Engel – kosmische Wesen oder süßliche Vorstellung?

EngelSind nun Engel jene kleinen, putzigen Wesen mit Flügelchen, die mit verklärtem, hochheiligem Blick auf vielen alten, aber auch modernen, meist spirituellen Gemälden, zu finden sind? Oder sind sie eher jene geschlechtslosen, menschenähnlichen, mit Flügeln versehenen Gestalten, so wie sie als Skulpturen in vielen Kathedralen und Kirchen dargestellt werden?? Oder was???

Unser menschliches Vorstellungsvermögen ist da recht begrenzt und reicht sehr oft nicht über die personifizierte, ganz individuelle Vorstellung hinaus. Dies mag mitunter daran liegen, dass wir durch die in der Vergangenheit geprägten künstlerischen und/oder kirchlichen Bilder von Engeln vom eigentlichen Wesen und Wirken jener „Kräfte“ abgelenkt werden, da wir SIE viel zu oft im Äußeren vermuten.

Nicht der Glaube ist entscheidend,
sondern das lebendige Wissen und Erleben im eigenen Herzen!

Anstatt die Beurteilung über ihre Existenz und ihr Aussehen allein Künstlern, Theologen, Geistlichen oder sogenannten Engel-Experten zu überlassen, wäre es doch viel sinnvoller, jene himmlischen Wesen in uns selbst wahrzunehmen und zu schätzen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Gott“. Sowohl gläubige Befürworter jener „Universellen Kraft“ als auch überzeugte Atheisten sind religiöse Menschen. Beide machen sich den Begriff Gott zum zentralen Thema. Sie sind nichts anderes, als zwei gegenüberliegende Extreme von ein und derselben Sache. Jeder ist überzeugt von dem, was er glaubt. Doch leider findet diese Überzeugung meist im Verstand statt. Der Glaube an sich, der weder bewiesen werden kann noch muss, ist somit reine Kopfsache.

Es sei denn, jemand glaubt nicht mehr, sondern weiß! Und dieses tiefe, lebendige Wissen, jene himmlische Offenbarung ist womöglich nur im Herzen eines jeden Menschen zu entdecken und braucht ebenso absolut keinen Beweis, schon gar keinen wissenschaftlichen!

Den Engeln ist es egal, ob wir an SIE glauben!

So ist es den Engeln oder Gott im Grunde völlig egal, wie wir SIE uns vorstellen, wo wir SIE wahrnehmen und ob wir überhaupt von IHRER Existenz überzeugt sind. SIE wirken einfach und natürlich! Ob und wie wir Menschen IHRE Inspirationen, Visionen, Weisheiten oder Kräfte empfangen und in welcher Intensität, hängt gänzlich von unserem unendlichen Vertrauen in den eigenen Lebensplan ab, dem Wissen von unserer individuellen Lebensaufgabe und der tiefen Sehnsucht nach unserem höchsten Lebensziel.

Kontakt zu einem Engel – wie macht es das Märchen?

Wie aber ist es in den Märchen? In den gesammelten Märchen der Brüder Grimm werden Sie nicht allzu viele Schilderungen von Engeln finden, so wie wir SIE uns gerne vorstellen. Eines von wenigen allerdings ist das unbekannte Märchen vom Vogel Phönix, KHM 75, aus der Grimmschen Sammlung von 1812. Darin steigt ein Jüngling zu einem sehr hohen Engel-Wesen empor, das ihm letztendlich hilft, seine Lebensaufgabe und sein Ziel zu verwirklichen.

Dieser Engel jedoch frisst alle Menschen auf, die ihm entgegentreten. ER verzehrt sie, da kein menschlich physischer Körper eine Konfrontation mit einem derart gigantischen Wesen aushalten könnte. So gibt es immer wieder Schilderungen, dass die Ausstrahlung eines Engels so mächtig ist, dass sie z. B. die Licht-Intensität unzähliger Sonnen übersteigt. Engel treten laut Überlieferung häufig in der Funktion von göttlichen und überwältigenden Boten auf, weshalb SIE oftmals „Fürchte Dich nicht!“ sagen (tönen, summen, donnern, jubilieren, …).

In diesem Märchen jedoch hat der Jüngling eine geistige Helferin, die sowohl einen fast gefahrlosen Kontakt zu ihm, wie auch zum Vogel Phönix, ermöglichen kann. Auf diese Weise lässt diese Helferin den Jüngling an dem tiefen Wissen jenes vogelähnlichen Engel-Wesens Anteil haben. Welche Voraussetzungen allerdings der Jüngling dafür mitbringen muss, erfahren Sie in dem Märchen.

Wenn Sie nun immer noch glauben, dass Märchen harmlose Geschichten sind, die man bestenfalls Kindern oder vermeintlich „naiven“ Erwachsenen erzählt, dann sollten Sie sich unbedingt einmal das Berufsbild eines Märchenerzählers oder einer Märchenerzählerin etwas näher anschauen. Es lohnt sich!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Was sind und wie wirken Naturgeister?

Naturgeist - was sind und wie wirken sie?In vielen Mythen und Märchen der Völker sind sie zu finden: jene Wesen, die auf das Geschick der Menschen einwirken können und die man gemeinhin als Elementar- oder Naturgeister bezeichnet. Wie immer gibt der Mensch jenen Elementar-Kräften ein Bild, damit er sie mit Worten fassen und verstehen kann. Doch wie sie jeder Mensch ganz individuell erlebt, sieht, hört oder fühlt, ist eine andere Sache und sollte nicht auf äußere und vorgegebene Bilder beschränkt werden, da dies die eigene Wahrnehmung sehr schnell trüben kann.

Naturgeister in den Märchen der Brüder Grimm

Als Naturwesen sind uns die Zwerge in Schneewittchen bekannt, die tief im Inneren der Berge nach Edelsteinen suchen und die Schätze der Erde bewachen. Im Märchen von der Nixe im Teich hören wir von einem weiblichen Naturgeist, der sich in den Tiefen des Gewässers nach menschlicher Nähe und Wärme sehnt. In der Gänsemagd wird uns sogar von einer jungen Frau erzählt, die sich mit Hilfe der Luft- und Windgeister einen Jungen vom Leib hält. Und im Märchen von der Kristallkugel wird von einem Feuervogel berichtet, der in sich ein glühendes Ei trägt und mit dessen Dotter, einer Kristallkugel, am Ende alles erlöst werden kann.

Leider haben die Menschen in Mitteleuropa zu den Elementar- oder Naturgeistern eine viel geringere Beziehung, als Menschen in Ländern wie z. B. Mexiko, Java, Island, Bali, Nepal, Guatemala. Das mag wohl mitunter am mitteleuropäischen Erziehungs- und Bildungssystem mit seinem äußerst kopflastigen Unterricht liegen. Eine Ausnahme in Europa bildet da wohl Irland. Dort wurden kostspielige Kurven beim Bau einer Straße um alte Bäume und Felsen gebaut, um die dort lebenden Naturwesen nicht durch Motorenlärm zu stören.

