Warum die Hummel nach Ansicht der Wissenschaft nicht fliegen kann …

Die Hummel fliegt doch!Wussten Sie schon, dass die Hummel eigentlich gar nicht fliegen kann? Nein? Nun, nach wissenschaftlich-flugtechnischen Erkenntnissen des Menschen ist ihr Körper im Verhältnis zu ihren Flügeln viel zu schwer, so dass sie gar nicht erst vom Boden abheben kann. Dem Himmel sei Dank, dass die Hummel dies nicht weiß. Sie fliegt einfach!

Warum immer so kompliziert?

Es ist doch erstaunlich, wie kompliziert wir Menschen uns doch das Leben immer wieder machen! Erinnern Sie sich noch, wie mühsam Sie damals als Kind laufen gelernt haben? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber wenn Sie kleine Kinder heute anschauen, wie sie laufen lernen durch Hinfallen, Aufstehen, Hinfallen, Aufstehen …, dann ist dies doch die natürlichste Sache der Welt.

Kein Kind käme jemals auf die Idee, zu glauben, es würde nie laufen lernen. Es muss also im Innersten seines Wesens überzeugt sein, dass es Erfolg haben wird. Und Recht hat es! Also lernt es auch laufen.

Das Bewusstsein der Erde

Ein anderes Beispiel: In immer mehr Kreisen spricht man heute von einem „Bewusstsein der Erde“. Stellen Sie sich einmal vor die Erde würde von heute auf morgen sagen: „Nun habe ich keine Lust mehr, Erde zu sein. Ich habe schon viel zu lange die Materie verdichtet und zusammengehalten für eine so genannte intelligente Schöpfung, die mich doch nur gnadenlos ausbeutet und zerstört. Ich hab’s satt, ich löse mich auf!“

Dummer Gedanke? Vielleicht, aber Tatsache ist, dass die Erde seit undenklichen Zeiten Ihre Aufgabe beharrlich vollzieht und die Basis gerade durch den Zusammenhalt der Materie auch für die körperliche und seelisch-geistige Entwicklung des Menschen bereitet.

Nichts wie weg!

Aber wie verhalten wir so genannten erwachsenen Menschen uns bei Schwierigkeiten? Wie schnell werfen wir bei jedem kleinen Problem die Flinte ins Korn, anstatt es als Wegweiser für den schnellsten und besten Weg zum Ziel zu sehen? Wir gehen meist davon aus, dass das Leben oder die Schöpfung uns unvollständig, falsch und äußerst fehlerhaft geschaffen hat.

Daher meinen wir, jemanden zu brauchen, der uns sagt, was für uns richtig ist und der unsere scheinbaren Probleme löst. Wie enttäuscht oder gar wütend sind wir dann, wenn auch von dort die Lösung nicht kommt oder gar alles noch komplizierter und undurchschaubarer wird: in der Politik, der Wirtschaft, dem Gesundheitswesen, der Pädagogik oder im spirituellen Leben (Religion, Weltanschauung, etc.).

Welche Konsequenzen nehmen wir auf uns?

  • Sind wir wirklich weiser geworden oder haben wir nur neue (Lehr-)Meinungen, Weltanschauungen und Vorurteile aufgeladen?
  • Sind wir wirklich liebevoller und glücklicher geworden oder haben wir uns mit immer neuen äußeren Vergnügungen und Ablenkungen beschäftigt?
  • Sind wir wirklich erfolgreicher geworden oder nur ein paar Schritte auf der Gehaltsstufe bzw. Karriereleiter nach oben gerutscht?
  • Sind wir dadurch wirklich gesünder geworden oder ist unser Medikamentenschrank noch voller geworden?

Anstatt wirklich frei und glücklich zu werden, fühlen sich viele Menschen als „arme Sünder“ in diesem „irdischen Jammertal“ und leben Tag für Tag in dem Glauben, dass es reiche und arme Menschen geben muss. Doch die Natur zeigt uns etwas ganz anderes: Sie produziert alles in Überfülle. Viel mehr als überhaupt nötig ist!

