016 in Vlotho (Märchenzentrum)
14. bis 16. Mai 2016 Fischerhude, Ottersberg (Die Blaue Rose)
Juni 2016 in den Salzburger Bergen (Großarl, Österreich)
09. bis 11. September 2016 Märchen- und Lichthaus in Hannover

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Engel – kosmische Wesen oder süßliche Vorstellung?

EngelSind nun Engel jene kleinen, putzigen Wesen mit Flügelchen, die mit verklärtem, hochheiligem Blick auf vielen alten, aber auch modernen, meist spirituellen Gemälden, zu finden sind? Oder sind sie eher jene geschlechtslosen, menschenähnlichen, mit Flügeln versehenen Gestalten, so wie sie als Skulpturen in vielen Kathedralen und Kirchen dargestellt werden?? Oder was???

Unser menschliches Vorstellungsvermögen ist da recht begrenzt und reicht sehr oft nicht über die personifizierte, ganz individuelle Vorstellung hinaus. Dies mag mitunter daran liegen, dass wir durch die in der Vergangenheit geprägten künstlerischen und/oder kirchlichen Bilder von Engeln vom eigentlichen Wesen und Wirken jener „Kräfte“ abgelenkt werden, da wir SIE viel zu oft im Äußeren vermuten.

Nicht der Glaube ist entscheidend,
sondern das lebendige Wissen und Erleben im eigenen Herzen!

Anstatt die Beurteilung über ihre Existenz und ihr Aussehen allein Künstlern, Theologen, Geistlichen oder sogenannten Engel-Experten zu überlassen, wäre es doch viel sinnvoller, jene himmlischen Wesen in uns selbst wahrzunehmen und zu schätzen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Gott“. Sowohl gläubige Befürworter jener „Universellen Kraft“ als auch überzeugte Atheisten sind religiöse Menschen. Beide machen sich den Begriff Gott zum zentralen Thema. Sie sind nichts anderes, als zwei gegenüberliegende Extreme von ein und derselben Sache. Jeder ist überzeugt von dem, was er glaubt. Doch leider findet diese Überzeugung meist im Verstand statt. Der Glaube an sich, der weder bewiesen werden kann noch muss, ist somit reine Kopfsache.

Es sei denn, jemand glaubt nicht mehr, sondern weiß! Und dieses tiefe, lebendige Wissen, jene himmlische Offenbarung ist womöglich nur im Herzen eines jeden Menschen zu entdecken und braucht ebenso absolut keinen Beweis, schon gar keinen wissenschaftlichen!

Den Engeln ist es egal, ob wir an SIE glauben!

So ist es den Engeln oder Gott im Grunde völlig egal, wie wir SIE uns vorstellen, wo wir SIE wahrnehmen und ob wir überhaupt von IHRER Existenz überzeugt sind. SIE wirken einfach und natürlich! Ob und wie wir Menschen IHRE Inspirationen, Visionen, Weisheiten oder Kräfte empfangen und in welcher Intensität, hängt gänzlich von unserem unendlichen Vertrauen in den eigenen Lebensplan ab, dem Wissen von unserer individuellen Lebensaufgabe und der tiefen Sehnsucht nach unserem höchsten Lebensziel.

Kontakt zu einem Engel – wie macht es das Märchen?

Wie aber ist es in den Märchen? In den gesammelten Märchen der Brüder Grimm werden Sie nicht allzu viele Schilderungen von Engeln finden, so wie wir SIE uns gerne vorstellen. Eines von wenigen allerdings ist das unbekannte Märchen vom Vogel Phönix, KHM 75, aus der Grimmschen Sammlung von 1812. Darin steigt ein Jüngling zu einem sehr hohen Engel-Wesen empor, das ihm letztendlich hilft, seine Lebensaufgabe und sein Ziel zu verwirklichen.

Dieser Engel jedoch frisst alle Menschen auf, die ihm entgegentreten. ER verzehrt sie, da kein menschlich physischer Körper eine Konfrontation mit einem derart gigantischen Wesen aushalten könnte. So gibt es immer wieder Schilderungen, dass die Ausstrahlung eines Engels so mächtig ist, dass sie z. B. die Licht-Intensität unzähliger Sonnen übersteigt. Engel treten laut Überlieferung häufig in der Funktion von göttlichen und überwältigenden Boten auf, weshalb SIE oftmals „Fürchte Dich nicht!“ sagen (tönen, summen, donnern, jubilieren, …).

In diesem Märchen jedoch hat der Jüngling eine geistige Helferin, die sowohl einen fast gefahrlosen Kontakt zu ihm, wie auch zum Vogel Phönix, ermöglichen kann. Auf diese Weise lässt diese Helferin den Jüngling an dem tiefen Wissen jenes vogelähnlichen Engel-Wesens Anteil haben. Welche Voraussetzungen allerdings der Jüngling dafür mitbringen muss, erfahren Sie in dem Märchen.

Wenn Sie nun immer noch glauben, dass Märchen harmlose Geschichten sind, die man bestenfalls Kindern oder vermeintlich „naiven“ Erwachsenen erzählt, dann sollten Sie sich unbedingt einmal das Berufsbild eines Märchenerzählers oder einer Märchenerzählerin etwas näher anschauen. Es lohnt sich!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Was sind und wie wirken Naturgeister?