Der Schweizer Schriftsteller Erwin Jaeckle schrieb in einer modernen Fassung angelehnt an die Seligpreisungen im „Liber de Nymphis“ (Lehre der Elementargeister) von Paracelsus (Richtiger Name: Theophrastus Bombastus von Hohenheim. Er war Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker und Philosoph und lebte von ca. 1493 – 1541):

„Seliger wäre es, sich die Nymphen (Wassergeister) zu gewinnen, als ihre Gewässer zu vergiften. Seliger wäre es, den Geistern der Winde zu lauschen, als die Lüfte zu vergasen. Seliger wäre es, die Hüter unserer Schätze der Erde zu achten, als ihre Lager auszubeuten. Seliger wäre es, über den Feuern zu wachen, als sie in Atommeilern zu bannen.“

Naturgeister im Menschen

Doch jene Wesen sind nicht nur im äußeren Kräftespiel der Natur zu entdecken. Auch jeder Mensch hat diese Kräfte in sich. Wie kann es anders sein, da er ja selbst ein Teil der Natur ist.

Das Element Erde erleben wir im Bereich der Beine, des Unterleibes und der Genitalien. Hier hat unsere Leben spendende und schaffende Urkraft ihre Aufgabe.

Im Bereich der Bauchgegend oder Verdauungsorgane, dort wo die meisten Flüssigkeitsprozesse wirken, finden wir das Element Wasser. Dieses stetig wechselnde, veränderbare und fließende Element kann mit den menschlichen Gefühlen, Leidenschaften oder Emotionen verglichen werden. Jene wiederum bilden die Voraussetzungen für das schöpferisches Sein des Menschen.

Im Brust- und Lungenbereich finden wir das Element Luft, das uns durch das Ein- und Ausatmen immer wieder die Verbindung zwischen Himmel und Erde erleben und uns in Form von Tönen (Sprache) mit anderen kommunizieren lässt.

Und schließlich entzündet sich das Element Feuer, die Lebensfreude im Herzen eines Menschen, die so in Kooperation mit seinem Bewusstsein (Kopf = Krone) die Begeisterung entfacht.

Hier zeigt sich die alte Lehre des Makrokosmos – Mikrokosmos, die Goethe in seinem Gedicht so trefflich beschreibt:

„… Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, denn, was innen ist, ist draußen …“

So schildern uns die Märchen in vielerlei Varianten, dass Naturgeister keinesfalls irgendwelche magischen, abstrakten oder spinnerten Ausgeburten der menschlichen Fantasie sind, sondern Kräfte, die sich um den Menschen und im Menschen abspielen. Je mehr wir diese Kräfte bewusst wahrnehmen, sie anerkennen und mit ihnen, anstatt gegen sie leben, desto natürlicher, erfüllender, glücklicher und märchenhafter könnte unser Leben sein.

Mein Tipp:

Jeden Abend vor dem Schlafengehen ein Grimmsches Märchen lesen oder ein Volksmärchen aus einem anderen Land. Sie werden danach nicht nur besser schlafen und träumen, sondern die Wunder der Natur mit „ganz anderen“ Augen sehen. Ja und auch für so manches Problem im Alltag werden Sie eine ungewöhnliche Lösung erhalten.

Aber Achtung! So ungewöhnlich diese Lösung sein mag, so unvoreingenommen sollten Sie beim Empfang am Morgen sein. Wille und Verstand sind dabei äußerst unbrauchbar. Die brauchen sie später wieder, beim praktischen Umsetzen der Lösung im Alltag!

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg dabei!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen

Was haben Querdenker mit Märchen zu tun?

Was haben Querdenker mit Märchen zu tun?Wissen Sie was ein Querdenker ist? Meist denkt man bei diesem Begriff an einen Menschen, der sich nicht anpassen kann oder will und immer eine „Extrawurst“ braucht. Aber nein, es geht hier um Menschen, die über ihren „Tellerrand hinaus schauen“ und auch für schwierige Probleme im Alltag ungewöhnliche Lösungen finden können.

Jeder Mensch ist ein Querdenker

Eigentlich ist jeder Mensch ein Querdenker, denn bei Kindern ist diese Fähigkeit noch sehr stark ausgeprägt. Und da jeder Erwachsene einmal Kind war, trägt er diese Fähigkeit bis zu seinem Lebensende in sich. Querdenker können sich nämlich aus dem engen, scheinbar vorgegebenen Rahmen eines Problems befreien und dieses auf einer höheren, erweiternden Ebene betrachten und schließlich lösen.

Das spielerische Betrachten von Märchenbildern, also jener Figuren, Landschaften, Objekte und Wunder, die insbesondere als seelisch-spirituelle „Brücken“ in den Volksmärchen vorkommen, kann das intuitive Querdenken im Erwachsenen wieder anregen und in Kürze zu ungeahnten Höchstleistungen entfalten. Dies hat rein gar nichts mit schulischem oder universitärem „Pauken“ und „Büffeln“ zu tun.

Das Neunkronen-Problem. Machen Sie den Test!

Aber werden wir doch einmal ganz praktisch. Wenn Sie herausfinden möchten, wie stark Ihr Querdenken ausgeprägt ist, dann machen wir doch folgenden Test, den ich der Einfachheit halber das „Neunkronen-Problem“ nenne:

Intuitive und märchenhafte QuerdenkerSie haben nun die Aufgabe, diese neun Kronen mit einem Stift durch 3 gerade Linien zu verbinden, ohne den Stift abzusetzen.

Was meinen Sie, wie lange werden Sie brauchen? Versuchen Sie es und erinnern Sie sich an die eingangs erwähnten querdenkerischen Fähigkeiten, die in jedem Menschen schlummern und die mehr durch Intuition als Verstand zur Lösung beitragen.

Aber keine Angst, selbst wenn es nicht gleich oder womöglich gar nicht klappt. Das macht nichts. Es geht vielen so, da die meisten Menschen sich lange Zeit von dieser intuitiven Lösungsfindung seit ihrer Kindheit entfremdet haben oder seither mit dieser Möglichkeit kaum oder gar nicht konfrontiert wurden. Viel wichtiger ist die Offenheit und Bereitschaft, sich wieder diesen mehr „inneren“ Lösungsfindungen zuzuwenden und sie zu pflegen.

Und wie erwähnt, gerade Märchenbetrachtungen können dabei eine wertvolle Hilfe sein, sich mit Freude, auf spielerische und intuitive Art so mancher Lösung oder manchem offenbaren Geheimnis im Leben zu nähern, die/das meist viel näher liegt, als wir glauben.

Die Neunkronen-Lösung finden Sie übrigens hier:

Und wenn Sie es gar nicht mehr aushalten, dann dürfen Sie gerne einmal einen Blick auf die Lösung dieses Neunkronen-Problems werfen. Aber bitte – versuchen Sie es und geben nicht gleich auf! Bitten Sie lieber Ihr Innerstes (nicht den Verstand!), Ihnen bei der Lösungsfindung zu helfen.
>>> Zur Lösung – aber erst klicken, wenn es gar nicht mehr geht 😉 <<<

Mehr intuitives Querdenken durch Märchen-Betrachtungen

Ach ja, in Kürze wird Ihnen das Team vom „Märchenhaft leben“ Verein im Märchenshop eine Fülle von Märchen (Märchen aus Lothringen, Märchen gesammelt von den Brüdern Grimm, neue Weisheitsgeschichten, etc.) als eBooks und Broschüren präsentieren, die alle „querdenkerisch“ und sehr ausführlich betrachtet wurden.

Und das Beste daran ist, dass in jeder Broschüre eine CD dabei ist, auf der Sie das Märchen, vom Autor der Märchen-Betrachtungen gesprochen, hören. Gleichzeitig erhalten Sie auf dieser CD eine Anleitung, wie Sie selbst diese Märchen auf Ihre Weise innerlich erkunden, betrachten und für Ihren Alltag sinnvoll nutzen können:
>>> Hier geht’s zum Märchenshop „Märchenhaft leben“ <<<

Machen Sie die Märchen-Betrachtungen
zu Ihrem individuellen und erfüllenden Erlebnis!

Selbstverständlich kann kein Märchen vollständig erkundet werden, da es immer wieder neue Aspekte aufwirft. Es gibt keine allgemeingültige und über allen anderen stehende Deutung der Geschehnisse, die in den Märchen geschildert werden. Jeder Mensch sollte und wird seinem Entwicklungsstand gemäß einen eigenen Zugang zu diesen seelisch-spirituellen „Brücken“ finden.

Hier finden Sie kurze Auszüge von Märchen-Betrachtungen:

>>> Frau Holles Brunnen – vom Tor zum Ursprung der Dinge <<<
>>> Rotkäppchen – oder Gier fressen Seele auf <<<
>>> Wie die 7 Urbilder des Märchens und des Lebens heilsam wirken <<<

Daher können und wollen diese Betrachtungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und sollten mehr als Anregung dienen, sich selbst und immer tiefer mit den Märchen zu beschäftigen. Und je öfter, je offener und mit Freude man sich diesen Märchenbildern widmet, desto mehr geben sie – wie von alleine – von ihrer einfachen und natürlichen Weisheit preis. So lassen sie jeden Menschen aus dem offenbaren Geheimnis schöpfen, das im Brunnen des Lebens allen zugänglich ist.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Schreibkurs für kreative - kreativ schreiben lernen

Frau Holle Brunnen – das Tor zum Ursprung der Dinge

Frau Holle BrunnenNur wenige wissen, dass es sich beim Märchen Frau Holle aus der Sammlung der Brüder Grimm um eines von vielen Märchen und Sagen handelt, die sich dem Wesen oder den Aufgaben der Frau Holle widmen. Selbst wenn es sich bei der Grimmschen Fassung wohl um die bekannteste handelt, so findet man noch einen weitaus größeren Wirkungskreis, in denen dieses rätselhafte Wesen Frau Holle merkwürdigen Dingen nachgeht.

Um nur einige andere Märchen bzw. Sagen zu nennen, seien  hier „Die drei Wünsche“, „Die dreizehnte Kammer“ oder „Frau Holles Apfelgarten“ genannt.

Eine empfehlenswerte Lektüre dazu wäre:
Die Lebensgesichter von Frau Holle – Volksmärchen aus Deutschland.

Die Figur der Frau Holle kann verschiedene Gestalten annehmen. Mal ist sie jung und schön, ein andermal alt und hässlich. In jedem Falle aber kann sie belohnen oder bestrafen, je nachdem, wie sich die Menschen verhalten.

Das Tor zur Quelle, zum Ursprung der Dinge

Doch bleiben wir bei der uns wahrscheinlich am meisten vertrauten Version und schauen uns dort einmal einige Rätsel näher an. Das, was uns gleich etwas verwundert, ist wohl die Tatsache, dass ein Mensch in einen Brunnen springt und im Himmel wieder erwacht. Nun ist es ja nicht selten, dass uns gerade die wundervollen und unerklärlichen Geschehnisse in den Märchen auf eine höhere Ebene (Metaebene) der menschlichen Vorstellung führen, die für unseren Verstand nicht zu betreten ist.

Im Märchen Frau Holle müsste man eher von einem tieferen Erfassen sprechen, da es ja in den Brunnen hinab geht, und nicht, wie bei einem Turm, hinauf. Und doch haben die beiden Märchen-Bilder „Brunnen“ und „Turm“ etwas gemeinsam. Während der eine Prozess in die Höhe führt und schließlich den Ausblick, Überblick und Weitblick verschafft, führt der andere in die Tiefe, zur Quelle, zum Urgrund oder Ursprung der Dinge.

Dass dieser Urgrund durch das Element Wasser führt und schließlich alles anderes als dunkel, kalt und modrig ist, erkennen wir schon daran, dass das schöne und fleißige Mädchen im Märchen von der Frau Holle auf einer schönen Wiese erwacht. Darauf wachsen tausende Blumen und die Sonne lacht.

Herzensgüte und Mitgefühl, Habgier und Eitelkeit

Das Mädchen hat wahrlich nicht die besten Voraussetzungen, die man sich für jemanden wünscht, der ein Leben in Glück und Zufriedenheit führen möchte. Obgleich es schön und fleißig ist, gibt die Stiefmutter ihrer rechten Tochter, der faulen und hässlichen, den Vorzug.

Dass eine solche Voraussetzung nicht immer oder meist niemals der Garant für ein zufriedenes und glückliches Leben ist, wissen wir von unzähligen anderen Märchen. Denn schließlich geht es um Herzensgüte und Mitgefühl, nicht um Habgier und Eitelkeit. Und diese Eigenschaften haben immer die „Dummlinge“ und „Aschenputtels“ oder eben jene, die vom Leben nicht die (äußere) „Schokoladenseite“ abbekommen haben.

Keine Entwicklung ohne Mangel und Trennung

Wie im Leben, so ist es auch im Märchen. Bevor eine Entwicklung sich vollziehen kann, muss zunächst ein Mangel eintreten, der einen veranlasst, aus dem alten Zustand auszubrechen bzw. ihn zu verlassen oder zu verändern. Meist findet das unter Leid, Schmerz und Trauer statt.

So ist es nicht verwunderlich, dass die fleißige diesen Weg gehen muss, zumal sie auch nie so richtig zu diesem Haushalt der Stiefmutter (die alte Welt, der alte Zustand) zählte. Jene (Ersatz-) Mutter ließ ja nur ihre rechte Tochter gelten. Die schöne musste alle schlechten Arbeiten im Hause tun und hatte dort eigentlich keinen richtigen Platz.