Die Hummel kümmert sich um keine Meinung – sie fliegt einfach!

Auch die Hummel kümmert sich nicht um irgendeine Meinung, schon gar nicht darum, ob sie nun nach menschlicher Vorstellung fliegen kann oder nicht. Es wird ihr nicht einmal gesagt, ob sie dies auf dem Kopf, auf einem Beinchen oder mit einer besonders demütigen Haltung vollziehen sollte. Sie tut es einfach. Einfach so! Und mit welcher Ruhe, mit welcher Kraft und Ausdauer! Ob aus Spaß an der Freude, aus Instinkt, aus göttlicher Voraussicht, aus einem Überlebensdrang heraus – ganz egal, die Gründe sind überhaupt nicht wichtig für sie. Sie folgt einfach ihrer inneren „Lebens-Sehnsucht“.

Den ureigenen Weg gehen!

Auch jedes echte Märchen zeigt dies immer wieder aufs Neue: Die Märchenheldin oder der Märchenheld, meist der von anderen ausgeschlossene und verlachte Dummling, fragt sich niemals, in welche Schwierigkeiten er denn während seines Lebens geraten könnte.

Er geht seinen Weg voller Vertrauen auf das Gelingen all seiner Vorhaben. Aber nicht mit einem Kopf voller Meinungen, Vorurteile und Wissen, sondern mit einem freudigen Gemüt, einer gehörigen Portion Mitgefühl für die Welt und mit der Bereitschaft, von Herzen ungewöhnliche und lebensbejahende Lösungen zur Bewältigung anstehender Krisen zu finden – und er/sie kommt damit immer ans Ziel und wird ein/e weise/r und liebende/r König oder Königin.

Warum die Hummel nun tatsächlich fliegen kann und woraus der Märchenheld und die Märchenheldin ihre ungewöhnlichen, lebensbejahenden Lösungen und ihr Vertrauen in die Welt schöpfen, das ist ein offenes, einfaches und völlig natürliches Geheimnis, das uns meist näher ist, als der eigene Atem.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Erzählerkurs, Lernprogramm Märchen erzählen lernen

Eine Geschichte über den Ort, an dem es keine Probleme mehr gibt.

Probleme Türen für ein noch erfüllteres LebenNeulich traf ich einen Bekannten, der jammerte und schließlich ganz verzweifelt sprach: „Ach hätte ich doch keine Probleme mehr! Mein Leben könnte so ruhig sein!“ Zunächst konnte ich sein Anliegen ganz gut verstehen, aber kurz danach wurde ich doch stutzig und dachte über den tieferen Sinn der menschlichen Probleme nach.

Sind es nun irgendwelche Strafen, welche die „Schöpfung“ für die Dummheiten seiner Kreaturen vorgesehen hat oder Konsequenzen eines menschlichen Erfahrungs- bzw. Entwicklungsprozesses, der eigentlich als Wegweiser dienen könnte, um endlich für das wahre Ziel wach zu werden, anstatt die Ignoranz von „gestern“ in einem „neuen Kleid“ zu wiederholen?

Gleich darauf erinnerte ich mich an folgende Geschichte, die ich meinem Bekannten auf sein Jammern hin erzählte:

„Eines Tages traf ich einen recht wohlhabenden Freund. Er machte einen niedergeschlagenen Eindruck und als ich ihn fragte, was er auf dem Herzen habe, da antwortete er: ‚Ach, ich fühle mich so elend. Jeden Tag nichts als Probleme.‘ Und er schilderte mir alles bis ins einzelne, so dass ich mich selbst nach einigen Minuten des Zuhörens tot unglücklich fühlte. ‚Wenn Du mir hilfst,‘ so sprach er weiter, ‚meine Probleme loszuwerden, dann verspreche ich Dir, regelmäßig Geld an einen wohltätigen Verein zu spenden‘.