Naturgeist - was sind und wie wirken sie?In vielen Mythen und Märchen der Völker sind sie zu finden: jene Wesen, die auf das Geschick der Menschen einwirken können und die man gemeinhin als Elementar- oder Naturgeister bezeichnet. Wie immer gibt der Mensch jenen Elementar-Kräften ein Bild, damit er sie mit Worten fassen und verstehen kann. Doch wie sie jeder Mensch ganz individuell erlebt, sieht, hört oder fühlt, ist eine andere Sache und sollte nicht auf äußere und vorgegebene Bilder beschränkt werden, da dies die eigene Wahrnehmung sehr schnell trüben kann.

Naturgeister in den Märchen der Brüder Grimm

Als Naturwesen sind uns die Zwerge in Schneewittchen bekannt, die tief im Inneren der Berge nach Edelsteinen suchen und die Schätze der Erde bewachen. Im Märchen von der Nixe im Teich hören wir von einem weiblichen Naturgeist, der sich in den Tiefen des Gewässers nach menschlicher Nähe und Wärme sehnt. In der Gänsemagd wird uns sogar von einer jungen Frau erzählt, die sich mit Hilfe der Luft- und Windgeister einen Jungen vom Leib hält. Und im Märchen von der Kristallkugel wird von einem Feuervogel berichtet, der in sich ein glühendes Ei trägt und mit dessen Dotter, einer Kristallkugel, am Ende alles erlöst werden kann.

Leider haben die Menschen in Mitteleuropa zu den Elementar- oder Naturgeistern eine viel geringere Beziehung, als Menschen in Ländern wie z. B. Mexiko, Java, Island, Bali, Nepal, Guatemala. Das mag wohl mitunter am mitteleuropäischen Erziehungs- und Bildungssystem mit seinem äußerst kopflastigen Unterricht liegen. Eine Ausnahme in Europa bildet da wohl Irland. Dort wurden kostspielige Kurven beim Bau einer Straße um alte Bäume und Felsen gebaut, um die dort lebenden Naturwesen nicht durch Motorenlärm zu stören.

Der Schweizer Schriftsteller Erwin Jaeckle schrieb in einer modernen Fassung angelehnt an die Seligpreisungen im „Liber de Nymphis“ (Lehre der Elementargeister) von Paracelsus (Richtiger Name: Theophrastus Bombastus von Hohenheim. Er war Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker und Philosoph und lebte von ca. 1493 – 1541):

„Seliger wäre es, sich die Nymphen (Wassergeister) zu gewinnen, als ihre Gewässer zu vergiften. Seliger wäre es, den Geistern der Winde zu lauschen, als die Lüfte zu vergasen. Seliger wäre es, die Hüter unserer Schätze der Erde zu achten, als ihre Lager auszubeuten. Seliger wäre es, über den Feuern zu wachen, als sie in Atommeilern zu bannen.“

Naturgeister im Menschen

Doch jene Wesen sind nicht nur im äußeren Kräftespiel der Natur zu entdecken. Auch jeder Mensch hat diese Kräfte in sich. Wie kann es anders sein, da er ja selbst ein Teil der Natur ist.

Das Element Erde erleben wir im Bereich der Beine, des Unterleibes und der Genitalien. Hier hat unsere Leben spendende und schaffende Urkraft ihre Aufgabe.

Im Bereich der Bauchgegend oder Verdauungsorgane, dort wo die meisten Flüssigkeitsprozesse wirken, finden wir das Element Wasser. Dieses stetig wechselnde, veränderbare und fließende Element kann mit den menschlichen Gefühlen, Leidenschaften oder Emotionen verglichen werden. Jene wiederum bilden die Voraussetzungen für das schöpferisches Sein des Menschen.

Im Brust- und Lungenbereich finden wir das Element Luft, das uns durch das Ein- und Ausatmen immer wieder die Verbindung zwischen Himmel und Erde erleben und uns in Form von Tönen (Sprache) mit anderen kommunizieren lässt.

Und schließlich entzündet sich das Element Feuer, die Lebensfreude im Herzen eines Menschen, die so in Kooperation mit seinem Bewusstsein (Kopf = Krone) die Begeisterung entfacht.

Hier zeigt sich die alte Lehre des Makrokosmos – Mikrokosmos, die Goethe in seinem Gedicht so trefflich beschreibt:

„… Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, denn, was innen ist, ist draußen …“

So schildern uns die Märchen in vielerlei Varianten, dass Naturgeister keinesfalls irgendwelche magischen, abstrakten oder spinnerten Ausgeburten der menschlichen Fantasie sind, sondern Kräfte, die sich um den Menschen und im Menschen abspielen. Je mehr wir diese Kräfte bewusst wahrnehmen, sie anerkennen und mit ihnen, anstatt gegen sie leben, desto natürlicher, erfüllender, glücklicher und märchenhafter könnte unser Leben sein.

Mein Tipp:

Jeden Abend vor dem Schlafengehen ein Grimmsches Märchen lesen oder ein Volksmärchen aus einem anderen Land. Sie werden danach nicht nur besser schlafen und träumen, sondern die Wunder der Natur mit „ganz anderen“ Augen sehen. Ja und auch für so manches Problem im Alltag werden Sie eine ungewöhnliche Lösung erhalten.

Aber Achtung! So ungewöhnlich diese Lösung sein mag, so unvoreingenommen sollten Sie beim Empfang am Morgen sein. Wille und Verstand sind dabei äußerst unbrauchbar. Die brauchen sie später wieder, beim praktischen Umsetzen der Lösung im Alltag!

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg dabei!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen