„Die Geister, die ich rief …“ ist mehr als nur eine Geschichte

Die Geister, die ich rief - mehr als nur eine Geschichte!Einmal, da kam ein unzufriedener Mann zu einem alten Weisen. Er war mit seinem Leben nicht einverstanden und klagte: „Ach, hätte ich doch nur einen dienstbaren Geist. Ich bräuchte mich um nichts mehr zu kümmern, alles würde er für mich tun und ich könnte ein Leben in Glück und großem Reichtum führen.“ Der Weise lächelte und sprach: „Nun, es ist für mich eine Kleinigkeit, dir einen jener Geister zu besorgen, der dir all deine Wünsche erfüllt. Aber ich muss dich warnen, er muss immer beschäftigt werden und darf keinen Moment zur Ruhe kommen, sonst frisst er dich auf.“ Der Mann lachte laut auf und rief: „Ich habe so viele Wünsche, dass ich ihn mein ganzes Leben lang beschäftigen kann.“

Also gab ihm der Weise eine Lampe und sprach: „Wenn du zuhause bist, dann reibe an der Lampe und der Geist wird erscheinen. Zu Hause angekommen, da rieb er an der Lampe und wenige Augenblicke später, stand vor ihm ein riesenhafter Geist, der sich ehrerbietig vor ihm verneigte und sprach: „Was befiehlt mein Gebieter?“ Der Mann lies sich das nicht zweimal sagen. „Ich wünsche mir ein wunderschönes Schloss mit prächtigem Garten und viel Platz.“ Kaum hatte er dies gesagt, so flog der Geist davon und nach einigen Minuten kam er wieder und brachte den Mann dorthin, wo er das Gewünschte vorfand.

Erstaunt und voller Freude trat er ins Schloss ein, um sich die Pracht etwas genauer anzuschauen. Doch der Geist verneigte sich abermals vor ihm und sprach: „Was wünscht mein Gebieter nun?“ „Ich wünsche mir Bedienstete, schöne Frauen, Gold und Edelsteine und viele Ländereien.“ Wieder kaum ausgesprochen, so verschwand der Geist und nach kurzer Zeit war auch dies erfüllt. Dann sprach er: „Was soll ich jetzt für meinen Gebieter tun?“ Der Mann wurde immer unsicherer und ängstlicher, sah er doch wohl, dass der Geist binnen weniger Augenblicke all seine Wünsche erfüllen konnte.

So wünschte er sich alles Mögliche und Unmögliche, nur um ja den Geist zu beschäftigen. Aber es dauerte nicht lange, da waren sogar die seltsamsten Wünsche erfüllt und der Geist bat um neue Anweisungen. Doch der Mann hatte keine neuen Wünsche mehr und er sah schon, wie der Geist unruhig wurde und ihn mit feurigen, wütenden Augen anstarrte. Er stammelt noch die letzten und ausgefallensten Wünsche und trug sie dem Geist vor. Augenblicklich verschwand der Geist, um sie in kurzer Zeit zu erfüllen.

Unser Mann aber lief eilig zum Weisen und bat um seine Hilfe: „Rettet mich vor diesem arbeitswütigen Geist. Ich habe keine Wünsche mehr und kann diese Verantwortung nicht mehr tragen und befürchte, er wird mich nun töten.“ „Da wirst du wohl recht haben“, murmelte der Weise. „Aber ich will dir helfen“.

Er zog sich ein Haar aus dem Kopf, nahm es zwischen seine beiden Fingernägel und zog solange daran, bis es sich kräuselte. Dann sprach er: „Gib dem Geist das Haar und befiehl ihm, er soll es wieder gerade ziehen.“ Der Mann ging nach Hause und reichte das gekräuselte Haar dem Geist mit eben jenem Befehl des Weisen. Der Geist zog das Haar gerade, aber in dem Moment, wo er es wieder losließ, da kräuselte es sich. Er zog es erneut gerade, aber beim Loslassen, da kräuselte es sich wieder.

Seit dieser Zeit hatte der Mann seine Ruhe. Er hatte auch gar keine Sehnsucht mehr, nach einem dienstbaren Geist und freute sich über jeden Tag seines Lebens, der ihm geschenkt wurde. Der Geist aber, der zieht noch heute an diesem Haar und er wird es auch sicherlich noch eine lange lange Zeit tun. Oder?

(Nach einer alten Lehrgeschichte, bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Der dienstbare Geist

Wer wünscht sich nicht einen jener dienstbaren Geister, der einem die sehnlichsten Wünsche erfüllt? Nun ist aber das Wesen der Wünsche schon etwas tückisch, denn ist ein Wunsch einmal erfüllt, dann kommt auch gleich der nächste. Ist der erfüllt, dann lässt auch der übernächste nicht lange auf sich warten.

Doch eigentlich sind nicht die Wünsche das Problem, sondern die Einstellung des Menschen zu ihnen. Leider glauben wir immer noch, dass äußere Wunscherfüllung gleich zu setzen ist mit innerer Erfüllung. Und das wiederum ist ein großer Trugschluss.