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und ich erinnerte mich an einen Ort, der tausende von Menschen beherbergt und von dem ich glaubte, das dort keiner ein Problem mehr hat. Mein Freund war begierig, diesen Ort sofort zu besuchen und wir machten uns beide gleich auf den Weg. Nach einem kurzen Fußweg kamen wir ans Ziel und durchquerten schließlich die Eingangspforte des städtischen Friedhofes.“ 

(Verfasser der Geschichte unbekannt,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

„Ach, ich werde mir doch mächtig fehlen, wenn ich einst gestorben bin.“
(Kurt Tucholsky)

Ob nun die Seelen jener verstorbenen Menschen, deren leibliche Hüllen unter der Erde gebettet sind, wirklich keine Probleme mehr haben, ist Ansichts- und Glaubenssache. Für uns noch lebende scheint es jedenfalls so, als ob es im Jenseits keine Probleme mehr gäbe und es ist wohl auch noch niemand in seiner leiblichen Gestalt von dort zurück gekommen, der uns davon hätte berichten können.

Doch sieht man einmal von dererlei Mutmaßungen und Glaubensanschichten ab und wendet sich den noch lebenden Menschen zu, dann können Probleme durchaus „Türen“ in ein noch erfüllteres Leben sein. Je wacher und offener sich ein Mensch in solchen Krisensituationen für seine Umwelt und besonders seine Innenwelt zeigt, desto schneller können sich auch Lösungen für meist festgefahrene Probleme im Alltag offenbaren.

Und wie im kleinen, so verhält es sich auch im großen. Nahezu alles hängt davon ab, ob wir nun die „Dummheiten“ von gestern in einem „neuen Kleid“ oder besser gesagt, in einer „neuen Zwangsjacke“ wiederholen und das Wohl und Wehe der Menschheit weiterhin von umweltzerstörenden, gewinnmaximierenden wirtschaftlichen Interessen abhängig machen, oder aber von der Freiheit im Geist, der Gleichheit im Menschlichen und der Brüderlichkeit (Schwesterlichkeit) im Wirtschaftlichen.

Neue Wege gehen und ungewöhnliche Lösungen finden!

Dass schon längst andere Wege möglich wären, zeigt eines von vielen, aber sehr entscheidenden Beispielen aus der Vergangenheit:

Nikola Tesla (Geboren 1856 in Smiljan, Österreich-Ungarn, gestorben 1943 in New York) war ein serbisch-stämmiger Erfinder, der 1884 in die USA emigrierte und der zur Nutzbarmachung des Wechselstroms durch die Erfindung des Wechselstrommotors beitrug. John Pierpont Morgan (ab 1895 J. P. Morgan & Co firmierendes Bankhaus) spielte eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung der Forschungen von Nikola Tesla. Unter dem Vorwand einen extrem leistungsfähigen Rundfunksender schaffen zu wollen, ließ Tesla sich den Bau des Wardenclyffe-Towers finanzieren.

Tesla selbst glaubte allerdings daran, auf diese Weise drahtlos über die Ionosphäre (Teil der Atmosphäre eines Himmelskörpers, der große Mengen von Ionen und freien Elektronen enthält) elektrische Energie verteilen zu können, die dann von jedem Punkt der Welt kostenlos abgegriffen werden könnte. Als Morgan davon erfuhr, zog er seine Finanzierung zurück und soll das ganze mit den Worten kommentiert haben: „Gratis Strom gut und recht, wo bring ich aber den Stromzähler für den Kunden an“.

Tesla wird nachgesagt, dass er über nicht publiziertes Wissen bezüglich freier Energien verfügt haben soll. Immerhin wurden seine Aufzeichnungen nach seinem Tod 1943 beschlagnahmt und sie sollen noch heute –  wider allem aufklärerischen Denken – unter Verschluss gehalten werden.

(Weitere Informationen darüber z. B. in Wikipedia)

Probleme dienen dazu, das eigene Leben erst recht zu ergreifen!

Wie immer ist es ein leichtes, „die Bösen“ als Verursacher der eigenen Probleme woanders zu suchen. Aber jeder Mensch weiß im Grunde seines Herzens, dass bei jeder Verwirklichung einer Idee, eines Projektes, eines Lebenswerkes und nicht zuletzt bei der ganz „gewöhnlichen“ Bewältigung des Alltags der Widerstand oder die Probleme nicht lange auf sich warten lassen.

Kein Tesla, kein noch so bekannter oder unbekannter Erfinder und auch sonst kein Mensch würde etwas Ungewöhnliches oder Außergewöhnliches auf die Beine stellen, wenn er sich gleich von Hinderungen oder negativen Meinungen in der Öffentlichkeit davon abhalten ließe. Und viele auf diesem Gebiet erfahrene „alte Hasen“ sagen sogar, je mehr Gegenwind oder Probleme man auf diesem Weg hat, desto sicherer kann man sein, dass es der richtige Weg ist! Selbst wenn es auch für den Moment nicht den erhofften Erfolg bringt, den man sich dabei wünscht, so kann letztendlich niemand sagen, wie sich diese Bemühungen zum Wohl der Menschen in Zukunft auswirken werden. Denn nicht selten sind Personen, die sich gerade in Zeiten der maßlosen Veräußerlichung ihren innersten Offenbarungen öffnen, weit ihrer Zeit voraus.

Ergreifen wir also mit Herz und gesundem Menschenverstand das eigene Leben mit all seinen Offenbarungen, Problemen und Lösungen und bleiben uns dabei selbst treu! Wie das geht, zeigen uns sinnbildlich unzählige Märchen und Geschichten.

Wie auch Sie als Geschichten- und MärchenerzählerIn mehr Zuversicht, Kreativität, außergewöhnliche Lösungsbereitschaft und Lebensfreude unter die Menschen bringen können, erfahren Sie in der Ausbildung zum(r) Märchen- und GeschichtenerzählerIn oder im Lernprogramm „Märchen erzählen lernen beginnt schon zu Hause“.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter
Erzählerkurs, Lernprogramm Märchen erzählen lernen

 

Wie der Wein zu Wasser wurde. Eine Geschichte

Wein zu WasserVom Wein, der zu Wasser wurde …

Einmal beschlossen die Bauern, dass ein jeder für ein großes Fest eine Flasche Wein mitzubringen hatte. Der Wein dieser Flaschen sollte dann in ein großes Fass als Zeichen der Gemeinsamkeit geschüttet werden. So geschah es dann auch. Wie in einer feierlichen Prozession zogen die Festgäste vorüber und leerten ihre Flaschen in das große Fass. Als nun alle mitgebrachten Flaschen zusammengegossen waren, wurde ausgeschenkt. Dann erhob man sich von den Plätzen und prostete sich feierlich zu.

Doch als die Bauern den ersten Schluck getrunken hatten, blickten sie sich alle mit einem verdutzen Blick an und schauten schließlich beschämt zur Erde. Das vermeintliche Weingemisch, zu dem jeder seinen Anteil beigetragen hatte, war nichts anderes, als pures Wasser.

(Nach einer Lehrgeschichte)

… und vom sauren Bier, das sich in einen köstlichen Wein verwandelte!

Kennen Sie das Märchen von der Goldenen Gans aus der Sammlung der Brüder Grimm? Nein, dann klicken Sie >>> HIER <<<! Es hat zwar nicht unbedingt eine direkte Verwandtschaft mit der obigen Lehrgeschichte, aber es kommt ein Motiv darin vor, das schön veranschaulicht, was es heißt, mit vollem Herzen zu geben, anstatt aus Geiz und Angst vor Mangel zu nehmen.

Drei Brüder ziehen unabhängig voneinander in den Wald, um Holz zu holen. Jeder der beiden Älteren erhält von der Mutter einen feinen Eierkuchen und eine Flasche guten Wein als Wegzehrung mit. Da sie aber nicht bereit sind, unterwegs ihren Proviant mit einem alten Männchen zu teilen, erhalten sie am Ende ihren verdienten Lohn. Jeder muss verletzt, angeschlagen und unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück kehren.

Der Jüngste aber, den alle den Dummling nannten, erhält von der Mutter einen Aschekuchen und eine Flasche saures Bier als Wegzehrung mit und muss schon einiges tun, damit der Vater ihn überhaupt in den Wald ziehen lässt. Er jedoch zeigt unterwegs bedingungsloses Mitgefühl und ist gerne bereit, mit dem Männchen seine karge und nicht gerade appetitliche Wegzehrung zu teilen. Wie er aber den Aschekuchen aus seiner Tasche zieht, so ist’s plötzlich ein feiner Eierkuchen und das saure Bier ein köstlicher Wein. Und schließlich erhält er sogar noch als Belohnung vom alten Männchen den Hinweis, wie er sein Glück finden kann.

Nun sollte man allerdings nicht glauben, dass dieses „Belohnungs-Prinzip“ von Geben und Nehmen berechnend funktioniert. Die „Schöpfung“ ist weise genug, um diejenigen zu durchschauen, die derartiges mit Kalkül betreiben wollen. Wer also mit offenen Augen, mitfühlend und voller Vertrauen in die Welt zieht, dem wird es wohl wie dem Dummling ergehen, der am Ende sogar König wird.

Hätten die Bauern in der obigen Lehrgeschichte nur ein wenig von dieser Herzens-Qualität des Dummlings gehabt, sie hätten gewiss den besten Wein erschaffen, den keiner der Anwesenden sich jemals zu erträumen wagte.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

eBook Im Paradiesgarten der Frau Holle

Eine Geschichte von großem Mut und wahrer Stärke

Geschichte von wahrer Stärke

Eine Geschichte von wahrer Stärke

Durch eine Oase ging ein finsterer Mann. Er war so unzufrieden mit sich und gehässig zu den anderen Menschen, Tieren und Pflanzen, dass er nichts Gesundes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben. Am Rande der Oase stand eine junge Palme in bestem Wachstum. Als der Mann diese sah, konnte er nicht umhin, sie zu quälen. So nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem höhnischen und  bösartigen Lachen verließ er den Ort.

Die junge Palme schüttelte und bog sich und versuchte, die Last abzuwerfen. Doch vergebens, zu fest saß der Stein in der Krone. Da krallte sich der junge Baum tiefer in den Boden und stemmte sich gegen die schwere, steinerne Last. Er ließ seine Wurzeln so tief ins Erdreich hinein wachsen, dass diese die verborgene Wasserader der Oase erreichten. Die junge Palme konnte so den Stein hochstemmen und ihre Krone reichte nun weit hinauf. Wasser aus der Tiefe und Sonnenlicht aus der Höhe machten eine königliche Palme aus dem jungen Baum.

Nach Jahren kam der finstere Mann wieder, um sich – wie er meinte – an dem Krüppelbaum zu erfreuen. Er suchte vergebens. Da senkte plötzlich die schönste und höchste Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte. „Mann, ich muss Dir danken. Deine Last hat mich stark gemacht.“

(Nach einem afrikanischen Märchen,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Herausforderungen meistern!

Auch wenn uns das Leben zuweilen „schwere Lasten“ auflädt, so heißt das noch lange nicht, dass wir dem nicht gewachsen sind. Und dass eine solche Last nicht (nur) Mühsal, Ärgernis oder Schicksal ist, sondern in erster Linie Herausforderung, um innerlich und äußerlich zu wachsen, zeigt sehr anschaulich und sinnbildlich die obige Geschichte.

Herausforderung, Erfüllung und Berufung mit Zukunft:
MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn

Wenn auch Sie den Wunsch in sich spüren, als MärchenerzählerIn oder GeschichtenerzählerIn „zu wachsen“, Ihren Alltag zu bereichern und andere Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, damit zu beglücken, dann informieren Sie sich doch ausführlicher über diesen Weg zu einer erfüllenden Berufung (als Hobby, neben- oder hauptberuflich).