Nun sollte man nicht dem Irrglauben verfallen, dass es sich bei dieser Schönheit um eine äußere handelt. Auch hier verwendet das Märchen Bilder oder Eigenschaften, die auf innere Ausstrahlung, einen feinen und verlässlichen Charakter schließen lassen.

Schicksal, Bestimmung und Lebensweg

Doch wenden wir uns dem Sprung in den Brunnen zu. Die Ursache war ja die verlorene Spindel oder Spule. Jenes spitzige Werkzeug, das zum Spinnen benötigt wurde und das man gerne mit einem Spinnrad verwechselt. Aber oft handelt es sich im Märchen um eine Handspindel. Diese war im Vergleich zum Spinnrad leicht zu transportieren und aufgrund ihrer Flexibilität bei jeder Tätigkeit, sogar beim Gehen, zu verwenden.

Bevor wir aber „in den Brunnen springen“ , sei nochmals auf die Tätigkeit des Spinnens hingewiesen, die übrigens wesentliches über den Prozess des Mädchens aussagen kann. Spinnen war immer eine Tätigkeit, mit der man aus einem groben, chaotischen und unstrukturiertem Faserknäuel einen wohl geordneten, richtungsweisenden und zielgerichteten Faden produzierte. So kommt das Spinnen im Märchen meist dann vor, wenn sich das Schicksal eines Menschen, seine Bestimmung oder sein Lebensweg offenbart bzw. offenbaren möchte.

Der Sprung in die andere Welt

Nun ist ja der Sprung in einen tiefen Brunnen, so wie er in diesem Märchen geschildert wird, alles andere als eine Empfehlung, die man Kindern machen würde. Oberflächlich betrachtet würde jede Mutter oder jeder Pädagoge eine solche Schilderung als äußerst gefährlich ansehen. Schließlich könnten doch die Kinder auf den Gedanken kommen, die Frau Holle auf diesem Weg einmal zu besuchen.

Doch Kinder können sehr wohl unterscheiden und wissen intuitiv sofort, dass dieser Brunnen kein Brunnen in der sichtbaren Welt ist, sondern ein Tor oder Zugang in eine andere Welt. Anders aber nur, weil sie nicht über das Verstandesbewusstsein zu erreichen und zu entdecken ist, sondern durch eben jenes kindliche Gemüt, das übrigens auch in jedem erwachsenen Menschen, ganz gleich wie alt er ist, zu finden ist, selbst wenn er es über Jahrzehnte hinweg immer wieder verdrängt hat.

Paradiesische Urtiefen oder himmlische Welten?

Jene „andere“ Welt oder Parallelwelt ist sehr wohl zu besuchen und nicht weniger reell, als die mit den Augen sichtbare. Allerdings erfordert es Offenheit, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Lebensfreude. Das sind alles Eigenschaften, die meist nur noch Kinder haben oder jene Figuren im Märchen, die, wie bereits erwähnt, unter die Kategorie Dummling oder Aschenputtel fallen. Alle anderen, die mit Berechnung, Verstand, Habgier und Kalkül in jene Welten treten, werden auf absehbare Zeit eine böse Überraschung erleben.

So ist der Weg in jene paradiesischen Urtiefen (oder himmlischen Welten?) jedem Menschen und zu jeder Zeit offen, er sollte sich aber zunächst klar machen, mit welcher Absicht er diesen Weg geht. An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, ob wir Menschen diesen Weg nicht schon längst gehen? Womöglich ist es uns nicht bewusst und wir erkennen und schätzen daher auch nicht die Weisheit und Hilfen jener Wesen, die uns auf diesem Weg beistehen. Und was wir nicht schätzen, das kann nicht oder nur sehr unzureichend wirken.

Was aber die beiden Mädchen nun bei der Frau Holle erleben und welche noch tieferen Geheimnisse sich dort für unser Leben offenbaren könnten, davon erfahren Sie mehr in der Märchenbetrachtung inkl. Bilderreisen-CD zur Selbstbetrachtung: „Im Paradiesgarten der Frau Holle“.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Im Paradiesgarten der Frau Holle

Rotkäppchen oder Gier fressen Seele auf!

Rotkäppchen, RotkaeppchenKennen Sie das Märchen vom Rotkäppchen? Jene scheinbar harmlose Geschichte, die von einem kleinen Mädchen berichtet, das von einem Wolf verschlungen wird und am Ende lebendig wieder heraus kommt? Dieses Märchen vom Rotkäppchen gehört wohl zu den bekanntesten Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm, aber auch zu jenen, die eine Menge Rätsel aufwerfen und dafür nicht selten unzählige Male belächelt, verniedlicht oder zynisch missbraucht wurden.

Mit dem ersten oberflächlichen Blick betrachtet, ist das wohl auch nicht verwunderlich,  denn wer hat schon einmal einen Wolf gesehen, der sprechen kann, gleichzeitig eine alte Frau verschluckt, anschließend ein kleines Mädchen verschlingt und am Ende beide wieder lebendig heraus lässt?

Der Weg des Menschen vom Ursprung zu den geistigen Wurzeln

Dabei ist dieses Märchen alles andere als harmlos, schildert es mitunter den Weg des Menschen vom Ursprung (dem Mütterlichen) zu seinen geistigen Wurzeln oder dem Ziel (dem Urmütterlichen).

Dass diese geistigen Wurzeln nicht mehr im Bewusstsein sind und in Vergessenheit geraten, zeigt der Hinweis, dass gerade die Großmutter, die Urmutter alles Ursprünglichen (hat nichts mit „Oma“ zu tun), nicht mehr im Besitz ihrer Kräfte ist und dringend neue Nahrung benötigt, um wieder zu gesunden und zu wirken.

Ob nun die Urmutter alles Ursprünglichen wirklich „krank“ ist oder sein kann, sei einmal dahingestellt, da jene Urkräfte eigentlich immer wirken und weder Gesundheit noch Krankheit kennen. Womöglich ist es der Mensch, der krank und schwach wurde, da er sich nicht mehr an jene Kräfte erinnert bzw. sich von IHNEN getrennt hat. Folglich lässt auch die Wirkung für ihn nach.

Die geistigen Kräfte wieder neu beleben

Und diesen Auftrag hat nun der Mensch bekommen, hier im Bilde des „unschuldigen“ Rotkäppchens. Er soll sie wieder mit Nahrung versorgen (Kuchen und Wein). Dabei geht es jetzt nicht um körperliches Mästen der Großmutter, sondern darum, dass er, der Mensch, sich wieder an jene Urkräfte erinnert, sie schätzt, achtet und neu belebt, damit sie auch wieder für ihn in vollem Umfang wirken können.

Dass dieses Unterfangen eigentlich gar nicht einmal so schwer gewesen wäre, zeigt schon der Hinweis, dass Rotkäppchen mit den wichtigsten Dingen ausgestattet ist, die nötig sind, um einen solchen Auftrag auszuführen: Urvertrauen und Selbstvertrauen.

Das Selbstvertrauen zeigt sich in der Äußerung Rotkäppchens, als die Mutter ihr jede Menge Belehrungen mit auf den Weg gibt. Und so antwortet Rotkäppchen, indem es der Mutter verspricht:

„Ich will schon alles gut machen!“

Seltsamerweise ist in all den Belehrungen der Mutter nicht erwähnt, dass sie sich vor dem Wolf in Acht nehmen soll. Kennt das Ursprüngliche dieses seltsame und gefährliche Wesen nicht?

Vom Wolf, der eigentlich gar kein Wolf ist

Wer sich schon ein wenig mit Märchen vertraut gemacht hat, der weiß, dass es sich bei jenem Wesen selbstverständlich nicht um ein wirkliches Tier handelt, sondern um ein Wesen, mit bestimmten Eigenschaften, die einem solchen Tier auch zu eigen sind. Und wenn man einmal einen Wolf beobachtet, wie er in der freien Natur seine Beute gierig zerreißt und verschlingt, dann ist der Schritt nicht mehr weit, zu erkennen, um welches Wesen im Märchen (und im Leben) es sich da wirklich handelt. Das Märchen schildert eben, in für das Vorstellungsvermögen des Menschen verständlichen Bildern, seelisch-spirituelle Prozesse.

Wer mit so viel Urvertrauen und Selbstvertrauen ausgestattet ist, der kann seinen Auftrag nicht verfehlen, es sei denn, er lässt sich von der oberflächlichen Schönheit verblenden (hier im Bild der schönen Blumen), von seinem Ziel ablenken und schließlich von SEINEM ureigenen Weg abbringen.

Nur die Angst bringt uns vom eigenen Weg ab

Und das weiß der Wolf oder die Gier. Er oder sie weiß aber auch, dass dies nur gelingen kann, wenn der Mensch auf seinem Weg die Angst kennen lernt. Und Angst bedeutet immer, dass man etwas verlieren könnte, am meisten das Urvertrauen, das Geliebt- und Geborgen-Sein.

Sobald die Angst das Wesen eines Menschen erfasst, ist er weder mit seinem wahren Ursprung (Woher komme ich?), noch mit seinem höchsten Ziel (Wohin gehe ich?) verbunden. Und wer ständig in dieser Angst lebt, und das tun wir Menschen leider viel zu oft, der hat sich bereits von seinem Ursprung und Ziel getrennt und kann nun in aller Ruhe vom Wolf oder der maßlosen Gier, Selbstsucht, Dunkelheit und allem, was jenes Wesen noch mit sich bringt, verschlungen und einverleibt werden.

Aber wie bei jedem echten und wahrhaftigen Märchen, gibt es auch hier ein Happyend. Wie es dazu kam und was uns die Bilder vom Rotkäppchen für unseren eigenen seelisch-spirituellen Weg noch zeigen könnten, soll an dieser Stelle zu einem anderen Zeitpunkt geschildert werden.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Betrachtung Märchen: Im Paradiesgarten der Frau Holle

Wie die 7 Urbilder heilsam wirken – Mit Märchen heilen, Teil 3

Wie Urbilder wirkenMärchen, wie auch Träume, sind in der Lage, seelische Zusammenhänge im Menschen anzusprechen und Wege zu Problemlösungen aufzuzeigen. Die Märchenbilder setzen sich über Blockaden und Ängste hinweg und verschaffen dem Menschen einen di­rekten Zugang zu seinem Unbewuss­ten.

Märchenbilder haben eine tiefe Verwandtschaft mit den indivi­duellen Gefühlen und Erlebnissen eines jeden Menschen und können so seinen Problemkern treffen und zur Klärung beitragen.

Was nun in psychologischen Kreisen seit Jahrzehnten mit Märchen praktiziert wird, findet neuerdings eine einzigartige seelisch-spirituelle Ergänzung in der therapeu­tischen Arbeit des Märchen- und Lichtimpulses in Vlotho. Die vom Urheber Jean Ringenwald entwickelte Märchentherapie wird seit Anfang der 80er Jahre erfolgreich prak­tiziert. Es ist keine medizinische The­rapie, sondern eine Therapie im ei­gentlichen Sinne des Wortes: Ein „heiliger“ Dienst am Menschen, eine Pflege von Seele und Geist.

Die Märchentherapie gründet auf einer möglichen Fassung des sogenannten Urmärchens „Die goldene Kugel“. Durch die sieben Stufen (nach Jean Ringenwald) hindurch beschreibt dieses Märchen den Weg des Märchenhelden aus sei­nem Elternhaus hinaus in die Welt, die ihn mit Prüfungen konfrontiert und aus denen er gestärkt hervorgeht. Am Ende jedoch er­reicht er in der Vereinigung mit seiner Braut das strahlende Glück, die Hochzeit und Krö­nung.

1. Der Königliche Ursprung (Urvertrauen)

Der königliche Ursprung, so heißt die erste Stufe des Urmärchens, be­ginnt mit der Geburt des Märchen­helden in einen, wenn auch manchmal nur sehr kurzen paradiesischen Zu­stand hinein. Dort erfährt der Märchen­held, wie auch das kleine Kind im Leben, die Kraft des Urvertrauens, die ihm sein ganzes Le­ben lang bleibt, auch wenn sie oft mit zunehmendem Alter vergessen wird.

2. Die Trennung und Verbindung (Selbstvertrauen)

Die zweite Stufe, die Trennung, zeigt dem Protagonisten, wie er sich von diesem para­diesischen Zustand ablösen kann. Er geht seinen Weg in die Welt hinein und lernt die polaren Kräfte kennen, wie z.B. „Gut“ und „Böse“, Licht und Schatten. Diese Trennung ist der erste Schritt zum Selbstvertrauen.

3. Helfer und Herzensprüfung (Mitgefühl)

Hat der Protagonist oder Märchenheld dieses Vertrau­en in sich errungen, trifft er in der dritten Stufe des Urmärchens seinen Helfer an, der ihn aus seiner Orientierungslosigkeit herausführt. Dies setzt aber Mitgefühl und Offenheit des Märchenhelden voraus. Ein un­scheinbarer alter, grauer Mann oder eine alte Frau stehen ihm oft bei in seiner Not. Aber nicht nur äußere Hel­fer begegnen ihm auf seiner Lebensreise, sondern ebenso innere Helfer, die das Märchen meist mit z. B. Zwergen, Naturgeistern und spre­chenden Tieren symbolisch beschreibt.

4. Kampf und Verwandlung (Vewirklichung)

Die vierte Stufe bildet das Zentrum und den Kern des Urmärchens: Kampf und Verwandlung. Der Märchenheld kämpft voller Mut mit dem Dra­chen, unterstützt durch seinen Helfer oder dessen Geschenk. Er verliert Kraft, aber letztendlich siegt er und erlöst somit seine Braut. An dieser Stelle klingt das sogenannte „Urmotiv“ des Todes und der Auferstehung an, das alle Mythen, Religionen und Schulung­swege der Welt durchzieht.

5. Die Rückkehr (Gleichgewicht)

Nach der Verwandlung oder Auferstehung findet in der fünften Stufe des Urmärchens die Rückkehr ins „verlorene Paradies“ oder ins goldene Schloss statt. In diesem Lebensabschnitt wird der Märchenheld noch­mals mit seinen sogenannten „düsteren“ Kräften kon­frontiert. Diesmal jedoch kämpft er nicht mehr, sondern hat sein höchstes Ziel voll und ganz im Blick. Er verbindet sich nicht mehr mit den alten Kräften, sondern nützt oder integriert sie, damit sie ihn noch schneller an sein Ziel bringen. Die polaren Kräfte helfen ihm nun, sein inne­res Gleichgewicht zu stärken.

6. Die Ankunft. Wahre oder falsche Braut? (Wachheit)

Die Ankunft im goldenen Schlosse behandelt die sechste Stufe des Urmärchens. Hier erwartet den Märchenhelden eine Prüfung, die große Wachsamkeit von ihm fordert. Nun hängt es von ihm ab, ob er das Neue annehmen oder sich wieder mit dem Alten verbinden möchte. Gelingt es ihm nicht, so fällt er in eine Art Dämmerschlaf, aus dem ihn nur noch die Liebe und Klugheit seiner wahren Braut erwecken kann.

7. Hochzeit und Krönung – Liebe und Weisheit! (Vereinigung)

Ist diese Hürde gemeistert, findet die glückliche Hochzeit und Krö­nung statt, die Wiedervereinigung von männlich/weiblich, die Versöhnung mit all dem, was man geliebt aber auch gehasst hat. Die Verbindung mit dem Göttlichen, von dem die aller­meisten Märchen berichten und die in der siebten Stufe des Urmärchens aus­gedrückt ist.

Die Basis der Märchentherapie:
die 7 Urbilder des Märchens und des Lebens

Die Märchentherapie begleitet den Menschen durch diese sieben Stufen des Urmärchens oder Lebens hindurch und hilft ihm so, seine ureigene Lebensaufgabe in sich selbst zu entdecken. Sie ermöglicht ihm anhand z. B. innerer Be­trachtungen (Einkehr, Meditation, etc.) das eigene höhere Ziel im Leben wahrzunehmen und es in stän­dig zunehmendem Kontakt mit der inneren Stimme, dem „Allerhöchsten“ in sich im Alltag mit Freude und Begeisterung zu verwirklichen.

Mehr über die 7 Urbilder erfahren Sie hier:

>>> „Märchenhaft leben“ Märchenzeitschrift zu den 7 Urbildern <<<
>>> Märchen „Die Goldene Kugel“ <<<
>>> Auf zum höchsten Ziel – die 7 Urbilder des Märchens und Lebens <<<
>>> Die Heilkraft der 7 Urbilder des Märchens (Lernprogramm) <<<
>>> Mit Märchen heilen – Die Heilwirkungen des Märchens <<<
>>> Die Märchen- und Licht-Therapie (Lernprogramm) <<<
>>> Die Geburt in der Wüste: Doppel-Hörbuch-CD <<<

Hier gehts zu den beiden ersten Teilen „Mit Märchen heilen“:

>>> Teil 2 <<<
>>> Teil 1 <<<

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Der Drache als Seelenbild

DracheSie wissen sicherlich, welche Schätze Drachen bewachen? Richtig, meist sind es Prinzessinnen oder gewaltige Schatztruhen. Nun ist ja ein Drache in den Märchen oder Sagen alles andere als die billige Kopie eines Dinosauriers oder das sensationsträchtige Produkt eines aus dem Hirn entsprungenen Hollywood – Filmemachers.

Drachen sind Wesen, die in unserer eigenen Seele hausen und die, weiß Gott, nichts anderes als all jene negativen Gedanken, Gefühle, Widerstände und Abneigungen symbolisieren, die wir im Laufe unseres Lebens angezogen oder sogar eintrainiert haben.

Das ist in der Regel nicht unbedingt eine Katastrophe, schließlich gibt es wohl kaum einen Menschen auf diesem Erdenrund, der von solchen einseitig emotionalen und  verstandesbetonten Extremen verschont wird. Aber wer sie verneint, verdrängt oder sogar bekämpft, der wird bald unangenehm bemerken, dass sie noch wuchtiger werden.

Der Drache als ein Bild unserer Seele

Doch wie wir ja wissen sind Drachen, bzw. die bildliche Vorstellung jener Wesen, aus unserer Fantasie entstanden. Schließlich kann der Mensch nur das verstehen, was er sich vorstellen kann. Und dafür sind Bilder meist eine geeignete Form, selbst wenn sie völlig unterschiedlicher Natur sind.

Sobald wir uns eine Vorstellung von jenen Wesen machen, dann müssten wir uns gleich bewusst sein, dass diese Imagination nur ein Versuch ist, unsere innere Welt damit ein klein wenig auszudrücken.

Und so wenig unsere Innenwelt auf Dauer zu verleugnen ist, so wenig lassen sich eben Drachen bekämpfen bzw. besiegen. Je mehr man gegen sie kämpft, desto mächtiger werden sie.

Wie kann man auch etwas bekämpfen, das in unserer Seele steckt? Denn je mehr wir unsere negativen Gedanken bekämpfen, verleugnen oder weghaben wollen, desto massiver werden sie sich zeigen und vor uns aufbäumen.

Den Drachen bekämpfen oder besser integrieren?

Doch wie können wir all jene negativen Gedanken sinnvoll integrieren, so dass sie uns ständige Helfer sind auf unserem Weg zum Ziel?

Und was können wir tun, damit wir jederzeit rechtzeitig erkennen, wenn der Drache wieder sein giftiges Feuer versprüht bzw. die negativen Gedanken unseren Alltag beherrschen?

In der asiatischen Kultur ist ein Drache eher ein helfendes Wesen, selbst wenn er eine gewaltige Zerstörungskraft in sich birgt. Die Hilfe jedoch kann erst dann dienen, wenn man ihn nun ständig im Blick behält und mit dem beschäftigt, was allen auch von Nutzen ist. Schließlich bleibt er ja ein Drache und verwandelt sich keineswegs in ein braves Schoßhündchen.

Die Prinzessin als Symbol für Schönheit und Inspiration

Nun ist uns ja bekannt, dass ein Drache besonders scharf auf Prinzessinnen ist. Mit anderen Worten könnte das bedeuten, dass die Prinzessin das Schöne und Inspirierende in uns ist. Der Drache allerdings, als Sinnbild unserer negativen Gedanken und Gefühle, beherrscht und unterdrückt sie und wird keinerlei Interesse zeigen, diese Vorherrschaft aufzugeben.

Es sei denn, er findet seine wahre Aufgabe, die allen dient. Und wenn dies nicht der Fall ist, dann sollten wir ein wenig nachhelfen.