Also dann doch lieber keine Geister?

Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht wieder los …

Ist vielleicht besser so, denn so manches, was man zunächst als großen Segen betrachtet hat, wird auf einmal zum Fluch. Davon berichten ja viele Märchen (Z. B. Vom Fischer und seiner Frau, Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm).

Aber Gott sei Dank gibt es ja weitaus ungefährlichere Wege ohne dienstbaren Geist sich seine Wünsche zu erfüllen, vorausgesetzt man ist offen für neue Sicht- und Denkweisen und dem eigenen, wahren Herzens-Ziel. Von diesem Ziel aus mit Begeisterung gefühlt und mit Liebe und Weisheit gedacht wird sich so manches ganz von alleine verwirklichen, ohne es willentlich forcieren zu müssen.

Und mal ehrlich, was gäbe es denn sonst noch für uns auf dieser Erde zu tun, wenn alles von dienstbaren Geistern erledigt würde? Wie sonst könnten wir uns entwickeln, etwas aufbauen und das Dasein entdecken, wenn wir keine Widerstände mehr als Herausforderungen erleben könnten?

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Erzählerkurs, Lernprogramm Märchen erzählen lernen

Wie der Wein zu Wasser wurde. Eine Geschichte

Wein zu WasserVom Wein, der zu Wasser wurde …

Einmal beschlossen die Bauern, dass ein jeder für ein großes Fest eine Flasche Wein mitzubringen hatte. Der Wein dieser Flaschen sollte dann in ein großes Fass als Zeichen der Gemeinsamkeit geschüttet werden. So geschah es dann auch. Wie in einer feierlichen Prozession zogen die Festgäste vorüber und leerten ihre Flaschen in das große Fass. Als nun alle mitgebrachten Flaschen zusammengegossen waren, wurde ausgeschenkt. Dann erhob man sich von den Plätzen und prostete sich feierlich zu.

Doch als die Bauern den ersten Schluck getrunken hatten, blickten sie sich alle mit einem verdutzen Blick an und schauten schließlich beschämt zur Erde. Das vermeintliche Weingemisch, zu dem jeder seinen Anteil beigetragen hatte, war nichts anderes, als pures Wasser.

(Nach einer Lehrgeschichte)

… und vom sauren Bier, das sich in einen köstlichen Wein verwandelte!

Kennen Sie das Märchen von der Goldenen Gans aus der Sammlung der Brüder Grimm? Nein, dann klicken Sie >>> HIER <<<! Es hat zwar nicht unbedingt eine direkte Verwandtschaft mit der obigen Lehrgeschichte, aber es kommt ein Motiv darin vor, das schön veranschaulicht, was es heißt, mit vollem Herzen zu geben, anstatt aus Geiz und Angst vor Mangel zu nehmen.

Drei Brüder ziehen unabhängig voneinander in den Wald, um Holz zu holen. Jeder der beiden Älteren erhält von der Mutter einen feinen Eierkuchen und eine Flasche guten Wein als Wegzehrung mit. Da sie aber nicht bereit sind, unterwegs ihren Proviant mit einem alten Männchen zu teilen, erhalten sie am Ende ihren verdienten Lohn. Jeder muss verletzt, angeschlagen und unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück kehren.

Der Jüngste aber, den alle den Dummling nannten, erhält von der Mutter einen Aschekuchen und eine Flasche saures Bier als Wegzehrung mit und muss schon einiges tun, damit der Vater ihn überhaupt in den Wald ziehen lässt. Er jedoch zeigt unterwegs bedingungsloses Mitgefühl und ist gerne bereit, mit dem Männchen seine karge und nicht gerade appetitliche Wegzehrung zu teilen. Wie er aber den Aschekuchen aus seiner Tasche zieht, so ist’s plötzlich ein feiner Eierkuchen und das saure Bier ein köstlicher Wein. Und schließlich erhält er sogar noch als Belohnung vom alten Männchen den Hinweis, wie er sein Glück finden kann.

Nun sollte man allerdings nicht glauben, dass dieses „Belohnungs-Prinzip“ von Geben und Nehmen berechnend funktioniert. Die „Schöpfung“ ist weise genug, um diejenigen zu durchschauen, die derartiges mit Kalkül betreiben wollen. Wer also mit offenen Augen, mitfühlend und voller Vertrauen in die Welt zieht, dem wird es wohl wie dem Dummling ergehen, der am Ende sogar König wird.