Viel Erfolg und Freude damit!

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Wie lerne ich Aufmerksamkeit?

Aufmerksamkeit - eine GeschichteEines Tages kam eine Frau (es könnte selbstverständlich auch ein Mann gewesen sein) zu einem Weisen und sprach: „Lehre mich einige Grundregeln der Weisheit“. Der Weise lächelte, ergriff Papier, Tinte und Feder und schrieb einmal mit großen Buchstaben: „Aufmerksamkeit“. „Ist das alles?“, rief die Frau ganz erstaunt. „Wollt Ihr nicht noch etwas hinzufügen?“ Der Weise nahm abermals das Papier zu Hand und schrieb nun zweimal hintereinander dieses Wort „Aufmerksamkeit“. „Nun“, knurrte die Frau sichtlich verärgert, „ich kann wirklich nicht viel Geistreiches in dem finden, was Ihr geschrieben habt“. Daraufhin schrieb der Weise dreimal hintereinander „Aufmerksamkeit“. Wütend verlangte die Frau nun zu wissen: „Was bedeutet dieses verflixte Wort überhaupt?“ Da lächelte der Weise und antwortete ganz sanft: „Aufmerksamkeit bedeutet Aufmerksamkeit“.

(Lehrgeschichte, Ursprung unbekannt,
bearbeitet von Karlheinz Schudt)

Sei einfach aufmerksam!

Aufmerksamkeit ist eine Fähigkeit, die heutzutage tatsächlich nur noch sehr wenige Menschen schätzen. Viel zu leicht lassen wir uns von Äußerlichkeiten, Trends und Massenmeinungen ablenken, um nur nicht auf unser Innerstes hören zu müssen. Dabei ist es gar nicht einmal so schwierig, sich nach innen zu wenden und dort Kraft und Motivation für die positive Bewältigung vieler Herausforderungen unseres Lebens zu finden.

Je öfter ein Mensch nach Innen geht und seiner Herzens-Stimme lauscht, desto mehr findet er Ruhe und Gelassenheit, insbesonders in schwierigen Situationen. Er entdeckt nicht nur seine wahren Stärken und Fähigkeiten, sondern findet auch ungewöhnliche und märchenhafte Lösungen für so manche festgefahrenen Probleme im Alltag.

Wenn Sie Freude haben, Ihre „inneren Landschaften“ aufmerksam zu erkunden, dann sind gerade die weisheitsvollen Märchen oder besinnlichen Lehrgeschichten die besten und unterhaltsamen „Brücken“ dorthin und Sie werden Dinge in sich und um sich entdecken, über die Sie nur noch staunen können!

Je nachdem, mit welcher Aufmerksamkeit und Achtsamkeit man sich den Märchen nähert, desto mehr offenbaren sie uns tiefste Geheimnisse, die das eigene Leben sinnvoll und erfüllend bereichern könnten. Und je öfter, je offener und von Herzen man sich diesen märchenhaften Geschichten widmet, desto mehr geben sie – wie von alleine – von ihrer einfachen und natürlichen Weisheit preis und lassen uns aus dem offenbaren Geheimnis schöpfen, das im Brunnen des Lebens jedem Menschen zugänglich ist.

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Frei erzählen lernen von Geschichten und Märchen

Zwei Dinge, die man wissen sollte, um den Himmel zu erreichen

HimmelEinmal kam ein junger Mann zu einem Weisen und sprach: „Guter Mann, sagt mir doch, was muss ich tun, um den Himmel zu erreichen?“ Da lächelte der Weise und sprach: „Wenn Du den Himmel mit all seiner Liebe und Weisheit erreichen willst, musst Du zwei Dinge wissen: Erstens, dass alle Deine Bemühungen und Dein Streben vergeblich sind, IHN zu erreichen.“

Wie war da der junge Mann enttäuscht, als er dies hörte, aber schließlich siegte die Neugier doch und er fragte weiter: „Ja, und zweitens?“ Abermals lächelte der Weise in solch‘ unermesslicher Güte und kindlicher Weisheit still und vergnügt vor sich hin, bis er schließlich antwortete: „Zweitens, Du musst handeln, als ob Du das erste nicht wüsstest.“

Nach einer alten Lehrgeschichte aus der Märchenzeitschrift,
bearbeitet von Karlheinz Schudt.