Mein Tipp für den Alltag:

Beobachten Sie immer wieder Ihre Gedanken und Gefühle. Doch werten Sie nicht. Meist werden wir mit unserem inneren Drachen konfrontiert, wenn wir eine Botschaft unserer Seele missachtet, verdrängt, abgelehnt oder einen sonstigen inneren Mangel nicht genügend ernst genommen haben. Je früher wir das erkennen und rechtzeitig beheben, desto weniger wird der Drache an Macht gewinnen. Fragen Sie sich, wo könnte Ihr „Seelen-Drache“ sinnvoll dienen? Märchen und Weisheitsgeschichten können dabei besonders helfen!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Das Geheimnis von Sonne, Mond und Sterne

SonneSonne, Mond und Sterne sind seit jeher ein beliebtes Anschauungsobjekt für Forscher und Träumer. Doch was fasziniert noch heute die Menschen an diesen leuchtenden Himmelsgestirnen?

Ist es vielleicht die Sehnsucht nach der unendlichen Weite des Kosmos, in dem sich der menschliche Verstand vollkommen zu verlieren scheint? Oder ist es das immerwährende Licht, ein weit entferntes Ziel am Himmel, das es voll Sehnsucht zu erreichen gilt?

Der Kosmos als Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzung?

Unzählige Anstrengungen gab es bereits, diese Gestirne zu erforschen oder zu betrachten. Ob in der Raumfahrt, der Astronomie, Astrologie oder gar in den fantastischen Vorstellungen kreativer Produzenten von Science Fiction oder Fantasy-Filmen.

Dank modernster Computeranimation wird hier der Kosmos in Hollywood-Manier zu einem erweiterten Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen gemacht, wie z. B. in den Filmen: „Krieg der Sterne“ oder „Independence Day“. Gekonnt wird unerforschtes Gebiet, gemischt mit einer gehörigen Portion menschlicher Angst vor dem Unbekannten, zu Sensations-Kassenschlagern vermarktet.

Doch wie so oft sucht der Mensch die Faszination und vor allem das Geheimnis solcher Himmelsphänomene im Äußeren. Wenn man bedenkt, wie viel Anstrengungen heute die Menschen mit einer ausgeklügelten Technik damit verbringen, ihren Körper über diese Erde zu transportieren, zu nähren und zu unterhalten und wie wenig Aufmerksamkeit im Vergleich dazu sie den inneren Welten widmen, ist dies nicht verwunderlich.

Glücklich ist leider noch niemand damit so recht geworden und wenn das eine „Spielzeug“ nicht mehr seinen Zweck erfüllt, dann wird es weggeworfen und es werden die größten Anstrengungen unternommen, möglichst schnell ein „Neues“ zu finden.

Sonne, Mond und Sterne als Symbol einer inneren Realität

Sonne, Mond und Sterne sind aber viel mehr, als jene äußeren Himmelserscheinungen und ihr Geheimnis liegt nur zu einem kleinen Teil in ihrer Entfernung zur Erde, ihrer Größe oder Lichtintensität.

Schon seit Urzeiten waren Sonne, Mond und Sterne bei den Menschen besondere Zeichen einer inneren Realität, Symbole von inneren Lebensprozessen, die nicht selten in Form von Schmuck getragen oder künstlerisch dargestellt wurden (z. B. Bei den Mayas, Azteken, Ägyptern, Bogumilen, Kelten u.s.w.). Auch in vielen Märchen kommen diese Motive vor.

Insbesondere aus der Sammlung der Brüder Grimm finden wir z. B. in Sterntaler, bei den Sieben Raben, im Trommler und auch in der Wahren Braut Hinweise, die in Verbindung mit Sonne, Mond und Sterne auf innere Entwicklungs-Prozesse hinweisen.

Welche wundersamen Geheimnisse insbesondere die Märchen noch offenbaren können und wie diese ganz praktisch im Alltag zu mehr Glück, Liebe, Erfolg und Gesundheit führen können, erfahren Sie z. B. in den Sieben Urbildern des Märchens und des Lebens oder aber in der Märchen-ErzählerIn-Ausbildung.

Ich würde mich freuen, Sie einmal dort kennenlernen zu dürfen!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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Was hat die Goldene Gans mit Achtung und Mitgefühl zu tun?

Goldene GansDer beste Koch ist derjenige, der von den Düften seiner zubereiteten Mahlzeiten satt wird – so heißt es jedenfalls in manchen Kreisen. Aber wie kann ein Mensch sich von den Düften seiner Speise ernähren?

Dieser Vorgang ist zunächst nur dann zu verstehen, wenn man sich die Fähigkeit der inneren Verwandlungskraft vorstellen kann. So gibt es in vielen Märchen immer wieder Situationen, in denen schlichte Speise durch einen Vorgang der inneren Aktivität des Märchenhelden oder der Märchenheldin in eine edlere Speise verwandelt wird.

Die Goldene Gans als Lohn für Mitgefühl

>>> Hier gehts zum Märchen Goldene Gans <<<

Im von den Brüdern Grimm gesammelten Märchen die Goldene Gans bekommt der Dummling von seiner Mutter eine Flasche saures Bier mit auf den Weg und einen Kuchen, der war mit Wasser in Asche gebacken. Ohne zu klagen nimmt er diese Wegzehrung und teilt sie unterwegs mit einem seltsamen grauen Männchen, das ihn im Wald darum bittet.

Doch als er Speis und Trank aus seiner Tasche holt, da verwandelt sich beides in einen feinen Eierkuchen und eine Flasche köstlichen Wein.

Das Märchen versetzt den Leser durch solche und ähnliche Seelenbilder und Seelenprozesse immer wieder auf eine Ebene des Erkennens, die für den Verstand unerreichbar ist.

Nur durch die mitfühlende und teilende Bereitschaft des Dummlings, wird diese zunächst mindere Speise in „höhere Energie“ verwandelt. Ähnlich verhält es sich in den Schilderungen über die „Hochzeit zu Kana“ (Johannesevangelium). Dort verwandelte Jesus Wasser in Wein. Oder bei der „Speisung der fünftausend“ (Johannesevangelium). Hier genügte wenig Speise, um weitaus mehr Menschen satt zu machen, als augenscheinlich möglich gewesen wäre.

Mehr Bewusstsein für unsere äußere Nahrung!

Doch schauen sie sich einmal unsere Welt an. Gnadenlose Preisgestaltung von Landwirtschaftprodukten ermöglichen die egoistische Vernichtung von ganzen Getreide- und Obsternten.

Tiere werden für den maßlosen und billigen Fleischverzehr durch uns Menschen als gefühllose Massenwaren gehandelt. Ganze Landstriche werden erbarmungslos gerodet für den Anbau von einseitigen und höchst lukrativen Monokulturen, ohne jegliche Verantwortung dafür, was diese radikalen Umwelteinschnitte für die Zukunft der nächsten Generationen zu bedeuten haben.

Welche Wunde reißt dieses Handeln in eine Welt, in der Hunger und Durst mehr als 2/3 der Menschheit betreffen? Welches Bewusstsein für Nahrungsmittel allgemein und für die Schöpfung im besonderen muss in Menschen oder Organisationen stecken, die solche Taten vollbringen?