Hätten die Bauern in der obigen Lehrgeschichte nur ein wenig von dieser Herzens-Qualität des Dummlings gehabt, sie hätten gewiss den besten Wein erschaffen, den keiner der Anwesenden sich jemals zu erträumen wagte.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

eBook Im Paradiesgarten der Frau Holle

Gold (ver)blendet oder Wie die Sehnsucht ihre „Sucht“ verliert

Gold (ver)blendetEines Tages bat ein Weiser den König, er möge ihm doch seine Schale mit Gold füllen. Der König, der dem Weisen diesen Wunsch gerne erfüllen wollte, musste mit Schrecken feststellen, dass diese Schale immer leerer wurde, je mehr Gold er hinein tat. Fassungslos sah der König den Weisen an und sprach: „Sage mir, oh weiser Mann, wie kann das sein? Verrate mir das Geheimnis dieser goldenen Zauberschale, denn es scheint, als dass mein unermesslicher Reichtum diese Schale nicht füllen kann?“

„So ist es, mein König“, antwortete der Alte, „Die Schale trägt das Geheimnis des menschlichen Herzens in sich, das nie zufrieden ist. Du kannst es füllen, womit du willst: mit Reichtum, Schönheit, Liebe, Wissen, Macht, Lebenslust und allem, was es gibt. Doch du wirst es nie füllen können, weil es nie erfüllt sein wird.

Der Mensch kennt dieses Geheimnis des Lebens nicht mehr, da er es vergessen hat. Er strebt ständig nach allen Dingen, die er vor sich sieht, gleich wie ein Esel, dem eine Karotte an einer Stange vors Maul gebunden wurde. Und je mehr ein Mensch bekommt, desto mehr wünscht er sich. Die Schale seines Verlangens, seiner Sehnsucht aber, kann sich niemals füllen.“

(Nach einer alten Sufi-Lehrgeschichte,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Der Weg der „goldenen Mitte“.

Unsere ganze Wirtschaft dreht sich hauptsächlich um die Befriedigung von äußeren Wünschen. Sind diese erfüllt, dann sehnt man sich nach der Erfüllung des nächsten Wunsches. Das fängt schon beim Kind an, das ein lang ersehntes Spielzeug endlich erhält, nach einigen Tagen aber die Lust daran verliert, da es ein anderes, vermeintlich noch schöneres Spielzeug entdeckt hat.

Dennoch leben wir in einer Welt, deren äußeren Verlockungen wir uns nicht verschließen können und auch nicht sollten. Womöglich gehört sie sogar zu einem menschlichen Entwicklungsprozess dazu, um endlich wieder das in der obigen Lehrgeschichte angedeutete Lebensgeheimnis praktisch zu erfahren.

So wird wohl „der beste Weg in der Goldenen Mitte liegen“, wie uns so manche alten westlichen Weisen und Mystiker zu berichten haben. Aber auch in der östlichen Weisheit „Nichts verdrängen, nicht dran hängen“ kann erkannt werden, dass zu einem erfüllten und glücklichen Leben der Blick sowohl nach außen, wie auch nach innen gerichtet sein sollte.

Mit Märchen und Geschichten den Weg nach Innen gehen!

Um sowohl die Schönheiten der Welt zu bewundern und sich daran zu erfreuen, als auch deren inneren Geheimnisse und Offenbarungen zu entdecken, dabei können die Märchen und Geschichten als wunderbare Brücke dienen.

Sie sind für alle Entwicklungszyklen des Menschen geeignet, vom Kind, über den Jugendlichen bis hin zum Erwachsenen. Märchen helfen, zu sich selbst zu finden, den eigenen Weg zu erkennen und mit Freude ausdauernd zu gehen. Sie zeigen, dass der Mensch sein Leben so gestalten kann, wie es seinem inneren Wesen entspricht und sie helfen dabei, die „gute Seite“ von der „schlechten Seite“ zu unterscheiden und beide sinnvoll zu nutzen bzw. zu verwandeln.

So bringen sie in das eigene Leben immer mehr Harmonie und Zuversicht, ohne die scheinbaren Untugenden zu verdrängen! Denn schließlich geht es in den wahren Märchen und in vielen guten Geschichten um die Vereinigung der Polaritäten, nicht um die Ablehnung!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Ab sofort als eBook erhältlich: Im Paradiesgarten der Frau Holle

Im Paradiesgarten der Frau Holle - eBookSeit Oktober 2016 gibt es die Schrift „Im Paradiesgarten der Frau Holle“ bereits als Druckversion (Print) inkl. HörCD zur Selbstbetrachtung. Seit dem gestrigen Tag (22.02.2017) finden Sie diese Veröffentlichung nun auch als eBook im Internet. Gleich anschließend kommen Sie mit einem Klick Ihrer Wahl zu bekannten Stores, über die Sie das eBook bestellen können:

Amazon Kindle eBook Store:
http://klickjetzt.de/paradiesgartenamazon

Thalia eBook Store:
http://klickjetzt.de/paradiesgartenthalia

Hugendubel eBook Store:
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Bücher.de eBook Store:
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eBook.de eBook Store:
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Weiterhin finden Sie auf allen Tolino eBook Stores, bei itune, Libri, Google Play, Buchhandel.de, Reader’s Digest Deutschland und in weiteren fast 200 eBook Stores im Internet dieses eBook: „Im Paradiesgarten der Frau Holle von Karlheinz Schudt“.

Im Paradiesgarten der Frau Holle

Dass es sich bei der Figur der Frau Holle um keine historische Person handelt, sondern um eine Art himmlische oder geistige Helferin, dürfte wohl jedem Menschen klar sein, der Märchen mit den inneren Augen sieht und mit dem Herzen hört. Diese seelisch-spirituellen Bilder der Märchen schildern wundervolle und für den Verstand unerklärliche Geschehnisse, die auf eine „höhere“ Ebene (Metaebene) der menschlichen Vorstellung führen.