Nicht der Wille führt zum Ziel

Wie viele Menschen gibt es, die im Leben mit ihrem Verstand etwas erreichen WOLLEN! Doch wie so oft bleibt mit dieser Einstellung nicht nur die spielerische Lebensfreude und Kreativität auf der Strecke, sondern auch noch der zu erwartende Erfolg.

Alle willentlichen Bemühungen, die ohne Freude und „Herzblut“ verrichtet werden, führen letztendlich zu mehr Frust als Lust. Gerade wir Erwachsenen denken viel zu lange über abstrakte „Zustände“ wie z. B. den Himmel nach, philosophieren, theologisieren und schaffen so mit unserem Verstand eine künstliche Welt, wie es „dort oben“ aussehen bzw. welche paradiesischen Zustände wir dort vorfinden könnten.

Kinder sind da völlig anders. Sie können noch ihrem Naturell gemäß in „beiden“ Welten leben,  „unten“ UND „oben“. Warum? Weil sie (noch) nicht trennen. Für sie ist alles EINS. Sie LEBEN wirklich noch ganzheitlich und sind nicht auf ihren Verstand alleine reduziert. Leider ändert sich dies im Laufe des Älter werdens auf Kosten von Kreativität und Phantasie.

Unser Verstand stört nicht, er verläuft sich nur häufig

Wahre Offenbarungen, Ideen oder Lösungen aber können nicht mit unserem Verstand gefunden werden, dessen Aufgabe mehr das Erinnern, Organisieren, Strukturieren und Verwalten unseres Lebens ist. Weitaus mehr in dieser Beziehung kann da unser spielerisches, intuitives und kreatives Gemüt. Schließlich lebt es ja, wie das Kind selbst, sowohl mitten im Alltag, wie auch in dieser himmlischen „paradiesischen“ Welt.

Und somit ist der „Himmel“ gar nicht so weit weg,  wie wir vermuten, sondern wirkt bereits und seit jeher in unserem ALLERINNERSTEN. Wir sollten uns nur an IHN (oder ES)  erinnern, anstatt mit künstlichen Übungen, dogmatischen Diskussionen und eisernem Willen IHN (den Himmel) in weiter Ferne zu suchen. Womöglich entdecken wir dann in unserem Leben und unserem so scheinbar völlig normalen und gewöhnlichen Alltag eine solch himmlische Qualität, die wir vielleicht nur noch in Erinnerungen aus unserer Kindheit kennen.

© Karlheinz Schudt
MärchenerzählerAutorSeminarleiter

Betrachtung Märchen: Im Paradiesgarten der Frau Holle

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreibenSie kennen sicherlich das Märchen vom Rotkäppchen!? Bestimmt, es ist jenes Märchen aus der Grimmschen Sammlung (KHM 26 von 1857), das wohl am bekanntesten ist, aber dessen Inhalt bis zur heutigen Zeit auch schon unzählige Male verdreht, verändert, missbraucht oder verstümmelt wurde.

„Ach, wie war ich erschrocken,
wie war’s so dunkel in dem Wolf seinem Leib!“

Die meisten Menschen, die glauben, das Märchen vom Rotkäppchen zu kennen, erinnern sich vielleicht noch an den vermeintlichen Schluss, als Rotkäppchen sagte: „Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir’s die Mutter verboten hat.“

Ein Schluss, wie er für Moralpädagogen nicht besser im Buche stehen könnte, zumindest wenn man das Märchen mit den moralischen, historischen oder den äußeren „Augen“ betrachtet. Mit anderen Worten könnte das ja heißen, „Wenn Du alles tust, was Deine Mutter oder die wie auch immer geartete Obrigkeit Dir sagt, dann wird es schon seine Richtigkeit haben“.

Daher lässt man auch den eigentlichen Schluss dieses Märchens gerne weg, der – sofern man sich überhaupt noch daran erinnert – auf etwas hinweist, was man nicht gerne hört. Der 1. Wolf wurde dank der Wachheit des „Jägers“ besiegt aber nun kommt ein 2. Wolf ins Spiel bzw. ins Märchen.

Aber lesen Sie zunächst selbst das ganze Märchen im Original:
>>> Rotkäppchen, Brüder Grimm, KHM 26 aus der Fassung von 1857 <<<

Nachdem nun Rotkäppchen aus der Dunkelheit, aus dem Leib des Wolfes wieder ans Licht kam und der Wolf vernichtet war, wird es jetzt mit einem anderen Wolf konfrontiert, der aber im Grunde dieselben betrügerischen Mechanismen anwendet, wie sein Vorgänger.

Ja, es wird sogar so geschildert, als ob das, was im 1. Wolf lebte, seine Fortsetzung in diesem scheinbaren 2. Wolf findet. Doch diesmal gelingt es dem Rotkäppchen mit der Weisheit der nun wieder zu Kräften gekommenen Großmutter, den Wolf zu durchschauen und ihn aus eigenen Kräften unschädlich zu machen.

Licht und Dunkelheit gehören zum Leben

Wenn die Dunkelheit besiegt ist (z. B. in der Gestalt des Wolfes) oder das, was man gerne als das „Böse“ im Märchen bezeichnet, dann ist nur die Hülle vernichtet, nicht aber der Kern. Der nistet sich in Kürze und meist noch massiver, raffinierter und voller Täuschung dort ein, wo er nicht erkannt wird bzw. wo man ihn nicht vermutet. Offenbar gehört die Dunkelheit zum Leben dazu und ist, wie das Licht, ein notwendiger Bestandteil, damit der Mensch sich seiner allerinnersten Natur bewusst wird, anstatt sich von allerlei äußeren Ablenkungen noch weiter in die Irre führen zu lassen.

Und so können auch die heilsamen Märchenbilder, vorausgesetzt man betrachtet sie mit den inneren Augen, wesentliche Hinweise und Lösungen zeigen, wie wir mit all den inneren und äußeren Kräften, Herausforderungen und Widerständen so umgehen können, dass sie uns und allen Beteiligten wahrhaftig nutzen, anstatt unser Bewusstsein noch mehr zu vernebeln oder zu verdunkeln.

Gerade jetzt, wo gerne sehr einseitig, undifferenziert, höchst emotional, hasserfüllt und gewaltbereit auf politische, gesellschaftliche oder mitmenschliche Geschehnisse reagiert wird, wäre ein bewusstes, mehrere Blickwinkel einschließendes Betrachten bitter nötig, um die wahren Ursachen dahinter besser zu erkennen. Denn Dunkelheit, Hass, Gewalt, Angst und Ignoranz sind KEINE Resultate irgend eines Krieges. Sie verursachen ihn!

Und so möchte ich diesen Blog-Artikel mit einem Zitat von Martin Luther King beenden:

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben

„Streben wir nach Macht um der Macht willen? Oder sind wir bemüht, das Leben in der Welt und in unserer Nation zu verbessern; denn wenn wir danach streben, kann Gewalt niemals die Lösung bringen. Das größte Übel der Gewalt liegt darin, dass sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu verringern, vermehrt sie es. Durch Gewalt kann man den Hassenden ermorden, aber man tötet den Hass nicht. Gewalt verstärkt den Hass. Das sind Tatsachen. Gewalt mit Gewalt zu beantworten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben. Das kann nur das Licht. Hass kann Hass nicht vertreiben. Das kann nur die Liebe.“

© Karlheinz Schudt
Märchenerzähler, Autor, Seminarleiter

Betrachtung Märchen: Im Paradiesgarten der Frau Holle