Die Nahrung degradiert innerlich und äußerlich zu einem Konsumgut. Regelmäßig im Abstand von wenigen Minuten sterben auf dieser Erde Kinder und Erwachsene an Hunger und Durst, obwohl doch allseits bekannt und bewiesen ist, dass mehr als genügend für alle Menschen auf dieser Erde bereit wäre.

Doch das bewusste Vernichten von Nahrungsmitteln in den Wohlstandsländern im Sinne einer lukrativen Wirtschaftlichkeit geht weiter. So ist die Produktion von Nahrungsmitteln eher auf Quantität (einseitige Monokulturen, Gentechnik, etc.) als auf Qualität (Kontrolliert biologische und regionale Produkte) ausgerichtet. Die Menge und die Schönheit der Produkte macht’s – nicht die Qualität.

Noch mehr Bewusstsein für unsere innere Nahrung!

Es soll ja Menschen geben, die mit wenig Nahrung auskommen, ohne dabei zu hungern und sich dabei trotzdem körperlich prächtig entwickeln. Das setzt natürlich eine hohe Qualität der Nahrung voraus, die diese Menschen zu sich nehmen. Noch mehr aber das Bewusstsein und das unerschütterliche Vertrauen in eine innere Kraft, deren Motor nichts anderes als die allumfassende Liebe ist.

„Unglaublich“, denken Sie?

Vielleicht, aber haben Sie selbst einmal die Erfahrung gemacht, mit knurrendem Magen an einem spärlich gedeckten Tisch zu sitzen. Völlig unerwartet kamen noch andere hungrige Menschen dazu, mit denen Sie die vorhandene Menge Essen von Herzen geteilt haben. Ihr Hunger wurde plötzlich auf unerklärliche Weise kleiner oder verschwand gänzlich.

Unterwegs mit der Goldenen Gans

Sollten Sie vielleicht gerade den tiefen „Hunger“ verspüren, mehr Vertrauen, Mitgefühl und Zuversicht als Hobby-, neben- oder hauptberufliche/r MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn in die Welt und unter die Menschen bringen zu wollen, dann zögern Sie nicht lange. Ziehen Sie einfach los und nehmen Ihre Goldene Gans mit. Sie könnten gleich hier und heute damit beginnen!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Wie Dornröschen hilft, Deinen Traum zu leben!

Dornröschen - Märchen gesammelt von den Brüdern Grimm

Als Tschuang Tschou nach seinem Traum unter einem Baum erwachte, so sprach er zu sich:

„Im Traum da war es mir, als ob ich als Schmetterling durch die Lüfte flog. Nun weiß ich nicht, bin ich jetzt ein Mensch, der träumte ein Schmetterling zu sein, oder bin ich ein Schmetterling, der träumt ein Mensch zu sein?“

Gleichnis des altchinesischen Philosophen Zhuangzi

Die Realitäten sind also recht verschieden und manch einer entdeckt, dass der Traum eine Menge Aufschluss über das innere Wesen eines Menschen geben und demzufolge positiv das Alltagsgeschehen beeinflussen kann.

Im Grunde ist es eine Frage des „Schlüssels“, den ein Mensch benützt, um in diesen Welten sich zurechtzufinden. Die Traumwelt ist kein notwendiger Umstand unseres Schlafes, sondern die Botschaft einer Welt, die sich jenseits unseres rationalen Vorstellungsvermögens befindet und durchaus auch bewusst betreten werden kann.

Diese oder eine ähnliche Welt finden wir ebenso in den Märchen. Gerade in dem Märchen Dornröschen geht es ja auch um den Schlaf, das Verschlafen und den Zustand danach, den man gemeinhin als Erwachen oder Bewusstsein bezeichnet.

Dornröschen und die Brüder Grimm

So berichten die Brüder Grimm in der von ihnen bearbeiteten Dornröschen Fassung aus dem Jahre 1857:

„…Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf, und gelangte zu einer kleinen Türe. In dem Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel …“

>>> Klicken Sie hier für den vollständigen Märchentext von 1857 <<<

In der Urfassung von Dornroeschen – also jener, wie sie die Brüder Grimm mündlich überliefert bekamen – heißt es im Jahre 1810:

„… so ging sie im Schloss herum und gelangte endlich an einen alten Turm. In den Turm führte eine enge Treppe, da kam sie zu einer kleinen Tür, worin ein gelber Schlüssel steckte…“

>>> Klicken Sie hier für den vollständigen Märchentext von 1810 <<<

Das Märchen als Schlüsselerlebnis zum Erwachen

Oberflächlich betrachtet könnte man an diesem „Schlüssel-Erlebnis“ nichts Ungewöhnliches entdecken. Schlüssel ist Schlüssel und die Funktion liegt eben darin, etwas Verborgenes aufzuschließen, sichtbar zu machen, am allerliebsten, wenn es noch – wie in so manchen Märchen – verboten ist.

Dennoch erleben wir hier zwei völlig gegensätzliche Schlüsselqualitäten. Ein verrosteter Schlüssel weist eher auf etwas altes, sterbendes, sich auflösendes und vergangenes hin, wohingegen ein gelber Schlüssel den Hinweis auf etwas neues, aufbauendes, lichtes und zukünftiges gibt.

Da wäre gleich die Frage an uns selbst zu stellen, mit welchem Schlüssel wir gerne unser Bewusstsein aufschließen und mit welchen Qualitäten wir unser Bewusstsein füllen.

Sind es die Gedanken, mit denen wir uns immer und immer wieder an unseren scheinbaren Mangel, unsere Krankheiten und unsere Unfähigkeit erinnern oder lenken wir lieber unsere Gedanken und Gefühle auf das, was uns voranbringt, aufbaut und Vertrauen schenkt?

Der Mensch ist im Grunde Gott,
der träumt, ein Mensch zu sein.

Das seelisch-spirituelle Erwachen ist heute keinesfalls mehr in irgendwelchen Einweihungsstätten, Kraftorten oder heiligen Zentren zu finden, sondern ganz praktisch im Alltag und im Denken und Fühlen, wie jeder Mensch sein eigenes Leben einfach und natürlich gestaltet und Mitgefühl für sein Umfeld aufbringt.

Nicht wenige Zeitgenossen und -genossinen verschlafen ihr Erwachen in den höchsten geistigen Höhen und warten noch immer vergeblich, bis der Königssohn sie wach küsst. Die so viel gepriesenen und angestrebten spirituellen Höhen sind eben nicht irgendwo, meist weit, weit weg zu finden, sondern im oftmals so scheinbar eintönigen und langweiligen Alltag.

Fangen wir also an, unseren Alltag zu einem Fest zu machen. Schätzen und bejahen wir die alltäglichen und allnächtlichen Dinge und sie werden ganz von alleine ihre tiefsten Geheimnisse offenbaren.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

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