Aber wie können diese Märchenbilder so entschlüsselt werden, damit sie im Alltag nützliche Helfer für unser Glück sind? Welche Hinweise kann uns Frau Holle geben, um selbst die schwierigsten Herausforderungen unseres Lebens konstruktiv zu meistern? Welches weisheitsvolle Lebensprinzip liegt allen Märchen zugrunde und wird doch immer wieder so unterschiedlich und variationsreich geschildert?

Erfüllende Märchenbetrachtung mit Selbstbetrachtung

In dieser Märchenbetrachtung von Karlheinz Schudt mit Anleitung zur Selbstbetrachtung werden Sie das Märchen der Frau Holle ganzheitlich erleben. Und noch viel mehr – denn wie Sie eine solche erfüllende Betrachtung zuhause und ganz individuell durchführen können, so dass die Märchenbilder von alleine zu Ihnen sprechen, das finden Sie ebenfalls in diesem eBook.

Diese Betrachtung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollte mehr eine Anregung sein, sich selbst und immer weiter mit den Märchen zu beschäftigen. Je öfter, je offener und mit Freude man sich diesen märchenhaften Geschichten widmet, desto mehr geben sie von ihrer einfachen und natürlichen Weisheit preis und lassen uns aus dem offenbaren Geheimnis schöpfen, das im Brunnen des Lebens jedem Menschen zugänglich ist.

Betrachte das Märchen!

Weitere Broschüren mit Betrachtungen zu den gesammelten Märchen der Brüder Grimm von Karlheinz Schudt werden unter der Reihe „Betrachte das Märchen“ im Verlag Märchenhaft leben, Vlotho, erscheinen:

1. Frau Holle (KHM 24 aus der Sammlung von 1857).
(Erschienen im Oktober 2016 als Print inkl. HörCD, im Februar 2017 als eBook)

2. Fundevogel (KHM 51 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD im April 2017, wie auch als eBook)

3. Rotkäppchen (KHM 26 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD im Sommer 2017, wie auch als eBook)

4. Die Alte im Wald (KHM 123 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD im Herbst 2017, wie auch als eBook)

5. Die Goldene Gans (KHM 64 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Weihnachten 2017, wie auch als eBook)

6. Dornröschen (Märchen aus der Urfassung von 1810).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Frühjahr 2018, wie auch als eBook)

7. Rumpelstilzchen (KHM 55 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Sommer 2018, wie auch als eBook)

8. Die Bienenkönigin (KHM 62 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Herbst 2018, wie auch als eBook)

9. Die Kristallkugel (KHM 197 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Winter 2018, wie auch als eBook)

10. Der Froschkönig (KHM 1 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Frühjahr 2019, wie auch als eBook)

11. Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren. (KHM 29 a. d. S. von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Sommer 2019, wie auch als eBook)

12. Das tapfere Schneiderlein (KHM 20 aus der Sammlung von 1857).
(Erscheint voraussichtlich als Print inkl. HörCD Herbst 2019, wie auch als eBook)

Eine Geschichte von großem Mut und wahrer Stärke

Geschichte von wahrer Stärke

Eine Geschichte von wahrer Stärke

Durch eine Oase ging ein finsterer Mann. Er war so unzufrieden mit sich und gehässig zu den anderen Menschen, Tieren und Pflanzen, dass er nichts Gesundes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben. Am Rande der Oase stand eine junge Palme in bestem Wachstum. Als der Mann diese sah, konnte er nicht umhin, sie zu quälen. So nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem höhnischen und  bösartigen Lachen verließ er den Ort.

Die junge Palme schüttelte und bog sich und versuchte, die Last abzuwerfen. Doch vergebens, zu fest saß der Stein in der Krone. Da krallte sich der junge Baum tiefer in den Boden und stemmte sich gegen die schwere, steinerne Last. Er ließ seine Wurzeln so tief ins Erdreich hinein wachsen, dass diese die verborgene Wasserader der Oase erreichten. Die junge Palme konnte so den Stein hochstemmen und ihre Krone reichte nun weit hinauf. Wasser aus der Tiefe und Sonnenlicht aus der Höhe machten eine königliche Palme aus dem jungen Baum.

Nach Jahren kam der finstere Mann wieder, um sich – wie er meinte – an dem Krüppelbaum zu erfreuen. Er suchte vergebens. Da senkte plötzlich die schönste und höchste Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte. „Mann, ich muss Dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht.“

(Nach einem afrikanischen Märchen,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Herausforderungen meistern!

Auch wenn uns das Leben zuweilen „schwere Lasten“ auflädt, so heißt das noch lange nicht, dass wir dem nicht gewachsen sind. Und dass eine solche Last nicht (nur) Mühsal, Ärgernis oder Schicksal ist, sondern in erster Linie Herausforderung, um innerlich und äußerlich zu wachsen, zeigt sehr anschaulich und sinnbildlich die obige Geschichte.

Herausforderung, Erfüllung und Berufung mit Zukunft:
MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn

Wenn auch Sie den Wunsch in sich spüren, als MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn „zu wachsen“, Ihren Alltag zu bereichern und andere Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, damit zu beglücken, dann informieren Sie sich doch ausführlicher über diesen Weg zu einer erfüllenden Berufung (als Hobby, neben- oder hauptberuflich).

Viel Erfolg und Freude damit!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Selbsterkenntnis – Nichts verdrängen, nicht dran hängen!

Selbsterkenntnis

Es war einmal eine junge Frau, die lebte in einem kleinen Dorf. Eines Tages, da beschloss sie, einige Rosen anzupflanzen. Sie grub die Erde um und pflanzte die schönsten Rosen ein, die sie finden konnte. Nach einiger Zeit, als die Rosen immer prächtiger wurden, da freute sich die Frau über ihre außergewöhnliche Schönheit.

Doch mit Schrecken musste sie feststellen, dass zwischen den wunderschönen Rosen auch eine Menge Löwenzahn hervorkam. Nun war guter Rat teuer. Alles was sie tat, um den Löwenzahn zu vernichten, schlug fehl. Der Löwenzahn wurde sogar immer kräftiger und unberechenbarer und kam an Stellen zum Vorschein, an die sie vorher gar nicht gedacht hatte. Das ärgerte die Frau, da ja nun die ganze Schönheit der Rosen darunter litt und sie wurde beinahe krank davon.

Eines Tages, da kam eine alte, weise Frau vorbei. Beide begrüßten sich freundlich und die jüngere der beiden klagte der älteren ihr Leid und was sie schon alles getan hatte, den Löwenzahn auszumerzen. Die ältere hörte geduldig zu und nach einer Weile da sprach sie ganz ruhig: „Tja, in diesem Falle kann ich Dir nur raten: Lerne den Löwenzahn lieben!“

(nach einer alten Sufigeschichte,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Alles was wir bekämpfen, wird stärker …

Der Dichter und Schriftsteller Christian Morgenstern (1871 – 1914) ließ einmal in seinen Veröffentlichungen das Zitat verlautbaren: „Liebe das Böse gut!“

Nun klingt das ja für viele Menschen sehr abwegig, zumal wir eher noch nach dem alttestamentarischen Grundsatz handeln, „Auge um Auge, Zahn um Zahn!“ Obwohl wir uns als christliches Abendland  bezeichnen und die Lehren von Jesus gerne auf unsere Fahne schreiben, so wird es doch bei „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst“ oder „Wenn einer Dich auf die eine Wange schlägt, so halte ihm auch die andere hin“ schon etwas schwieriger, vor allem wenn es uns ganz persönlich betrifft. 

Nun geht es ja in der Regel und im Alltag selten um Differenzen und Streitigkeiten, die wir mit anderen Personen haben. Meist oder zunächst sind es Schwierigkeiten oder Disharmonien, die wir mit uns und in uns selbst zu bewältigen oder zu verwandeln haben und die sich nicht selten in seelischen Unstimmigkeiten bis hin zu Krankheiten ausdrücken. Dass dies dann Auswirkungen auf unsere Mitmenschen hat, ist naheliegend. Denn wer seine eigenen Probleme nicht löst oder sich selbst nicht schätzt und „liebt“, der kann auch niemand anderen lieben.

… und kommt da zum Vorschein, wo wir es nicht vermuten!

Wie aber in der obigen Geschichte sinnbildlich beschrieben, sind eben gerade jene unbewältigten oder immer wiederkehrenden, häufig leidvollen Schwierigkeiten oder Ärgernisse diejenigen, die wir am liebsten verdrängen oder ausrotten möchten. Aber sind gerade jene Schwierigkeiten nicht Herausforderungen, ja womöglich großartige Hinweise, um nach innen zu „hören“, was sie uns „sagen“ möchten, wie wir sie sinnvoll nutzen können und wozu sie für unser Leben gut sind? Denn jedes Verdrängen oder Auslöschen von vermeintlich Unangenehmen führt mittelfristig nur noch zu größeren Problemen, deren Lösung immer komplizierter wird. 

Und wer weiß, vielleicht verhält es sich dann wie in dem Grimmschen Märchen „Vom Sommer und vom Wintergarten“, auch bekannt in der französischen Fassung als „Die Schöne und das Biest“. Aus dem vermeintlich Bösen, Unliebsamen und Abstoßenden wird dann am Ende sogar etwas Königliches und Liebenswertes, etwas, das wir zu Beginn unseres begrenzten Verstandes und Vorstellungsvermögens niemals vermutet hätten.

Somit liegt es hauptsächlich an unserer inneren Einstellung zum Leben, nicht am Leben selbst. Und wie ein altes Sprichwort sagt: „Wie ein Mensch in den Wald hinein ruft, kommt es wieder heraus!“, so könnte man auch anders formulieren: „Wie ich mich und alle meine Seelenanteile betrachte, achte und schätze, so werden es auch meine Mitmenschen, mein Umfeld tun!“.

In diesem Sinne und sinnbildlich: „Lernen wir auch den Löwenzahn lieben!“

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Selbsterkenntnis durch kreativ schreiben lernen

Wie lerne ich Aufmerksamkeit?

Aufmerksamkeit - eine GeschichteEines Tages kam eine Frau (es könnte selbstverständlich auch ein Mann gewesen sein) zu einem Weisen und sprach: „Lehre mich einige Grundregeln der Weisheit“. Der Weise lächelte, ergriff Papier, Tinte und Feder und schrieb einmal mit großen Buchstaben: „Aufmerksamkeit“. „Ist das alles?“, rief die Frau ganz erstaunt. „Wollt Ihr nicht noch etwas hinzufügen?“ Der Weise nahm abermals das Papier zu Hand und schrieb nun zweimal hintereinander dieses Wort „Aufmerksamkeit“. „Nun“, knurrte die Frau sichtlich verärgert, „ich kann wirklich nicht viel Geistreiches in dem finden, was Ihr geschrieben habt“. Daraufhin schrieb der Weise dreimal hintereinander „Aufmerksamkeit“. Wütend verlangte die Frau nun zu wissen: „Was bedeutet dieses verflixte Wort überhaupt?“ Da lächelte der Weise und antwortete ganz sanft: „Aufmerksamkeit bedeutet Aufmerksamkeit“.

(Lehrgeschichte, Ursprung unbekannt,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Sei einfach aufmerksam!

Aufmerksamkeit ist eine Fähigkeit, die heutzutage tatsächlich nur noch sehr wenige Menschen schätzen. Viel zu leicht lassen wir uns von Äußerlichkeiten, Trends und Massenmeinungen ablenken, um nur nicht auf unser Innerstes hören zu müssen. Dabei ist es gar nicht einmal so schwierig, sich nach innen zu wenden und dort Kraft und Motivation für die positive Bewältigung vieler Herausforderungen unseres Lebens zu finden.

Je öfter ein Mensch nach Innen geht und seiner Herzens-Stimme lauscht, desto mehr findet er Ruhe und Gelassenheit, insbesonders in schwierigen Situationen. Er entdeckt nicht nur seine wahren Stärken und Fähigkeiten, sondern findet auch ungewöhnliche und märchenhafte Lösungen für so manche festgefahrenen Probleme im Alltag.

Wenn Sie Freude haben, Ihre „inneren Landschaften“ aufmerksam zu erkunden, dann sind gerade die weisheitsvollen Märchen oder besinnlichen Lehrgeschichten die besten und unterhaltsamen „Brücken“ dorthin und Sie werden Dinge in sich und um sich entdecken, über die Sie nur noch staunen können!

Je nachdem, mit welcher Aufmerksamkeit und Achtsamkeit man sich den Märchen nähert, desto mehr offenbaren sie uns tiefste Geheimnisse, die das eigene Leben sinnvoll und erfüllend bereichern könnten. Und je öfter, je offener und von Herzen man sich diesen märchenhaften Geschichten widmet, desto mehr geben sie – wie von alleine – von ihrer einfachen und natürlichen Weisheit preis und lassen uns aus dem offenbaren Geheimnis schöpfen, das im Brunnen des Lebens jedem Menschen zugänglich ist.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Adler oder Huhn? Wir sehen die Welt nur so, wie wir sie sehen wollen!

Adler oder Huhn?Vom Adler, der glaubte ein Huhn zu sein.

Eines Tages fand ein Mann ein Adlerei. Dies legte er in das Nest eines gewöhnlichen Huhns. Nach einiger Zeit schlüpfte daraus ein Adlerjunges, das zusammen mit den gewöhnlichen Hühnerküken aufwuchs.

Sein ganzes Leben lang benahm sich der Adler wie ein Hühnerküken. Schließlich kannte er es ja nicht anders und er dachte, er sei ein Küken aus dem Hinterhof. Manchmal gackerte er und zuweilen flog er auch ein Stück – eben so, wie ein Hühnerküken. Viele Jahre vergingen und der Adler wurde sehr alt.

Eines Tages sah er einen herrlichen Vogel hoch über sich am Himmel. Majestätisch und elegant schwebte er durch die Lüfte, ohne groß mit seinen kräftigen Flügeln zu schlagen. Der alte Adler blickte staunend und sehnsüchtig empor und fragte dann seine Nachbarin, ein Huhn: „Wer ist das?“ Das Huhn sprach: „Das ist der Adler, der König der Vögel. Aber reg dich nicht auf. Du und ich gehören nicht dazu.“

So dachte der alte Adler nicht weiter an den Vogel. Er starb in der Überzeugung, ein Küken im Hinterhof zu sein.

(Nach einer alten Lehrgeschichte,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Adler oder Huhn?
Wir sehen die Welt nur so, wie wir sie sehen wollen!

Sie kennen sicherlich die Geschichten von Pippi Langstrumpf, dem kleinen, selbstbewussten und starken Mädchen, das mit ihren Tieren in einer alten Villa lebte und gemeinsam mit ihren beiden Freunden viele lustige Abenteuer erlebte. Die Autorin dieser Pippi Langstrumpf Geschichten, Astrid Lindgren, hatte sich für Pippi ein schönes Liedchen ausgedacht, in dem im Refrain folgender Satz vorkam: … „ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“…

Steckt in diesem kleinen Satz nicht eine große Wahrheit, die sowohl das Leben der Kinder bestimmt, als auch das von uns Erwachsenen? Ob dies von der Autorin beabsichtigt war oder ob es sich einfach um ein Kinderlied handelte, das sich „nur“ reimen sollte, sei jetzt einfach einmal dahin gestellt. 

Wir Menschen mit unseren großartigen Fähigkeiten und Möglichkeiten sehen meist nur das im Leben, was wir angeblich nicht gut können oder was uns im Alltag belastet. Und wie in der obigen Geschichte identifizieren wir uns mit unserem Umfeld, von dem wir glauben, dass die Umstände es geschaffen haben und wir uns Zeit unseres Lebens damit abfinden müssen. Wen wundert es, dass wir allmählich einen „Lebensstil“ entwickeln, der uns nötigt, nur noch die vermeintlich anderen für unser Wohl und Wehe verantwortlich zu machen. Und dabei übersehen wir immer mehr jene großartigen Fähigkeiten, Stärken und Möglichkeiten in uns, so dass wir am Ende glauben, das zu sein, was wir oder andere von uns glauben oder halten. 

Märchen und Weisheitsgeschichten als Hilfe zur Selbstverwirklichung 

Ein Hühnerküken oder Huhn hat natürlich in den „Augen“ der Schöpfung oder Natur dieselbe Daseinsberechtigung wie ein Adler und somit dasselbe Recht zu leben. Und dennoch drückt diese Geschichte sinnbildlich aus, dass wir Menschen eher das in uns sehen, was klein, hilflos und unfähig ist, anstatt uns der „königlichen“ Natur in uns bewusst zu werden und uns über altgewohnte Glaubenssätze hinaufzuschwingen in jene „Spähren“, die uns weitaus mehr Möglichkeiten und Chancen offenbaren, als wir in unserem selbstgebauten „Gefängnis“ jemals zu erträumen wagten. 

Gewiss, erheben sollten wir uns schon selbst und zugegeben, der Schritt ist nicht einfach, vor allen Dingen, wenn wir schon so viele Jahre in diesem selbstgebastelten „Gefängnis“ sitzen. Aber Gott sei Dank gibt es ja eine Menge an Hilfsmitteln, die uns auf diesem Wege unterstützen könnten. Weisheitsgeschichten und Märchen jedenfalls gehören dazu und wer sie mit dem Herzen hört, der weiß welche nahezu unerschöpflichen Kraftquellen darin verborgen sind. 

Ach ja, und wer mit diesen in Seelenbildern ausgedrückten „Kraftquellen“ auch noch andere Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, beglücken möchte, für den ist z.  B. der Beruf eines Geschichten- oder Märchenerzählers, der sowohl als Hobby, neben- oder hauptberuflich ausgeführt werden kann, sehr erfüllend und nützlich. 

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Zwei Dinge, die man wissen sollte, um den Himmel zu erreichen

HimmelEinmal kam ein junger Mann zu einem Weisen und sprach: „Guter Mann, sagt mir doch, was muss ich tun, um den Himmel zu erreichen?“ Da lächelte der Weise und sprach: „Wenn Du den Himmel mit all seiner Liebe und Weisheit erreichen willst, musst Du zwei Dinge wissen: Erstens, dass alle Deine Bemühungen und Dein Streben vergeblich sind, IHN zu erreichen.“

Wie war da der junge Mann enttäuscht, als er dies hörte, aber schließlich siegte die Neugier doch und er fragte weiter: „Ja, und zweitens?“ Abermals lächelte der Weise in solch‘ unermesslicher Güte und kindlicher Weisheit still und vergnügt vor sich hin, bis er schließlich antwortete: „Zweitens, Du musst handeln, als ob Du das erste nicht wüsstest.“

Nach einer alten Lehrgeschichte aus der Märchenzeitschrift,
bearbeitet von Karlheinz Schudt.

Nicht der Wille führt zum Ziel

Wie viele Menschen gibt es, die im Leben mit ihrem Verstand etwas erreichen WOLLEN! Doch wie so oft bleibt mit dieser Einstellung nicht nur die spielerische Lebensfreude und Kreativität auf der Strecke, sondern auch noch der zu erwartende Erfolg.

Alle willentlichen Bemühungen, die ohne Freude und „Herzblut“ verrichtet werden, führen letztendlich zu mehr Frust als Lust. Gerade wir Erwachsenen denken viel zu lange über abstrakte „Zustände“ wie z. B. den Himmel nach, philosophieren, theologisieren und schaffen so mit unserem Verstand eine künstliche Welt, wie es „dort oben“ aussehen bzw. welche paradiesischen Zustände wir dort vorfinden könnten.

Kinder sind da völlig anders. Sie können noch ihrem Naturell gemäß in „beiden“ Welten leben,  „unten“ UND „oben“. Warum? Weil sie (noch) nicht trennen. Für sie ist alles EINS. Sie LEBEN wirklich noch ganzheitlich und sind nicht auf ihren Verstand alleine reduziert. Leider ändert sich dies im Laufe des Älter werdens auf Kosten von Kreativität und Phantasie.

Unser Verstand stört nicht, er verläuft sich nur häufig

Wahre Offenbarungen, Ideen oder Lösungen aber können nicht mit unserem Verstand gefunden werden, dessen Aufgabe mehr das Erinnern, Organisieren, Strukturieren und Verwalten unseres Lebens ist. Weitaus mehr in dieser Beziehung kann da unser spielerisches, intuitives und kreatives Gemüt. Schließlich lebt es ja, wie das Kind selbst, sowohl mitten im Alltag, wie auch in dieser himmlischen „paradiesischen“ Welt.

Und somit ist der „Himmel“ gar nicht so weit weg,  wie wir vermuten, sondern wirkt bereits und seit jeher in unserem ALLERINNERSTEN. Wir sollten uns nur an IHN (oder ES)  erinnern, anstatt mit künstlichen Übungen, dogmatischen Diskussionen und eisernem Willen IHN (den Himmel) in weiter Ferne zu suchen. Womöglich entdecken wir dann in unserem Leben und unserem so scheinbar völlig normalen und gewöhnlichen Alltag eine solch himmlische Qualität, die wir vielleicht nur noch in Erinnerungen aus unserer Kindheit kennen.

© Karlheinz Schudt
MärchenerzählerAutorSeminarleiter

Betrachtung Märchen: Im Paradiesgarten der Frau Holle

Fundevogel. Ein Märchen. Oder gemeinsam sind wir stark!

Fundevogel

„Es war einmal ein Förster, der ging in den Wald auf die Jagd, und wie er in den Wald kam, hörte er schreien, als ob’s ein kleines Kind wäre. Er ging dem Schreien nach und kam endlich zu einem hohen Baum, und oben darauf saß ein kleines Kind.“ …

Das ganze Märchen vom Fundevogel (KHM 51) aus der Sammlung
der Brüder Grimm von 1857 finden Sie mit einem Klick >>> H I E R <<<.

Wie immer verblüffen uns die wundersamen Geschehnisse in den Märchen, denen unser Verstand keinen Glauben schenken kann. Wie soll er auch, denn es liegt nicht in seinem Aufgabenbereich. Er ist mehr für das Erinnern, Strukturieren und Organisieren zuständig, aber nicht um intuitive Lösungen im Leben zu finden.

Vom Flüchten und Verdrängen,
von Chancen und Möglichkeiten!

Auch dieses Märchen zeigt uns keine historischen Figuren, sondern schildert sinnbildlich seelisch-spirituelle Prozesse, die sich in uns abspielen und die auf verdrängte oder ungelöste Geschehnisse, aber auch großartige Fähigkeiten und Möglichkeiten in unserem Inneren hinweisen.

Wenn ein Mensch seine Probleme nicht lösen kann oder will, dann flüchtet er vor ihnen oder verdrängt sie, was am Ende auf dasselbe hinausläuft. Doch flüchten oder verdrängen bedeutet, dass die Schwierigkeiten keinesfalls behoben sind und meist in kurzer Zeit wieder auftauchen werden, womöglich sogar noch massiver.

Fundevogel – Nur gemeinsam sind wir stark!

Und so finden wir unter anderem in diesem Märchen vom Fundevogel ein schönes Sinnbild, das uns zeigt, zu welchen Lösungsmöglichkeiten Verstand und Intuition gemeinsam imstande wären, wenn sie sich vereinen könnten.

Diese Verbundenheit wird in dem Sprüchlein „Verlässt Du mich nicht, so verlass ich Dich auch nicht“. „Nun und nimmermehr“, immer wieder von Neuem bekräftigt. Jener Spruch aber ist mehr als eine routinemäßige Bekundung zwischen „Tür und Angel“. Es ist ein lebenslanges Versprechen, eine tiefe Bejahung der eigenen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Einzigartigkeit und selbstverständlich die des anderen.

Dies kann aber nur von Erfolg gekrönt sein, wenn sich beide in Liebe vereinen. Nur so können sich ihre Kräfte ergänzen und entfalten. Denn wer sich der Liebe hingegeben hat, der kämpft nicht gegen einen vermeintlichen Feind, sondern für sein höchstes Lebensziel. Er richtet sein Augenmerk auf das, was es wahrhaftig gilt zu bewahren, zu erneuern und zu verwirklichen auf dem Weg zum Glück: die Liebe und Weisheit.

Was das Märchen vom Fundevogel noch alles an tiefen Weisheiten offenbaren kann und wie dies ganz praktisch für einen erfüllteren und glücklicheren Alltag angewandt werden kann, erfahren Sie in Kürze in dem im Verlag Märchenhaft leben erscheinenden Betrachtungs-Büchlein mit Meditations-CD zur Selbstbetrachtung.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen